Ein Grenzbeamter, der nur flüchtig in den Reisepass schaut, dabei telefoniert und dem Menschen am anderen Ende der Leitung erklärt, wie man ein iPhone update macht. Endlich wieder daheim.
Japan ist sicher das, was man als krönenden Abschluss einer tollen Reise bezeichnen kann. Die Leut sind am westlichsten von allen bisher besuchten Asiaten, der kleine Fehler im Kopf, der in Fernost anscheinend Gang und Gebe ist, ist da noch ein klein wenig ausgeprägter als in China und Korea. Nicht, dass das unsympatisch wäre, aber das Sozialleben. Das einzige, was das wirklich beschreiben könnte, wär ein Bild das nur ein großes Kopfschütteln zeigt. Ich mein, wenn man den touristischen Aspekt einer Pornoladenbesichtigung in irgendeiner Form zu schätzen weiß, dann wird man hier wirklich glücklich. Und mindestens die Hälfte davon gezeichnet. Zeitschrift, Buch, DVD, Blu-Ray, PC-DVD. Ein riesiges Medienspektrum, gewidmet der gezeichneten Körperkunst.
Freitag, 6. August 2010
Mittwoch, 28. Juli 2010
a Sechzehner Blech
So, jetzt hab ich die wichtigsten Städte Chinas durchgespielt und weiß nicht so recht, ob ich positiv oder negativ resümieren soll. Peking hat sich schlussendlich als die Stadt herausgestellt, die mein Feind sein will, und wird. Letztens hab ich der Stadt ja nicht soooo viel gutes zugeschrieben, die hat sich dafür gleich mal via Umweg Karma revanchiert, indem sie in einem heimtückischen Akt der Bosheit, verkleidet als Computerfehler, so ziemlich meine ganzen Fotos der Stadt verschwinden hat lassen. Wär nicht so schlimm, Wetter war eh mies, aber um die Fotos der Mauer ists mir doch ein bisschen leid. Das resultierende Fluchen über die Stadt hat dieselbige nur weiter provoziert, so hat sich in meiner Wäsche ein pekinesisches HardRock Cafe Shot Glass versteckt und hat dann in der Waschmaschine einen Glasscherbenamoklauf veranstaltet. Geh ich halt als Punk mit zerrissenem Leiberl, die Japaner kaufen mir das sicher als neuen europäischen tornshirtstyl ab.
HongKong hat vieles wieder gut gemacht, was Peking vermiest hat. Ein bisschen New York Feeling kommt auf in der Stadt, und wären nicht so viele Chinesen da, könnte man die Stadt locker in die USA oder nach Großbritannien stellen, würde keinem zu sehr als Fremdkörper auffallen. Die Masse der Leute wird viel besser gehandhabt, die Verteilung der Massen funktionierte so gut, dass es nur ganz selten zu diesem überfüllten Gefühl gekommen ist, das mich ansonsten auf dem ganzen Chinatrip konstant begleitet hat.
Kleines Highlight war die Avenue of Stars, ein asiatischer Walk of Fame Verschnitt. Da spaziert man, erkennt natürlich überhaupt keine der Berühmtheiten, und geht mit gesenktem Blick andächtig von Sternchen zu Sternchen und hofft darauf, dass was passiert. Und dann passiert was. Man rennt in eine Absperrung. Und dann schaut man auf. Und schaut ihm in die Augen. Und er schaut dir in die Augen. Ein überlebensgroßer, schwarzer, kampfbereiter Bruce Lee. Nichts gegen den restlichen Hongkonger Filmmarkt. Jackie Chan verdient ja auch Respekt. Aber freakin' Bruce Lee. Bereit dich zu zerstören. Da war ich glücklich.
Macau, das Glücksspielparadies, das nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt ist, hat sich entpuppt, naja, als Glücksspielparadies. Viele Hotels mit inkludierten Casinos, dort wo keine Hotels waren, waren recht ärmliche Viertel, die die Leute beherbegern, die die Hotels am laufen halten. Das Stadtzentrum, ganz portugiesisch geprägt, war den Trip wert, und eine chinesischjesuitische Kirchenfasade, die den heiligen Geist, obligatorische Kreuze aber auch eine vielköpfige Hydra und einen Monster-Drachen bietet, die hat was für sich. Die wollten das Christentum so richtig cool machen, sieht man gleich.
Da hat die Zeit wieder angefangen, schnell zu vergehen, und schon war ich in Shanghai. War irgendwie ein Mix aus den ersten beiden Städten, zwar unendlich viele Menschen, aber doch im großen und ganzen eine moderne Stadt. Das die EXPO zur gleichen Zeit mit mir in der Stadt war, musste natürlich genutzt werden, und dort hat man gesehen, was mit vielen vielen Billigarbeitskräften möglich ist. Das Gelände natürlich hochgesichert, immer sauber, fast schon rein, ebenso die Sanitäranlagen und eigentlich alles. Die Idee, das ganze am Samstag anzuschauen, haben neben mir auch 17 Millionen Chinesen gehabt, das hat auch erklärt warum bei manchen Ländern die Wartezeit auf die 4 Stunden zuging (Deutschland, Frankreich, Spanien) und ihr Maximum in 8 Stunden beim saudi-arabischen Pavillion fand. Dementsprechend wurden eher solche Länder mit geringen bis keinen Wartezeiten besucht, wie der Iran, Nordkorea, Usbekistan und Österreich.
Und da hat man sich schon ein bisschen daheim gefühlt. Oberösterreicherinnen, die mit dem im Haus produzierten Kunstschnee chinesische Kinder mit Schneebällen bewerfen, ein Tiroler, der auf den Hinweiß, dass das klassische Musikstückchen, das alle Stunden gespielt wird, etwas spät dran ist, nur mit den Worten "a moch kan Stress" reagiert und ein Shop, der heimische Produkte verkauft. Was will man mehr. Hätte mir nie vorgestellt, ein Packerl Soletti und eine kleine Dose Ottakringer als österreichisches Frühstück durchgeht bei mir. Und das es gut ist obendrein.
Letzter Tag in Shanghai, man sitzt an der Promenade gegenüber der doch beeindruckenden Skyline. Eine der unzähligen Chinesinnen, die in irgendeiner Form von mir Geld wollen hat sich neben mich gesetzt, und hat einmal eine ganz gewagte Technik probiert. Sie war ehrlich. Hat gesagt sie ist arbeitslos, und braucht Geld, darum fragt sie Ausländer, die wahrscheinlich Geld haben, ob sie ihr Geld geben. NEuro wollt sie. Stefan natürlich großherzig, hat den Euro springen lassen, und dann ist sie sitzen geblieben. Und dann haben wir ein Gespräch über das Ölleck in Mexico, die europäische Wirtschaft, und ob man IKEA als Erfolgsunternehmen bezeichnen kann, geführt.
Ich würde sie als nett bezeichnen im nachhinein. Eine arbeitslose Frau, die Geld schnorrt, führt zu einer positiven Gesamtbilanz. Gut gemacht, China.
HongKong hat vieles wieder gut gemacht, was Peking vermiest hat. Ein bisschen New York Feeling kommt auf in der Stadt, und wären nicht so viele Chinesen da, könnte man die Stadt locker in die USA oder nach Großbritannien stellen, würde keinem zu sehr als Fremdkörper auffallen. Die Masse der Leute wird viel besser gehandhabt, die Verteilung der Massen funktionierte so gut, dass es nur ganz selten zu diesem überfüllten Gefühl gekommen ist, das mich ansonsten auf dem ganzen Chinatrip konstant begleitet hat.
Kleines Highlight war die Avenue of Stars, ein asiatischer Walk of Fame Verschnitt. Da spaziert man, erkennt natürlich überhaupt keine der Berühmtheiten, und geht mit gesenktem Blick andächtig von Sternchen zu Sternchen und hofft darauf, dass was passiert. Und dann passiert was. Man rennt in eine Absperrung. Und dann schaut man auf. Und schaut ihm in die Augen. Und er schaut dir in die Augen. Ein überlebensgroßer, schwarzer, kampfbereiter Bruce Lee. Nichts gegen den restlichen Hongkonger Filmmarkt. Jackie Chan verdient ja auch Respekt. Aber freakin' Bruce Lee. Bereit dich zu zerstören. Da war ich glücklich.
Macau, das Glücksspielparadies, das nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt ist, hat sich entpuppt, naja, als Glücksspielparadies. Viele Hotels mit inkludierten Casinos, dort wo keine Hotels waren, waren recht ärmliche Viertel, die die Leute beherbegern, die die Hotels am laufen halten. Das Stadtzentrum, ganz portugiesisch geprägt, war den Trip wert, und eine chinesischjesuitische Kirchenfasade, die den heiligen Geist, obligatorische Kreuze aber auch eine vielköpfige Hydra und einen Monster-Drachen bietet, die hat was für sich. Die wollten das Christentum so richtig cool machen, sieht man gleich.
Da hat die Zeit wieder angefangen, schnell zu vergehen, und schon war ich in Shanghai. War irgendwie ein Mix aus den ersten beiden Städten, zwar unendlich viele Menschen, aber doch im großen und ganzen eine moderne Stadt. Das die EXPO zur gleichen Zeit mit mir in der Stadt war, musste natürlich genutzt werden, und dort hat man gesehen, was mit vielen vielen Billigarbeitskräften möglich ist. Das Gelände natürlich hochgesichert, immer sauber, fast schon rein, ebenso die Sanitäranlagen und eigentlich alles. Die Idee, das ganze am Samstag anzuschauen, haben neben mir auch 17 Millionen Chinesen gehabt, das hat auch erklärt warum bei manchen Ländern die Wartezeit auf die 4 Stunden zuging (Deutschland, Frankreich, Spanien) und ihr Maximum in 8 Stunden beim saudi-arabischen Pavillion fand. Dementsprechend wurden eher solche Länder mit geringen bis keinen Wartezeiten besucht, wie der Iran, Nordkorea, Usbekistan und Österreich.
Und da hat man sich schon ein bisschen daheim gefühlt. Oberösterreicherinnen, die mit dem im Haus produzierten Kunstschnee chinesische Kinder mit Schneebällen bewerfen, ein Tiroler, der auf den Hinweiß, dass das klassische Musikstückchen, das alle Stunden gespielt wird, etwas spät dran ist, nur mit den Worten "a moch kan Stress" reagiert und ein Shop, der heimische Produkte verkauft. Was will man mehr. Hätte mir nie vorgestellt, ein Packerl Soletti und eine kleine Dose Ottakringer als österreichisches Frühstück durchgeht bei mir. Und das es gut ist obendrein.
Letzter Tag in Shanghai, man sitzt an der Promenade gegenüber der doch beeindruckenden Skyline. Eine der unzähligen Chinesinnen, die in irgendeiner Form von mir Geld wollen hat sich neben mich gesetzt, und hat einmal eine ganz gewagte Technik probiert. Sie war ehrlich. Hat gesagt sie ist arbeitslos, und braucht Geld, darum fragt sie Ausländer, die wahrscheinlich Geld haben, ob sie ihr Geld geben. NEuro wollt sie. Stefan natürlich großherzig, hat den Euro springen lassen, und dann ist sie sitzen geblieben. Und dann haben wir ein Gespräch über das Ölleck in Mexico, die europäische Wirtschaft, und ob man IKEA als Erfolgsunternehmen bezeichnen kann, geführt.
Ich würde sie als nett bezeichnen im nachhinein. Eine arbeitslose Frau, die Geld schnorrt, führt zu einer positiven Gesamtbilanz. Gut gemacht, China.
Sonntag, 18. Juli 2010
Peking
"Do you wanna have nice girl with healthy massage sex?"
Dieses, und viele andere andere Angebote dieser Art, weiters Vorschläge Postkarten, Anstecknadeln, kommunistische Parteibücher, OBA MAO T-Shirts, Regenschirme, vierzehnteilige Flugdrachen, tiefgekühlte Melonen und Zigaretten zu kaufen, haben mich nur zu einem Schluss bringen können: der geschäftstüchtige pekinger Durchschnittstouristenfänger ist um mich besorgt.
Die Reise vom Pekinger Flughafen, noch frisch im Glanz der Renovierung für die Olympischen Spiele, zu meinem Hostel, das unweit des politisch viel genutzten TianMen Platzes gelegen ist, hat sehr schnell die Unterschiede zu, sagen wir mal Hausnummer: Korea, aufgezeigt. Seoul hat ja noch einige Millionen mehr Einwohner als die chinesische Hauptstadt, trotzdem hab ich mich dort nie richtig beengt gefühlt. Es ist unglaublich, wieviele Menschen hier sind. So viele Menschen. Überall. Überall sind Menschen und stoßen, und drängen, kämpfen um freie Sitzplätze in der U-Bahn. Irgendwie, obwohl die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel sicher mit anderen Metropolen vergleichbar, wenn nicht sogar etwas größer ausgelegt sind, man hat irgendwie immer das Gefühl, alles ist unterdimensioniert. Dafür, so eine Stunde nachdem die U-Bahn aufgehört hat, ihr Kampfprogramm zu fahren (also gegen Mitternacht), nimmt die Dichte auf den Strassen sehr stark ab, nix mit "City that never sleeps". Von 12-6 ist Bettruhe.
Um den Abend nach der Ankunft noch etwas zu nutzen, hab ich das hosteleigene Angebot einer Tour zu einer örtlichen Kung-Fu Show wahrgenommen, die Alternative wär eine Akrobatikshow gewesen. Akrobatik, pff, wer schaut denn sich sowas an. Aber Kung-Fu, das kann ja nix schlechtes sein, wenn mans dort sieht wos herkommt. Das ganze war in eine Geschichte verpackt, wo ein kleines Kind zum alten Kung-Fuuuuu Meister geht, und sagt, es hat Angst, weil die Herausforderung so groß ist blablabla. Um den Balg zu ermutigen, erzählt der Meister eine Geschichte von einem anderen jungen Kampfchinesen, der vor vielen Jahren in der gleichen Situation war, und legt dann obendrauf natürlich noch dessen ganze Lebensgeschichte nach. Inklusive Selbstzweifel, Abkommen vom rechten Weg wegen einer Frau (eh klar), Trauer über den Tod derjenigen, Selbstwiederfindung und schlussendlicher Retournierung zum einzig wahren Lebenssinn. Und, jetzt kommt die Wendung der Geschichte, mit der sicher niemand, also wirklich NIEMAND gerechnet hat. Es ist die Lebensgeschichte vom alten Meister selbst.
Na. Wer. Hätte. Das. Gedacht. Wenigstens hat er sich einmal vor lauter Ärger ein paar Eisenstangen am Kopf zerschlagen. Das war coooooool.
Zweiter Tag, oben genannter TianMen Platz und Verbotene Stadt. Am Platz stehen noch ein paar alte Stadttore, die recht eindrucksvoll sind, aber Main Attraction ist das Mausoleum vom Mao. Maosoleum. Witz des Jahrhunderts. Auf jeden Fall hat man sich, damit man da reinschauen darf, anstellen müssen. Ich hätt mir nie gedacht, dass eine Warteschlange eindrucksvoll sein kann, aber da bin ich eines besseren belehrt worden. Zuerst einmal hat man alle Taschen, Fotoapparate, eigentlich alles, was man nicht als Kleidung bezeichnen kann, abgeben müssen in einer zentralen Lagerstätte, und dann ist der Spass schon losgegangen. Da sind so 3-4 Leute auf gleicher Höhe gestanden, und ich hab mir den Spass gemacht, einfach einmal die halbe Länge der Schlange entlangzugehen. Das hat 10 Minuten gedauert. So viele Menschen. Unglaublich. Ich hab mir das Kommunistendenkmal aber dann doch nur von aussen angeschaut und bin gleich in die Verbotene Stadt weiter, praktisch ist das hier in Peking, alles ist auf einer Nord-Süd Achse.
ie Anlage ist einmal so richtig groß; ohne mich großartig an bestimmten Orten in der ehemaligen Kaisercity aufzuhalten, hab ich locker 3 bis 4 Stunden vergehen lassen, bis ich mich dann zum Nordeingang durchgekämpft hatte. Nach einer interessanten kalten Nudel-Gurken Variation war als nächstes der Kaiserliche Stadtpark am Programm, der aber sehr viel Flair durch die miese Wetterlage verloren hatte. Abgerundet wurde der Tag beim Nachtmarkt bei gutem Skorpion am Spieß.
Obligatorisch war Tags darauf der Trip zur großen Mauer, aber nicht zum Mainstream touristifizierten Teil, nein, unsere muntere Reisegruppe wurde zu einem abgelegeren, nur teilweise restaurierten Teil der Mauer gebracht, wo dann 3 Stunden wandern angesagt war. Bin ich ja kein Freund von, aber als dann der fünfte Turm passiert war, man auf der Spitze eines der unzähligen Berge dort gestanden ist, die Landschaft genießt (der einzige Tag mit schönem Wetter) und einem einfach nur das Wort "Geil" im Kopf herumschwirrt, dann weiss man wohl, dass sich die Schinderei bezahlt gemacht hat.
Am dritten Tag haben dann meine Oberschenkel formal Beschwerde über den letzten Tag eingebracht, ein ruhigerer Tag war angesagt.Es wurde neben einer weiteren sehr überfüllten Tempelanlage ein Shoppingcenter besucht, so ein richtig tolles war das, mit Preisen, die sich sehr schnell halbiert haben, wenn man nur einmal nein gesagt hat, und sowieso nur Originialware. Und Wahnsinn, die sind uns voraus, die haben sogar "iPads" auf denen Android 1.0 lauft. Unglaublich, diese Chinesen.
Abends dann meine obligatorischen HardRockCafé Shot Glasses eingeholt und dort dann einer Coverband gelauscht, die ihre Texte nicht konnte. "Du Hast" von Rammstein wird so zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Es war interessant hier zu sein, ich hoffe abr, dass Shanghai und Hong Kong ihrem Ruf gerecht werden, sehr anders zu sein.
So viele Menschen... das macht mich fertig.
Dieses, und viele andere andere Angebote dieser Art, weiters Vorschläge Postkarten, Anstecknadeln, kommunistische Parteibücher, OBA MAO T-Shirts, Regenschirme, vierzehnteilige Flugdrachen, tiefgekühlte Melonen und Zigaretten zu kaufen, haben mich nur zu einem Schluss bringen können: der geschäftstüchtige pekinger Durchschnittstouristenfänger ist um mich besorgt.
Die Reise vom Pekinger Flughafen, noch frisch im Glanz der Renovierung für die Olympischen Spiele, zu meinem Hostel, das unweit des politisch viel genutzten TianMen Platzes gelegen ist, hat sehr schnell die Unterschiede zu, sagen wir mal Hausnummer: Korea, aufgezeigt. Seoul hat ja noch einige Millionen mehr Einwohner als die chinesische Hauptstadt, trotzdem hab ich mich dort nie richtig beengt gefühlt. Es ist unglaublich, wieviele Menschen hier sind. So viele Menschen. Überall. Überall sind Menschen und stoßen, und drängen, kämpfen um freie Sitzplätze in der U-Bahn. Irgendwie, obwohl die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel sicher mit anderen Metropolen vergleichbar, wenn nicht sogar etwas größer ausgelegt sind, man hat irgendwie immer das Gefühl, alles ist unterdimensioniert. Dafür, so eine Stunde nachdem die U-Bahn aufgehört hat, ihr Kampfprogramm zu fahren (also gegen Mitternacht), nimmt die Dichte auf den Strassen sehr stark ab, nix mit "City that never sleeps". Von 12-6 ist Bettruhe.
Um den Abend nach der Ankunft noch etwas zu nutzen, hab ich das hosteleigene Angebot einer Tour zu einer örtlichen Kung-Fu Show wahrgenommen, die Alternative wär eine Akrobatikshow gewesen. Akrobatik, pff, wer schaut denn sich sowas an. Aber Kung-Fu, das kann ja nix schlechtes sein, wenn mans dort sieht wos herkommt. Das ganze war in eine Geschichte verpackt, wo ein kleines Kind zum alten Kung-Fuuuuu Meister geht, und sagt, es hat Angst, weil die Herausforderung so groß ist blablabla. Um den Balg zu ermutigen, erzählt der Meister eine Geschichte von einem anderen jungen Kampfchinesen, der vor vielen Jahren in der gleichen Situation war, und legt dann obendrauf natürlich noch dessen ganze Lebensgeschichte nach. Inklusive Selbstzweifel, Abkommen vom rechten Weg wegen einer Frau (eh klar), Trauer über den Tod derjenigen, Selbstwiederfindung und schlussendlicher Retournierung zum einzig wahren Lebenssinn. Und, jetzt kommt die Wendung der Geschichte, mit der sicher niemand, also wirklich NIEMAND gerechnet hat. Es ist die Lebensgeschichte vom alten Meister selbst.
Na. Wer. Hätte. Das. Gedacht. Wenigstens hat er sich einmal vor lauter Ärger ein paar Eisenstangen am Kopf zerschlagen. Das war coooooool.
Zweiter Tag, oben genannter TianMen Platz und Verbotene Stadt. Am Platz stehen noch ein paar alte Stadttore, die recht eindrucksvoll sind, aber Main Attraction ist das Mausoleum vom Mao. Maosoleum. Witz des Jahrhunderts. Auf jeden Fall hat man sich, damit man da reinschauen darf, anstellen müssen. Ich hätt mir nie gedacht, dass eine Warteschlange eindrucksvoll sein kann, aber da bin ich eines besseren belehrt worden. Zuerst einmal hat man alle Taschen, Fotoapparate, eigentlich alles, was man nicht als Kleidung bezeichnen kann, abgeben müssen in einer zentralen Lagerstätte, und dann ist der Spass schon losgegangen. Da sind so 3-4 Leute auf gleicher Höhe gestanden, und ich hab mir den Spass gemacht, einfach einmal die halbe Länge der Schlange entlangzugehen. Das hat 10 Minuten gedauert. So viele Menschen. Unglaublich. Ich hab mir das Kommunistendenkmal aber dann doch nur von aussen angeschaut und bin gleich in die Verbotene Stadt weiter, praktisch ist das hier in Peking, alles ist auf einer Nord-Süd Achse.
ie Anlage ist einmal so richtig groß; ohne mich großartig an bestimmten Orten in der ehemaligen Kaisercity aufzuhalten, hab ich locker 3 bis 4 Stunden vergehen lassen, bis ich mich dann zum Nordeingang durchgekämpft hatte. Nach einer interessanten kalten Nudel-Gurken Variation war als nächstes der Kaiserliche Stadtpark am Programm, der aber sehr viel Flair durch die miese Wetterlage verloren hatte. Abgerundet wurde der Tag beim Nachtmarkt bei gutem Skorpion am Spieß.
Obligatorisch war Tags darauf der Trip zur großen Mauer, aber nicht zum Mainstream touristifizierten Teil, nein, unsere muntere Reisegruppe wurde zu einem abgelegeren, nur teilweise restaurierten Teil der Mauer gebracht, wo dann 3 Stunden wandern angesagt war. Bin ich ja kein Freund von, aber als dann der fünfte Turm passiert war, man auf der Spitze eines der unzähligen Berge dort gestanden ist, die Landschaft genießt (der einzige Tag mit schönem Wetter) und einem einfach nur das Wort "Geil" im Kopf herumschwirrt, dann weiss man wohl, dass sich die Schinderei bezahlt gemacht hat.
Am dritten Tag haben dann meine Oberschenkel formal Beschwerde über den letzten Tag eingebracht, ein ruhigerer Tag war angesagt.Es wurde neben einer weiteren sehr überfüllten Tempelanlage ein Shoppingcenter besucht, so ein richtig tolles war das, mit Preisen, die sich sehr schnell halbiert haben, wenn man nur einmal nein gesagt hat, und sowieso nur Originialware. Und Wahnsinn, die sind uns voraus, die haben sogar "iPads" auf denen Android 1.0 lauft. Unglaublich, diese Chinesen.
Abends dann meine obligatorischen HardRockCafé Shot Glasses eingeholt und dort dann einer Coverband gelauscht, die ihre Texte nicht konnte. "Du Hast" von Rammstein wird so zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Es war interessant hier zu sein, ich hoffe abr, dass Shanghai und Hong Kong ihrem Ruf gerecht werden, sehr anders zu sein.
So viele Menschen... das macht mich fertig.
Donnerstag, 8. Juli 2010
How to do a Korean girl?
You don't.
Seoul, mmm Großstadt. Und man hat meinem Unterbewusstsein angemerkt, dass es irgendetwas zu kompensieren hatte, irgendetwas, das in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen ist, etwas, was eigentlich von Anfang an geplant war: Party.
Kapitel eins war die Abschiedsfeier von unserem libanesischen Kommilitonen, den die Uni wieder in die Wahlheimat Deutschland gerufen hat. Natürlich die Gelegenheit am Schopf gepackt, und die illustre Männerrunde hat sich ins Univiertel aufgemacht, um zu sehen, obs überall in Korea einen Aufregungsgrad vergleichbar zu dem in Pohang hat, oder ob Leute auch irgendwo wirklich leben.
Sie tun's. Und wie.
Nur um meine These zu untermauern, dass dort auch wirklich immer was los ist, war ich sicherheitshalber an 5 verschiedenen Abenden in der Gegend, zwecks der Stichprobe, und immer, wirklich immer, würd der Bär steppen, wenn er da wäre.
Bekleidungsttechnisch bewegen wir uns in dieser Gegend der Stadt eher auf Dritte-Welt-Niveau, nicht zwecks des Aussehens, sondern bezüglich der Stoffmenge. Aus fünf, sechs dieser Miniröcke könnte man schon ein annehmbares Kleidungsstück für den europäischen Raum zaubern.
Nebenbei ein bisschen herumtouritifiziert, das hat sich aber alles in einem angenehmen, nicht allzu stressigen Rahmen gehalten.
Sportlichen, ach was sag ich, athletischen Höhepunkt der lustigen Koreaaufarbeitungsreise hat unser Fahrradtrip im hübschen Örtchen Gyeongju dargestellt. Diese haben wir uns ausleihenderweise besorgt, und schon sind wir an das 5 Kilometer entfernte Resortseechen gefahren, wo sich Hotels und Freizeitanlagen aneinanderkuscheln. Was uns der LonelyPlanet und auch zwei lokale Taxifahrer empfohlen haben: einen Schiessstand.
Und dort ists passiert. Ich hab das erste mal in meinem Leben eine Waffe abgefeuert. Und ja, ich war beim Bundesheer.
Wir haben eine standesgemäße Aufteilung der Schusseisen gewählt, für den Reisegefährten ist es das österreichische Qualitätsprodukt Glock 17 geworden, ich hab mich für die Magnum entschieden. Ja, Bumm hats gemacht.
Das nächste Ziel war ein Tempel, der nur so 10 Kilometer entfernt war. Steigung ist eine Schlampe, aber wir waren doch glücklich als wir zerstört von Halbbergstrassen im Angesicht eines zufriedenen Buddhas der Erleuchtung ein kleines Stück näher kamen.
Am Abend dann weiter nach Busan, und das Quartier, das auf den klingenden fast schon Pornonamen "Queens Motel" hört, ist das mit Abstand beste, was ich lebetechnisch je in Korea erlebt hab. Zimmerservice, große, saubere Sanitäranlagen, Kühlschrank, Wasserspender... alles was dass Herz begehrt. Da will man gar nicht mehr weg. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir heute das Zimmer kaum verlassen haben, nicht das ewig lange Fortgehen mit ein paar noch in Pohang resitierenden Praktikumsstudenten.
Den Mitreisenden Matthias, der den ganzen Unfug mit mir treibt, lasse ich an dieser Stelle herzlich grüßen, obwohl er eigentlich eh zwei Meter neben mir Fussballwiederholungen anschaut.
Lustig wars mit ihm, hat mich sehr gefreut das er einen Teil der Reise mitbeschritten hat. In Seoul sind wir noch ein bisschen fortgegangen und haben uns noch das eine oder andere Styleviertel angeschaut, und jetzt, auf einmal, ist schon wieder alles anders. Jetzt, der Moment, an dem es wirklich vorbei ist mit Korea. Jetzt, drei Tage, ein Fussball-WM Finale und eine kleine Flugreise später, sitz ich in Peking, und ärger mich, dass meine Internetkünste nicht dafür reichen, Fotos in den Blog zu laden.
Wird wohl ein wenig Text-only werden in der nächsten Zeit...
Seoul, mmm Großstadt. Und man hat meinem Unterbewusstsein angemerkt, dass es irgendetwas zu kompensieren hatte, irgendetwas, das in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen ist, etwas, was eigentlich von Anfang an geplant war: Party.
Kapitel eins war die Abschiedsfeier von unserem libanesischen Kommilitonen, den die Uni wieder in die Wahlheimat Deutschland gerufen hat. Natürlich die Gelegenheit am Schopf gepackt, und die illustre Männerrunde hat sich ins Univiertel aufgemacht, um zu sehen, obs überall in Korea einen Aufregungsgrad vergleichbar zu dem in Pohang hat, oder ob Leute auch irgendwo wirklich leben.
Sie tun's. Und wie.
Nur um meine These zu untermauern, dass dort auch wirklich immer was los ist, war ich sicherheitshalber an 5 verschiedenen Abenden in der Gegend, zwecks der Stichprobe, und immer, wirklich immer, würd der Bär steppen, wenn er da wäre.
Bekleidungsttechnisch bewegen wir uns in dieser Gegend der Stadt eher auf Dritte-Welt-Niveau, nicht zwecks des Aussehens, sondern bezüglich der Stoffmenge. Aus fünf, sechs dieser Miniröcke könnte man schon ein annehmbares Kleidungsstück für den europäischen Raum zaubern.
Nebenbei ein bisschen herumtouritifiziert, das hat sich aber alles in einem angenehmen, nicht allzu stressigen Rahmen gehalten.
Sportlichen, ach was sag ich, athletischen Höhepunkt der lustigen Koreaaufarbeitungsreise hat unser Fahrradtrip im hübschen Örtchen Gyeongju dargestellt. Diese haben wir uns ausleihenderweise besorgt, und schon sind wir an das 5 Kilometer entfernte Resortseechen gefahren, wo sich Hotels und Freizeitanlagen aneinanderkuscheln. Was uns der LonelyPlanet und auch zwei lokale Taxifahrer empfohlen haben: einen Schiessstand.
Und dort ists passiert. Ich hab das erste mal in meinem Leben eine Waffe abgefeuert. Und ja, ich war beim Bundesheer.
Wir haben eine standesgemäße Aufteilung der Schusseisen gewählt, für den Reisegefährten ist es das österreichische Qualitätsprodukt Glock 17 geworden, ich hab mich für die Magnum entschieden. Ja, Bumm hats gemacht.
Das nächste Ziel war ein Tempel, der nur so 10 Kilometer entfernt war. Steigung ist eine Schlampe, aber wir waren doch glücklich als wir zerstört von Halbbergstrassen im Angesicht eines zufriedenen Buddhas der Erleuchtung ein kleines Stück näher kamen.
Am Abend dann weiter nach Busan, und das Quartier, das auf den klingenden fast schon Pornonamen "Queens Motel" hört, ist das mit Abstand beste, was ich lebetechnisch je in Korea erlebt hab. Zimmerservice, große, saubere Sanitäranlagen, Kühlschrank, Wasserspender... alles was dass Herz begehrt. Da will man gar nicht mehr weg. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir heute das Zimmer kaum verlassen haben, nicht das ewig lange Fortgehen mit ein paar noch in Pohang resitierenden Praktikumsstudenten.
Den Mitreisenden Matthias, der den ganzen Unfug mit mir treibt, lasse ich an dieser Stelle herzlich grüßen, obwohl er eigentlich eh zwei Meter neben mir Fussballwiederholungen anschaut.
Lustig wars mit ihm, hat mich sehr gefreut das er einen Teil der Reise mitbeschritten hat. In Seoul sind wir noch ein bisschen fortgegangen und haben uns noch das eine oder andere Styleviertel angeschaut, und jetzt, auf einmal, ist schon wieder alles anders. Jetzt, der Moment, an dem es wirklich vorbei ist mit Korea. Jetzt, drei Tage, ein Fussball-WM Finale und eine kleine Flugreise später, sitz ich in Peking, und ärger mich, dass meine Internetkünste nicht dafür reichen, Fotos in den Blog zu laden.
Wird wohl ein wenig Text-only werden in der nächsten Zeit...
Mittwoch, 30. Juni 2010
Das Gute im Menschen
Alternativprogramm zu Freiluftaktivitäten sind natürlich unter der Erde zu suchen, wie praktisch, dass sich eines der größten Lavehöhlensysteme weltweit auf der Insel befindet und noch dazu touristisch erschlossen ist und NOCH DAZU das dreijährige Jubiläum zum UNESCO Welterbe angestanden ist, und somit das ganze Vergnügen auch noch gratis war.

War dann eine tolle, lange Höhle, mit großem Lavaturm zum Schluss, und schön beleuchtet und so, ja. Zuvor hats noch einen Besuch in einem klassischen koreanischen Dorf gegeben, das noch dazu noch immer bewohnt ist, von ganz "normalen" Menschen. Auch hier wurde wieder das unendliche Vertrauen der Koreaner an das Gute im Menschen sichtbar. Man konnte jedes Privatgrundstück frei erkunden, selbst die kleinen Verkaufshütten, in denen sich stapelweise traditionellmedizinische Produkte wie Pilzfäden, Knochenkügelchen für die Verdauung und Pferdeöl für die Haut und gegen Sonnenbrand befanden, waren nicht abgesperrt und in keinster Weise gesichert. Nicht einmal ein Kleptomane hätt hier noch Spass, der Reiz ist einfach nicht gegeben.

Der Botanische Garten, der den Startpunkt des nächsten Tages dargestellt hat, war recht üppig bewachsen, ein Tropenfrucht, ein Kakteen und ein Wasserpflanzenhaus haben das Outdoorprogramm von diversen japanischen, italienischen und französischen Gärten schön abgerundet. Nach dem Besuch des einzig wahren Urlaubsparadieses der Koreaner gings in ein Highlight... in das Sex and Health Museum. War ganz nett, für drei von vier Mitreisenden war auch nicht zwingend viel neues dabei, aber die, für dies wichtig war, hat wenigstens die Texte an der Wand lesen können. War schon sprachlos, das Mädl.

Der Glanzauftritt des südkoreanischen Nationalteams wurde dort verfolgt, wo Fußball hingehört: im Stadion. Das war zum Zwecke des Public Viewings geöffnet, und so haben geschätze 4000 Koreaner auf eine Videowall gestarrt, und lautstark ein Team angefeuert, das gar nicht da war. Geholfen hat weder das noch unsere kleidungstechnische Bekennung zu den Reds, vorbei ists mit dem Traum von der Weltmeisterschaft, aber allein ein leeres Fußballfeld anzufeuern war Sieg genug.

Je länger der Aufenthalt dauerte, desto später hat es sich jeden Tag ergeben, dass wir unseren Stammkaffeeladen besucht haben. So sind wir nicht wie am ersten Tag von dort wieder um 9, halb 10 aufgebrochen, bis wirs endgültig zum Glasmuseum geschafft hatten, wars doch schon halb 1. Im Glasmuseum war viel Glas. Sehr vieles schön, einiges halt ja, auch dabei, aber im großen und ganzen ganz lieb. Im obligatorischen Museumsshop hat dann eine begabte Künstlerin mit sehr sehr sehr ruhiger Hand gezeigt, dass sie ganz ganz kleine Sachen malen kann, noch dazu spiegelverkehrt. Die Inselhauptstadt, wo die Tante wieder eine ganz tolle Chauffeurin und Führerin war, bot ein wahnsinnig gutes SchwarzschweinBBQ, einen halbwegs imposanten "traditionellen" Markt, und ein Geschäftsmodell, das wieder sehr auf den asiatischen Markt zugeschnitten ist.
Da gibts ein Kaffeehaus, das is ganz urig und es stehen 10 verschiedene Filterkaffeesorten zur Verfügung, weiter Tee, Limonaden, Bier. Nur Wirt ist keiner da. Jeder nimmt was er will, und bezahlt indem er sein Geld in einen hohlen Baumstamm wirft. Keine Kontrolle. Nichts. Grenzenloses Vertrauen an das Gute im Menschen. Und so wie der Laden aussieht, berechtigtes grenzenloses Vertrauen. Wir würden dem Laden bei uns eine Woche, vielleicht zwei geben, bevor alles geschändet, verbraucht und vernichtet ist. Yay Europa.

Am Abreisetag, an dem sich die Französin (nachdem sie beschlossen hatte, doch nicht mit uns auf dem Schiff fahren, einen Tag länger zu bleiben, ihr Schiffticket zu canceln und einen Flug am nächsten Tag zu buchen) beschlossen hat, doch nicht mit dem Flug am nächsten Tag zu fliegen, sondern zwecks der drohenden Langeweile mit uns am Schiff fahren, waren wir sowieso nur mehr im Kaffeehaus, bis in den mittleren Nachmittag hinein, dann quer über die Insel zum Hauptstadthafen, und dort wieder warten.
Und da ist der Moment gekommen, auf den ich so lange gewartet habe dieses Semester, der Punkt, wo man sich fragt, was man jetzt machen soll, und der Griff in die Tasche ein Buch zu Tage fördert. Kein Fachbuch, kein Paper, ein richtiges, fiktionales Analogbuch. Und weil mich das so gefreut hat, hab ich nicht mehr aufgehört. Ich las und las und las, und dann zwei Stunden schlaf, dann runter vom Boot, Frühstück, einchecken ins Hostel, ins öffentliche Bad, hinlegen, und wieder, lesen, lesen, lesen. Und jetzt kann ich den Wälzer, den ich in weniger als 24 Stunden bezwungen hab, ohne schlechtes Gewissen heimschicken mir der Post.
Hm. Buch lesen. Geil.
War dann eine tolle, lange Höhle, mit großem Lavaturm zum Schluss, und schön beleuchtet und so, ja. Zuvor hats noch einen Besuch in einem klassischen koreanischen Dorf gegeben, das noch dazu noch immer bewohnt ist, von ganz "normalen" Menschen. Auch hier wurde wieder das unendliche Vertrauen der Koreaner an das Gute im Menschen sichtbar. Man konnte jedes Privatgrundstück frei erkunden, selbst die kleinen Verkaufshütten, in denen sich stapelweise traditionellmedizinische Produkte wie Pilzfäden, Knochenkügelchen für die Verdauung und Pferdeöl für die Haut und gegen Sonnenbrand befanden, waren nicht abgesperrt und in keinster Weise gesichert. Nicht einmal ein Kleptomane hätt hier noch Spass, der Reiz ist einfach nicht gegeben.
Der Botanische Garten, der den Startpunkt des nächsten Tages dargestellt hat, war recht üppig bewachsen, ein Tropenfrucht, ein Kakteen und ein Wasserpflanzenhaus haben das Outdoorprogramm von diversen japanischen, italienischen und französischen Gärten schön abgerundet. Nach dem Besuch des einzig wahren Urlaubsparadieses der Koreaner gings in ein Highlight... in das Sex and Health Museum. War ganz nett, für drei von vier Mitreisenden war auch nicht zwingend viel neues dabei, aber die, für dies wichtig war, hat wenigstens die Texte an der Wand lesen können. War schon sprachlos, das Mädl.
Der Glanzauftritt des südkoreanischen Nationalteams wurde dort verfolgt, wo Fußball hingehört: im Stadion. Das war zum Zwecke des Public Viewings geöffnet, und so haben geschätze 4000 Koreaner auf eine Videowall gestarrt, und lautstark ein Team angefeuert, das gar nicht da war. Geholfen hat weder das noch unsere kleidungstechnische Bekennung zu den Reds, vorbei ists mit dem Traum von der Weltmeisterschaft, aber allein ein leeres Fußballfeld anzufeuern war Sieg genug.
Je länger der Aufenthalt dauerte, desto später hat es sich jeden Tag ergeben, dass wir unseren Stammkaffeeladen besucht haben. So sind wir nicht wie am ersten Tag von dort wieder um 9, halb 10 aufgebrochen, bis wirs endgültig zum Glasmuseum geschafft hatten, wars doch schon halb 1. Im Glasmuseum war viel Glas. Sehr vieles schön, einiges halt ja, auch dabei, aber im großen und ganzen ganz lieb. Im obligatorischen Museumsshop hat dann eine begabte Künstlerin mit sehr sehr sehr ruhiger Hand gezeigt, dass sie ganz ganz kleine Sachen malen kann, noch dazu spiegelverkehrt. Die Inselhauptstadt, wo die Tante wieder eine ganz tolle Chauffeurin und Führerin war, bot ein wahnsinnig gutes SchwarzschweinBBQ, einen halbwegs imposanten "traditionellen" Markt, und ein Geschäftsmodell, das wieder sehr auf den asiatischen Markt zugeschnitten ist.
Da gibts ein Kaffeehaus, das is ganz urig und es stehen 10 verschiedene Filterkaffeesorten zur Verfügung, weiter Tee, Limonaden, Bier. Nur Wirt ist keiner da. Jeder nimmt was er will, und bezahlt indem er sein Geld in einen hohlen Baumstamm wirft. Keine Kontrolle. Nichts. Grenzenloses Vertrauen an das Gute im Menschen. Und so wie der Laden aussieht, berechtigtes grenzenloses Vertrauen. Wir würden dem Laden bei uns eine Woche, vielleicht zwei geben, bevor alles geschändet, verbraucht und vernichtet ist. Yay Europa.
Am Abreisetag, an dem sich die Französin (nachdem sie beschlossen hatte, doch nicht mit uns auf dem Schiff fahren, einen Tag länger zu bleiben, ihr Schiffticket zu canceln und einen Flug am nächsten Tag zu buchen) beschlossen hat, doch nicht mit dem Flug am nächsten Tag zu fliegen, sondern zwecks der drohenden Langeweile mit uns am Schiff fahren, waren wir sowieso nur mehr im Kaffeehaus, bis in den mittleren Nachmittag hinein, dann quer über die Insel zum Hauptstadthafen, und dort wieder warten.
Und da ist der Moment gekommen, auf den ich so lange gewartet habe dieses Semester, der Punkt, wo man sich fragt, was man jetzt machen soll, und der Griff in die Tasche ein Buch zu Tage fördert. Kein Fachbuch, kein Paper, ein richtiges, fiktionales Analogbuch. Und weil mich das so gefreut hat, hab ich nicht mehr aufgehört. Ich las und las und las, und dann zwei Stunden schlaf, dann runter vom Boot, Frühstück, einchecken ins Hostel, ins öffentliche Bad, hinlegen, und wieder, lesen, lesen, lesen. Und jetzt kann ich den Wälzer, den ich in weniger als 24 Stunden bezwungen hab, ohne schlechtes Gewissen heimschicken mir der Post.
Hm. Buch lesen. Geil.
Sonntag, 27. Juni 2010
Takeoff
Station 1, eine Insel namens Jeju, gesprochen Tschetschu. Und selten, dass eine Reise ihr erstes Highlight schon im ersten Flug gleich mitinkludiert.
Geflogen wurde mit Jeju-Air, drittgrößter koreanischer Flugreiseanbeiter, ein Unternehmen, das sich jung und dynamisch präsentiert, ist es doch gerade mal im Vorschulalter. Securitychecks verlaufen anders als auf anderen Flughäfen, Zweiliterflaschen sind beispielsweise nicht das geringste Problem, wer wir sind, haben wir ihnen auch erst am Flughafen mitteilen müssen, dafür Feuerzeuge im Hauptgepäcksstück, Schwerverbrechen. Im Flugzeug dann die üblichen Sicherheitsanweisungen, nur beim englischen Teil wurde dann gespart, mit dem Kommantar: "Ihr habts eh grad gesehen was passiert, denkts euch das Englisch dazu." Dafür haben wir ganz genau verstanden, wo das Wasserlandungsequipment zu finden ist.

Nachdem wir wieder mit unserem landessprachlichen bittedankehallo geglänzt haben, ist auch schon das Unterhaltungsprogramm des 50minuten Fluges gestartet. Es gäbe eine tolle Show auf der Insel, und Tatsache, die Passagiere des Fluges konnten zwei Tickets dafür gewinnen. Keine Verlosung, oder wär als nächstes Geburtstag hat, oder ein anderes banales Zufallsprinzip. Hier muss man für den Gewinn arbeiten.. Die Flugbegleiterinnen haben sich die roten StandardkoreabeiderWManfeuerungsleiberl angezogen, und die Flugbegleiterinnenchefin hat sich dann noch einen Stofftiertigerhut aufgesetzt, und dann hat das ganze Flugzeug so oft gegen sie Schere-Stein-Papier gespielt, bis sie den Vorletzten besiegt hat. Und der Letzte hat dann das Ticket bekommen. Und dann das gleiche Spiel noch einmal, und dann war schon Zeit für Landeanflug. Toll.
Angekommen hat uns die Tante unserer lieben koreanischen Mitreisenden abgeholt und in ein Hinterhofrestaurant geführt, wo wir zu einem sehr guten Abendessen geladen worden sind, zuerst wollte die Tante zahlen, aber dann hat sich doch die Restaurantbesitzerin dazu entschlossen, uns einfach alles gratis zu geben und noch ein paar Kekse draufzupacken.

Der erste volle Tag war von einem Besuch auf einer Insel vor der Insel geprägt, wo wir uns zwei Mopeds und ein Quad ausgeliehen haben, und rundherumgebraust sind wie die Wilden; von freedivenden 60jährigen Frauen, die aus 20 Metern Tiefe Muscheln bergen über weissen Korallenstrand nebst schwarzen Vulkangestein bis zu eben fast ganz schwarzen Sandstränden hats da schon viel Natur zum sehen gegeben. Ein kleiner Abendspaziergang hat den Tag schön abgerundet, und am nächsten Morgen ist dann das gekommen, wovor ich mich lange gefürchtet hab, dass es genau zu dieser Zeit kommen wird... Regenzeit. Das Wetter is oarsch.
Geflogen wurde mit Jeju-Air, drittgrößter koreanischer Flugreiseanbeiter, ein Unternehmen, das sich jung und dynamisch präsentiert, ist es doch gerade mal im Vorschulalter. Securitychecks verlaufen anders als auf anderen Flughäfen, Zweiliterflaschen sind beispielsweise nicht das geringste Problem, wer wir sind, haben wir ihnen auch erst am Flughafen mitteilen müssen, dafür Feuerzeuge im Hauptgepäcksstück, Schwerverbrechen. Im Flugzeug dann die üblichen Sicherheitsanweisungen, nur beim englischen Teil wurde dann gespart, mit dem Kommantar: "Ihr habts eh grad gesehen was passiert, denkts euch das Englisch dazu." Dafür haben wir ganz genau verstanden, wo das Wasserlandungsequipment zu finden ist.
Nachdem wir wieder mit unserem landessprachlichen bittedankehallo geglänzt haben, ist auch schon das Unterhaltungsprogramm des 50minuten Fluges gestartet. Es gäbe eine tolle Show auf der Insel, und Tatsache, die Passagiere des Fluges konnten zwei Tickets dafür gewinnen. Keine Verlosung, oder wär als nächstes Geburtstag hat, oder ein anderes banales Zufallsprinzip. Hier muss man für den Gewinn arbeiten.. Die Flugbegleiterinnen haben sich die roten StandardkoreabeiderWManfeuerungsleiberl angezogen, und die Flugbegleiterinnenchefin hat sich dann noch einen Stofftiertigerhut aufgesetzt, und dann hat das ganze Flugzeug so oft gegen sie Schere-Stein-Papier gespielt, bis sie den Vorletzten besiegt hat. Und der Letzte hat dann das Ticket bekommen. Und dann das gleiche Spiel noch einmal, und dann war schon Zeit für Landeanflug. Toll.
Der erste volle Tag war von einem Besuch auf einer Insel vor der Insel geprägt, wo wir uns zwei Mopeds und ein Quad ausgeliehen haben, und rundherumgebraust sind wie die Wilden; von freedivenden 60jährigen Frauen, die aus 20 Metern Tiefe Muscheln bergen über weissen Korallenstrand nebst schwarzen Vulkangestein bis zu eben fast ganz schwarzen Sandstränden hats da schon viel Natur zum sehen gegeben. Ein kleiner Abendspaziergang hat den Tag schön abgerundet, und am nächsten Morgen ist dann das gekommen, wovor ich mich lange gefürchtet hab, dass es genau zu dieser Zeit kommen wird... Regenzeit. Das Wetter is oarsch.
Dienstag, 22. Juni 2010
Adios, Postech
"Austria has to be the greatest mothereffin' Country in the world."
Gesprochen hat diese Worte ein südafrikanischer Mittelschulenglischlehrer, der uns im Laufe des Semesters kennen und schätzen gelernt hat. Den Auftrag, die Heimat würdig zu vertreten, haben wir wohl zufriedenstellend erfüllt. Im Haus hat unse Arc de Bierumpfe sicher auch das seinige dazu beigetragen.

Die Regelmäßigkeit meiner geistigen Ergüsse hat mit der Zunahme der Prüfungen und finalen Hausaufgaben stetig abgenommen, aber jetzt, jetzt ist's vorbei. Ein Gefühl von Freiheit, das selbst William Wallace wohl nur entfernt erahnen könnte. Der generelle Abschied von der Universität fällt sehr sehr anders aus , als der Aufbruch im Februar. Wie es sich für eine gute internationale Freundschaft gehört, wurden Versprechungen gemacht, sich gegenseitig zu besuchen, Reunionen zu veranstalten, gemeinsame Urlaube zu planen. Wenn sich auch nur die Hälfte dieser Pläne in die Realität umsetzen lassen, wird mir nie mehr langweilig in meinem Leben, und Reiseziele hab ich auch 1001.

Um diese IN KEINSTER WEISE übertriebene Zahl auch wirklich zu erreichen, wird heute noch der Ruckusacku gepackt und morgen geht's dann auf die Insel. Die hört auf den klingenden Namen Jeju (Tschetschu) und ist sowas wie das koreanische Sommeräquivalent von Kitzbühl. In der Mitte steht ein Vulkan, aus dem zwar kein flüssiges Gestein kommt, aber, wenn man den diversen Lebensmittelherstellern glauben schenken will, ein Niagarawasserfall an frisch verpackten Mineralwasser. Bin ich mal gespannt, wieviele Quellen dort wirklich vorhanden sind. Am Montag wird dann per Massentransportfähre über Nacht zurück nach Festlandkorea übersetzt, wo dann so lang mit der Französin und dem Max herumgereist wird, bis es die erstere in die Heimat und es den Landsmann in die Abgeschiedenheit zieht, weil die Manu, die Angetraute, dann kommt und wohl 4 Monate Beziehung nachholen will. Meine Einsamkeit wird aber nur einen Abend andauern, weil dann wird man sich wieder mit den anderen Franzosen feiern, und deren Abschied richtig begießen.

Die selben Franzosen werden dann auch noch zum Flughafen begleitet von mir, nicht zwecks der Sentimentalität (die natürlich gegeben ist), sondern weil ich dann Abholservice Spiel, und den Amigo Matze abhol und seinen Jetlag und Kulturschock genießen werd. Dann wird gereist, dann kommt noch China und Japan, aber das wird in näherer Zukunft gesondert behandelt werden.
Der Fakt, dass wir gestern der koreanischen Post das Geschäft ihres Lebens verpasst haben und das meine Eltern noch immer glauben, ich schick ihnen 40 Kilo Kleidung und Andenken, haben es mich dann endgültig einsehen lassen,
es ist vorbei.
Es hat ewig gedauert bis sich das Gefühl von Zufriedenheit gesetzt hat. Jetzt ist es vollkommen realisiert, und nicht mehr die obige Reise, die immer als Zuckerl am Ende des Aufenthalts gedient hat, ist der einzige Grund, hier zu sein; die Leute, die das tägliche Leben farbig gemacht haben, haben alle mit ihren Charakteristiken und Eigenheiten das Semester zu einem unvergesslichen gemacht, ganz unabhängig davon, was jetzt noch kommt.
Und in 6 Wochen schon wieder vorbei. Die Zeit wird fliegen. Und dann wieder daheim. In the greatest mothereffin' country in the world.
Gesprochen hat diese Worte ein südafrikanischer Mittelschulenglischlehrer, der uns im Laufe des Semesters kennen und schätzen gelernt hat. Den Auftrag, die Heimat würdig zu vertreten, haben wir wohl zufriedenstellend erfüllt. Im Haus hat unse Arc de Bierumpfe sicher auch das seinige dazu beigetragen.
Die Regelmäßigkeit meiner geistigen Ergüsse hat mit der Zunahme der Prüfungen und finalen Hausaufgaben stetig abgenommen, aber jetzt, jetzt ist's vorbei. Ein Gefühl von Freiheit, das selbst William Wallace wohl nur entfernt erahnen könnte. Der generelle Abschied von der Universität fällt sehr sehr anders aus , als der Aufbruch im Februar. Wie es sich für eine gute internationale Freundschaft gehört, wurden Versprechungen gemacht, sich gegenseitig zu besuchen, Reunionen zu veranstalten, gemeinsame Urlaube zu planen. Wenn sich auch nur die Hälfte dieser Pläne in die Realität umsetzen lassen, wird mir nie mehr langweilig in meinem Leben, und Reiseziele hab ich auch 1001.
Um diese IN KEINSTER WEISE übertriebene Zahl auch wirklich zu erreichen, wird heute noch der Ruckusacku gepackt und morgen geht's dann auf die Insel. Die hört auf den klingenden Namen Jeju (Tschetschu) und ist sowas wie das koreanische Sommeräquivalent von Kitzbühl. In der Mitte steht ein Vulkan, aus dem zwar kein flüssiges Gestein kommt, aber, wenn man den diversen Lebensmittelherstellern glauben schenken will, ein Niagarawasserfall an frisch verpackten Mineralwasser. Bin ich mal gespannt, wieviele Quellen dort wirklich vorhanden sind. Am Montag wird dann per Massentransportfähre über Nacht zurück nach Festlandkorea übersetzt, wo dann so lang mit der Französin und dem Max herumgereist wird, bis es die erstere in die Heimat und es den Landsmann in die Abgeschiedenheit zieht, weil die Manu, die Angetraute, dann kommt und wohl 4 Monate Beziehung nachholen will. Meine Einsamkeit wird aber nur einen Abend andauern, weil dann wird man sich wieder mit den anderen Franzosen feiern, und deren Abschied richtig begießen.
Die selben Franzosen werden dann auch noch zum Flughafen begleitet von mir, nicht zwecks der Sentimentalität (die natürlich gegeben ist), sondern weil ich dann Abholservice Spiel, und den Amigo Matze abhol und seinen Jetlag und Kulturschock genießen werd. Dann wird gereist, dann kommt noch China und Japan, aber das wird in näherer Zukunft gesondert behandelt werden.
Der Fakt, dass wir gestern der koreanischen Post das Geschäft ihres Lebens verpasst haben und das meine Eltern noch immer glauben, ich schick ihnen 40 Kilo Kleidung und Andenken, haben es mich dann endgültig einsehen lassen,
Es hat ewig gedauert bis sich das Gefühl von Zufriedenheit gesetzt hat. Jetzt ist es vollkommen realisiert, und nicht mehr die obige Reise, die immer als Zuckerl am Ende des Aufenthalts gedient hat, ist der einzige Grund, hier zu sein; die Leute, die das tägliche Leben farbig gemacht haben, haben alle mit ihren Charakteristiken und Eigenheiten das Semester zu einem unvergesslichen gemacht, ganz unabhängig davon, was jetzt noch kommt.
Und in 6 Wochen schon wieder vorbei. Die Zeit wird fliegen. Und dann wieder daheim. In the greatest mothereffin' country in the world.
Sonntag, 6. Juni 2010
Aug um Aug.
Wenn da auf der Uni eine Veranstaltung durchgeführt wird, dann wird da einmal sicher nicht gespart. Letztes Wochenende zum Beispiel, war ein großes Raquetballturnier, und da werden die vier Plätze nicht gereinigt, nein, gleich komplett renoviert. Die Uni hat Geld.
Und sowieso, Raquetball. Gefährlich.
Man stellt sich vor, man geht wieder einmal auf den Raquetballplatz, um das eine oder andere Match mit dem Hausamerikaner zu spielen. So spielt man die erste Partie, die zweite, die dritte.. und in der vierten dann passierts. Einmal schaut man nicht dorthin, wo man hinschauen soll, sondern zum Gegner, dem kommt der Ball aus, und der Ball findet den kürzesten Weg vom Schläger ins Auge. Also nicht so, dass man vielleicht ein Veilchen davon trägt, ein bisschen angeschwollen oder so.
Nein, direkt auf den Augapfel. Sofortiger Augenlichtverlust. Nach einer einstündigen Wartezeit, die zeigen sollte, ob es vielleicht von selbst besser wird, wird dann doch entschieden, ins Krankenhaus zu fahren, also packt man einen Landsmann und einen Koreaner ein, und schon geht die Herumfahrerei los. Das Krankenhaus in der Stadt hat natürlich keinen Augenspezialisten, und selbst trauen sie sich keine derartige Verletzung zu, also nimmt man kurzerhand wieder ein Taxi in die nächste größere Stadt, wo ein richtig großes Krankenhaus ist. Die ist natürlich eine halbe Fahrtstunde entfernt und eine auch touristisch populäre Stadt.
Dort wird man dann in den Computertomographen gesteckt, und bekommt wenig später die Diagnose. Schwere Augenentzündung irgendwo im Apfel, die schwerstmögliche. Man bekommt fünf Medikamente, wobei man eines davon alle zwei Stunden ins Auge tropfen muss. Schlaf ist kein Ausschulssgrund. Vorbei mit durchgehendem Schlaf. Und fünf Tage später, noch immer nur ein weisser Schleier. Gibt's wirklich schöneres.
Den Franzosen, dem das passiert ist, beneide ich wirklich nicht.
Ich lern, geh fort und hab Prüfungen diese Woche.
Und sowieso, Raquetball. Gefährlich.
Man stellt sich vor, man geht wieder einmal auf den Raquetballplatz, um das eine oder andere Match mit dem Hausamerikaner zu spielen. So spielt man die erste Partie, die zweite, die dritte.. und in der vierten dann passierts. Einmal schaut man nicht dorthin, wo man hinschauen soll, sondern zum Gegner, dem kommt der Ball aus, und der Ball findet den kürzesten Weg vom Schläger ins Auge. Also nicht so, dass man vielleicht ein Veilchen davon trägt, ein bisschen angeschwollen oder so.
Nein, direkt auf den Augapfel. Sofortiger Augenlichtverlust. Nach einer einstündigen Wartezeit, die zeigen sollte, ob es vielleicht von selbst besser wird, wird dann doch entschieden, ins Krankenhaus zu fahren, also packt man einen Landsmann und einen Koreaner ein, und schon geht die Herumfahrerei los. Das Krankenhaus in der Stadt hat natürlich keinen Augenspezialisten, und selbst trauen sie sich keine derartige Verletzung zu, also nimmt man kurzerhand wieder ein Taxi in die nächste größere Stadt, wo ein richtig großes Krankenhaus ist. Die ist natürlich eine halbe Fahrtstunde entfernt und eine auch touristisch populäre Stadt.
Dort wird man dann in den Computertomographen gesteckt, und bekommt wenig später die Diagnose. Schwere Augenentzündung irgendwo im Apfel, die schwerstmögliche. Man bekommt fünf Medikamente, wobei man eines davon alle zwei Stunden ins Auge tropfen muss. Schlaf ist kein Ausschulssgrund. Vorbei mit durchgehendem Schlaf. Und fünf Tage später, noch immer nur ein weisser Schleier. Gibt's wirklich schöneres.
Den Franzosen, dem das passiert ist, beneide ich wirklich nicht.
Ich lern, geh fort und hab Prüfungen diese Woche.
Montag, 24. Mai 2010
Pfeifn.
Vor zwei Monaten, als wir die Grenze zum Norden besuchten und am Tag zuvor das Schiff untergegangen ist, wars natürlich schlimm, aber halt auch aufregend für uns, es hat dem Trip einen kleinen, speziellen Reiz gegeben, der das Erlebnis einfach ein wenig verstärkt hat. Viel gelacht und gescherzt ist damals geworden, weil die Möglichkeit, dass sich die Situation zu einer Ernsthafteren entwickelt für uns einfach nicht gegeben, fast schon absurd war.
Das Lachen ist in den letzten Wochen der einen oder anderen politischen Sorgenfalte gewichen. Die Wasserminentheorie ist schnell dem Torpedo gewichen, und der Norden steht am Pranger, und das, wie die einhellige Meinung unter den internationalen Studenten lautet, mit Recht. Vom Randthema, das hin und wieder auftaucht, hat sich die Krise, wie der Standard es nennt, zu einem zentralen Gesprächsinhalt entwickelt; es vergeht kaum ein Tag ohne direkte Konfrontation mit dem Thema.
Aber wie gesagt, es sind die Internationalen, die Meinungsbildner sind, die Koreaner... reden nicht. Es ist völlig unklar, ob die einfach mit dem täglichen Thrill leben und die Situation als Business as usual und damit als nicht besprechungswürdig behandeln, das die größte Kombination von ignoranter Angst und Realitätsverweigerung ist, die ich je erlebt hab, oder einfach vernünftig ist.
Und im Endeffekt wirds eine Kombination aus allen drei Punkten sein. Wenn es nicht eskaliert, warum sich unnötig Sorgen machen, wenn doch, kann man sich dann noch immer seinen Emotionen hingeben, und sowieso, "es wird schon nix sein".
Als Kind einer Generation, die Krieg aus dem Fernsehen kennt und wirklich nie bewusst die Spannung, die schon die jetzige Situation mit sich bringt, am eigenen Leib erlebt hat, hat man wahrscheinlich einen anderen Zugang. Man kennt, versteht nicht, was da eigentlich passiert gerade, noch weniger weiß man, wie man umgehen soll damit.
ORF, BBC und koreatimes werden immer mehr erste Infoquelle am Tag (fast schon vor Facebook) und man ist ein bisschen Vorsichtiger, welche Flüge man wann bucht für die Reisezeit danach, weil man ja schwer weiß, wies bis dahin ausschaut.
Vernünftig wär wohl der Mittelweg zwischen dem koreanischen und dem unsrigen, wenn man eingeschüchtert ist, hat der andere schon gewonnen, wenn man komplett ignoriert, wirds einen im Falle noch viel härter treffen.
Angst? Nein. Besorgt? Etwas. Erfahrungswert? Auf jeden. Und in zwei Wochen werden nicht die politschen Spannungen die größte Sorge sein, sondern die Abschlussprüfungen. In vier Wochen dann die Entscheidung, welcher Lichtschutzfaktor wohl der richtige sein wird fürs lange Strandliegen. In acht Wochen dem chinesischen Taxifahrer erklären, dass man zum Flughafen will, weil man schon viel zu spät ist für den Flug nach Japan. Und am 6. August dann, ob man zuerst ein Puntigamer oder ein Murauer genießt, wenn man spätabends nach der Landung in der Heimat ein Steak am Griller liegen hat.
Es wird schon nix sein.
Das Lachen ist in den letzten Wochen der einen oder anderen politischen Sorgenfalte gewichen. Die Wasserminentheorie ist schnell dem Torpedo gewichen, und der Norden steht am Pranger, und das, wie die einhellige Meinung unter den internationalen Studenten lautet, mit Recht. Vom Randthema, das hin und wieder auftaucht, hat sich die Krise, wie der Standard es nennt, zu einem zentralen Gesprächsinhalt entwickelt; es vergeht kaum ein Tag ohne direkte Konfrontation mit dem Thema.
Aber wie gesagt, es sind die Internationalen, die Meinungsbildner sind, die Koreaner... reden nicht. Es ist völlig unklar, ob die einfach mit dem täglichen Thrill leben und die Situation als Business as usual und damit als nicht besprechungswürdig behandeln, das die größte Kombination von ignoranter Angst und Realitätsverweigerung ist, die ich je erlebt hab, oder einfach vernünftig ist.
Und im Endeffekt wirds eine Kombination aus allen drei Punkten sein. Wenn es nicht eskaliert, warum sich unnötig Sorgen machen, wenn doch, kann man sich dann noch immer seinen Emotionen hingeben, und sowieso, "es wird schon nix sein".
Als Kind einer Generation, die Krieg aus dem Fernsehen kennt und wirklich nie bewusst die Spannung, die schon die jetzige Situation mit sich bringt, am eigenen Leib erlebt hat, hat man wahrscheinlich einen anderen Zugang. Man kennt, versteht nicht, was da eigentlich passiert gerade, noch weniger weiß man, wie man umgehen soll damit.
ORF, BBC und koreatimes werden immer mehr erste Infoquelle am Tag (fast schon vor Facebook) und man ist ein bisschen Vorsichtiger, welche Flüge man wann bucht für die Reisezeit danach, weil man ja schwer weiß, wies bis dahin ausschaut.
Vernünftig wär wohl der Mittelweg zwischen dem koreanischen und dem unsrigen, wenn man eingeschüchtert ist, hat der andere schon gewonnen, wenn man komplett ignoriert, wirds einen im Falle noch viel härter treffen.
Angst? Nein. Besorgt? Etwas. Erfahrungswert? Auf jeden. Und in zwei Wochen werden nicht die politschen Spannungen die größte Sorge sein, sondern die Abschlussprüfungen. In vier Wochen dann die Entscheidung, welcher Lichtschutzfaktor wohl der richtige sein wird fürs lange Strandliegen. In acht Wochen dem chinesischen Taxifahrer erklären, dass man zum Flughafen will, weil man schon viel zu spät ist für den Flug nach Japan. Und am 6. August dann, ob man zuerst ein Puntigamer oder ein Murauer genießt, wenn man spätabends nach der Landung in der Heimat ein Steak am Griller liegen hat.
Es wird schon nix sein.
Sonntag, 23. Mai 2010
Wortwahl
Natürlich schreib ich weiter.
Ich bitte um Verzeihung der unglücklichen Wortwahl, ich wollt nur mal zwischendurch danke sagen.
Zur Entschuldigung gibts noch einmal das Facebookvideo.
Ich bitte um Verzeihung der unglücklichen Wortwahl, ich wollt nur mal zwischendurch danke sagen.
Zur Entschuldigung gibts noch einmal das Facebookvideo.
Donnerstag, 20. Mai 2010
See
Bei uns findet gerade der fliessende Übergang von frisch über heiß auf tropisch statt, die goldene Mitte zu genießen steht damit natürlich ganz oben auf der Liste. Das, was hier als Frühling durchgeht, ist kurz, aber schön. Heute hatte es angenehme 30 Grad, vergleichsweise trockene Luft. Grund genug sich Musik ins Ohr zu transferieren und die Zeit zwischen Frühstück/Mittagessen (gemischter Reis, tatsächlich) und Vorlesung damit zu überbrücken, sich den geschickt im geometrischen Mittel des Unigeländes liegenden Teich zu nutze zu machen, in dem man ihm jede noch so kleine Nuance an Entspannung entzieht und die Stunden zum Aufwachen nutzt. Es war ein rarer Langschläfertag.

Karma hat mir letzte Woche gezeigt, dass es durchaus möglich ist, sich durch einen Socken hindurch Haut vom großen Zehen zu reissen, aber seit dem wars wirklich ruhig (9 Tage, YEAH). Also hab ich sicherheitshalber mit einem siebzehnfachen Serienmord an heimischen Mosquitos wieder etwas Material zum Arbeiten gegeben. Die Strafe hat sich aber nicht durch, wie sonst üblich, teilweiser Zerstörung meines Körpers materialisiert, sondern in Form von einer hübschen und einer nicht ganz so hübschen jungen Dame. Sie seien von der anderen Universität in der Stadt, und seien zu Besuch auf der unsrigen, hätten mich vom anderen Ufer des Teichs aus gesehen, und wollten sich neben mich hinsetzen, sagt die hübschere, die andere schaut nur.
Der Stefan denkt sich, na gibt es denn das, hab ich denn jetzt die einzigen für Gespräche zugängliche Damen der Stadt getroffen, die von sich aus auf wen zugehen, andere Kulturen kennenlernen, Geschichten hören und erzählen, vielleicht sogar gemeinsam Eis essen gehen wollen?
"Glaubst du an Gott?"

Na geh.
Und schon hab ich eine viertel Stunde lang dem, trotz des Fakts, dass ich eigentlich schon der "richtigen" Religion angehöre, sehr intensiven missionieren widerstehen und meine Sichten über Gott und die Welt und Gott darlegen müssen. Mitgespielt habe ich, ich wollt schauen, ob ich es schaffe, dass sie sich selbst widerspricht. Das Unterfangen war nicht von Erfolg gekrönt. Einerseits sie felsenfest in ihrem Glauben, war auch schon in Syrien Muslime zu Christen ummodeln, und die andere, die sich im Hintergrund gehalten hat, hat ihre Rolle gut gespielt. Sie war die Missionarsflüstererin. Wenn das Sprachrohr nicht weiter gewusst hab, war ein kurzer koreanischer Kommentar von nebenan zu hören, und schon ist es munter weitergegangen mit der Predigt vom ewigen Leben und zugehörigem Frieden.
Sie hat mir dann ein gutes Leben gewünscht. Ein Leben mit Jesus. Und dann war endlich wieder die Sonne im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit.
12 Stunden später.

Die Sonne ist vielen anderen Sternen gewichen. Ein paar Pärchen sitzen am See, freuen sich, dass sie Händchenhalten, weil Händchenhalten im freien natürlich gleich viel pikanter als zuhause. Und zwei Österreicher, Sixpack, also Bier, und viel Fachsimpeln über die Welt. Das Unileben nehmen wir beide nicht mehr so schlecht auf wie zu Beginn, man ist heiter, freut sich aufs Reisen, plant, scherzt, trinkt. Jedes Bisschen an Entspannung in der Gegend konzentriert auf uns acht.
Und schon wird sie im Kopf begonnen, die Liste: "Sachen, die ich vermissen werd."
Vielen Dank an alle Leser aus:
Graz, Wien, Pohang, Lund, Linz, Kalmar, Zürich, Cottbus, Klagenfurt, Tampere, Oldenburg, Salzburg, Dortmund, Unterprämstätten, Bremerhaven, Innsbruck, Trondheim, Bludenz, Würselen, Bruck an der Mur, Schwabmünchen, Köflach, Greifswald, Würzburg, Bremen, Leibzig und Syracuse.
Karma hat mir letzte Woche gezeigt, dass es durchaus möglich ist, sich durch einen Socken hindurch Haut vom großen Zehen zu reissen, aber seit dem wars wirklich ruhig (9 Tage, YEAH). Also hab ich sicherheitshalber mit einem siebzehnfachen Serienmord an heimischen Mosquitos wieder etwas Material zum Arbeiten gegeben. Die Strafe hat sich aber nicht durch, wie sonst üblich, teilweiser Zerstörung meines Körpers materialisiert, sondern in Form von einer hübschen und einer nicht ganz so hübschen jungen Dame. Sie seien von der anderen Universität in der Stadt, und seien zu Besuch auf der unsrigen, hätten mich vom anderen Ufer des Teichs aus gesehen, und wollten sich neben mich hinsetzen, sagt die hübschere, die andere schaut nur.
Der Stefan denkt sich, na gibt es denn das, hab ich denn jetzt die einzigen für Gespräche zugängliche Damen der Stadt getroffen, die von sich aus auf wen zugehen, andere Kulturen kennenlernen, Geschichten hören und erzählen, vielleicht sogar gemeinsam Eis essen gehen wollen?
"Glaubst du an Gott?"
Na geh.
Und schon hab ich eine viertel Stunde lang dem, trotz des Fakts, dass ich eigentlich schon der "richtigen" Religion angehöre, sehr intensiven missionieren widerstehen und meine Sichten über Gott und die Welt und Gott darlegen müssen. Mitgespielt habe ich, ich wollt schauen, ob ich es schaffe, dass sie sich selbst widerspricht. Das Unterfangen war nicht von Erfolg gekrönt. Einerseits sie felsenfest in ihrem Glauben, war auch schon in Syrien Muslime zu Christen ummodeln, und die andere, die sich im Hintergrund gehalten hat, hat ihre Rolle gut gespielt. Sie war die Missionarsflüstererin. Wenn das Sprachrohr nicht weiter gewusst hab, war ein kurzer koreanischer Kommentar von nebenan zu hören, und schon ist es munter weitergegangen mit der Predigt vom ewigen Leben und zugehörigem Frieden.
Sie hat mir dann ein gutes Leben gewünscht. Ein Leben mit Jesus. Und dann war endlich wieder die Sonne im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit.
12 Stunden später.
Die Sonne ist vielen anderen Sternen gewichen. Ein paar Pärchen sitzen am See, freuen sich, dass sie Händchenhalten, weil Händchenhalten im freien natürlich gleich viel pikanter als zuhause. Und zwei Österreicher, Sixpack, also Bier, und viel Fachsimpeln über die Welt. Das Unileben nehmen wir beide nicht mehr so schlecht auf wie zu Beginn, man ist heiter, freut sich aufs Reisen, plant, scherzt, trinkt. Jedes Bisschen an Entspannung in der Gegend konzentriert auf uns acht.
Und schon wird sie im Kopf begonnen, die Liste: "Sachen, die ich vermissen werd."
Vielen Dank an alle Leser aus:
Graz, Wien, Pohang, Lund, Linz, Kalmar, Zürich, Cottbus, Klagenfurt, Tampere, Oldenburg, Salzburg, Dortmund, Unterprämstätten, Bremerhaven, Innsbruck, Trondheim, Bludenz, Würselen, Bruck an der Mur, Schwabmünchen, Köflach, Greifswald, Würzburg, Bremen, Leibzig und Syracuse.
Sonntag, 9. Mai 2010
Darf ich vorstellen: Karma, die Sau.
Bei weitem zu viel Kulinarik hats gegeben in letzter Zeit, also war wieder was bodenständigeres am Programm... ein ganz traditioneller Ausflug.
Am Mittwoch war Kindertag, was anscheinend ein Grund ist, der Universität fernzubleiben, und so wurde nach kleiner Besprechung ein hübsches Örtchen namens Andong als Ziel gewählt. Treffpunkt war zur absoluten Unzeit von 8:20, Mitglieder der Reisegruppe waren alle Teil der kleinen Familie, die sich hier herauskristallisiert hat. Rebecca, burkinofasoianische Französin und Mama, Jooeon (nicht aussprechen probieren, es ist sowieso falsch), das koreanische Quantenoptikphysikarbeitstier, die schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie auch nur ein bisschen zu lang Mittagessen geht und nicht fleissig im Labor quantenoptifiziert, und das österreichische Ehepaar.

Zwei Stunden Busfahrt, untermalt von koreanischen Pop- und Schnulzenhits, haben dann dazu geführt, dass uns das liebe Touristeninformationsbüro gleich wieder in einen Bus gesteckt und noch einmal 4o Minuten Sitzfleischtraining verordnet hat. Angekommen sind wir dann in einer kleinen Ansiedlung, die bekannt für ihre Maskenfestivals ist, und ein authentisches altes Zweiklassengesellschaftsdorf zum Angreifen bietet, Freilichtmuseum Stübing auf ostasiatisch.
Nach einem halbwegs guten Essen in einer halbwegs schlechten Touristenfütterungsanstalt ist dann der Spaziergang durch die kleine Ortschaft, die zu 75 Prozent vom ruhigen Fluss umgeben ist, losgegangen.

Und das war schön, nichts tun, Häuser, Felder, Blumen und Familienausflugsteilnehmer anschauen, dann ein wenig entspannt sitzen am Platz, wo die Pärchen nur so aus dem Boden spriessen, ein paar Souvenierverkäufern mit langen Diskussionen über einzelne Produkte Hoffnungen auf das Geschäft ihres Leben zu machen, Kinderaugen aufgrund der aberwitzigen Zusammenstellung der Reisegruppe zum leuchten bringen, HighSchoolKids mit einem Hi! abspeisen, die dann wieder daheim erzählen können, dass sie mit einem Ausländer ein englisches Gespräch geführt haben, die Sonne genießen, in dem Wissen, dass es noch viel viel viel heisser wird, schön.

Dann zurück mit dem Bus, und hinein ins Taxi, auf die andere Seite der Stadt, wo ein anderes Freilichtmuseum gewartet hat. Auch hier war Gegend genießen der viel größere Punkt als das Kulturerlebnis, eine halbe Stunde in der Mitte der größten Holzbrücke Koreas zu sitzen und den Wind über das Gesicht streichen zu lassen hat eine solche Kontrastwirkung zum sonstigen Alltag gehabt, gute Sensationen. Und dann, dann hat das Karma zugeschlagen. Wieder.

9 Tage zuvor.
Wir spielen hier leidenschaftlich gerne eine Squash Variante (Raquetball, und ja, es gibt 40 Schreibweisen, zumindest hier), in der der Max der klar dominierende Spieler des Hauses ist, ich irgendwo an zweiter Stelle, dann lang nix, und dann der Rest. Auf jeden Fall, egal ob Doppel oder Einzel, Österreich ungeschlagen.
Um die Leistungen auf hohem Niveau zu halten, spielen wir natürlich auch gegeneinander. Und so ist es passiert, am Vorabend der letzten Prüfung, dass mir der eigene Schläger auskommt, der aber mittels Schlaufe am Handgelenk befestigt war, und dadurch den Weg zu meiner Stirn gefunden hat, Platzwunde, irrsinnige Sauerei, aber eben gut gewesen, dass nur die Stirn und nicht die Brille oder ein Zahn dran glauben hat müssen.

3 Tage zuvor.
Das Loch im Kopf wieder zu, halbwegs, also wieder sportlich, und weil eigentlich reges Interesse bestanden hat, einen American Football gekauft, und ein bisschen hin- und hergeworfen. Irgendwann hat dann mein Unterbewusstsein (oder doch Karma?) beschlossen, es sei eine gute Idee, den Ball mit dem kleinen Finger zu fangen, beziehungsweise den Versuch zu unternehmen. Und das hat und war dann geprellt, natürlich die rechte Hand, schreib- und essensbehindert, und mit Ballspielen jeglicher Form ist es jetzt auch einmal vorbei.
Hab ich mir Gedacht, Karma, du hast deinen Spass gehabt, jetzt simma wieder gut. Friedensvertrag unterschrieben, und dann doch noch heimgesucht werden, dass ist in der Geschichte sicher noch überhaupt nie passiert.

Wieder im Freilichtmuseum.
Steht man im alten, bemalten Holzpavillion, genießt die Aussicht, erfreut sich der Gegend und auf einmal ist der Boden weg. Gut, nur unter einem Fuß, aber es gibt angenehmeres, als aus einem Kulturerbe Koreas unter Beobachtung von amüsierten Einheimischen halb herauszubaumeln. Passiert ist bis auf ein paar Schürfwunden und ein wenig blau nichts, aber Karma. Hurch amoi zua.
Es ist genug.
Am Mittwoch war Kindertag, was anscheinend ein Grund ist, der Universität fernzubleiben, und so wurde nach kleiner Besprechung ein hübsches Örtchen namens Andong als Ziel gewählt. Treffpunkt war zur absoluten Unzeit von 8:20, Mitglieder der Reisegruppe waren alle Teil der kleinen Familie, die sich hier herauskristallisiert hat. Rebecca, burkinofasoianische Französin und Mama, Jooeon (nicht aussprechen probieren, es ist sowieso falsch), das koreanische Quantenoptikphysikarbeitstier, die schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie auch nur ein bisschen zu lang Mittagessen geht und nicht fleissig im Labor quantenoptifiziert, und das österreichische Ehepaar.
Zwei Stunden Busfahrt, untermalt von koreanischen Pop- und Schnulzenhits, haben dann dazu geführt, dass uns das liebe Touristeninformationsbüro gleich wieder in einen Bus gesteckt und noch einmal 4o Minuten Sitzfleischtraining verordnet hat. Angekommen sind wir dann in einer kleinen Ansiedlung, die bekannt für ihre Maskenfestivals ist, und ein authentisches altes Zweiklassengesellschaftsdorf zum Angreifen bietet, Freilichtmuseum Stübing auf ostasiatisch.
Nach einem halbwegs guten Essen in einer halbwegs schlechten Touristenfütterungsanstalt ist dann der Spaziergang durch die kleine Ortschaft, die zu 75 Prozent vom ruhigen Fluss umgeben ist, losgegangen.
Und das war schön, nichts tun, Häuser, Felder, Blumen und Familienausflugsteilnehmer anschauen, dann ein wenig entspannt sitzen am Platz, wo die Pärchen nur so aus dem Boden spriessen, ein paar Souvenierverkäufern mit langen Diskussionen über einzelne Produkte Hoffnungen auf das Geschäft ihres Leben zu machen, Kinderaugen aufgrund der aberwitzigen Zusammenstellung der Reisegruppe zum leuchten bringen, HighSchoolKids mit einem Hi! abspeisen, die dann wieder daheim erzählen können, dass sie mit einem Ausländer ein englisches Gespräch geführt haben, die Sonne genießen, in dem Wissen, dass es noch viel viel viel heisser wird, schön.
Dann zurück mit dem Bus, und hinein ins Taxi, auf die andere Seite der Stadt, wo ein anderes Freilichtmuseum gewartet hat. Auch hier war Gegend genießen der viel größere Punkt als das Kulturerlebnis, eine halbe Stunde in der Mitte der größten Holzbrücke Koreas zu sitzen und den Wind über das Gesicht streichen zu lassen hat eine solche Kontrastwirkung zum sonstigen Alltag gehabt, gute Sensationen. Und dann, dann hat das Karma zugeschlagen. Wieder.
9 Tage zuvor.
Wir spielen hier leidenschaftlich gerne eine Squash Variante (Raquetball, und ja, es gibt 40 Schreibweisen, zumindest hier), in der der Max der klar dominierende Spieler des Hauses ist, ich irgendwo an zweiter Stelle, dann lang nix, und dann der Rest. Auf jeden Fall, egal ob Doppel oder Einzel, Österreich ungeschlagen.
Um die Leistungen auf hohem Niveau zu halten, spielen wir natürlich auch gegeneinander. Und so ist es passiert, am Vorabend der letzten Prüfung, dass mir der eigene Schläger auskommt, der aber mittels Schlaufe am Handgelenk befestigt war, und dadurch den Weg zu meiner Stirn gefunden hat, Platzwunde, irrsinnige Sauerei, aber eben gut gewesen, dass nur die Stirn und nicht die Brille oder ein Zahn dran glauben hat müssen.
3 Tage zuvor.
Das Loch im Kopf wieder zu, halbwegs, also wieder sportlich, und weil eigentlich reges Interesse bestanden hat, einen American Football gekauft, und ein bisschen hin- und hergeworfen. Irgendwann hat dann mein Unterbewusstsein (oder doch Karma?) beschlossen, es sei eine gute Idee, den Ball mit dem kleinen Finger zu fangen, beziehungsweise den Versuch zu unternehmen. Und das hat und war dann geprellt, natürlich die rechte Hand, schreib- und essensbehindert, und mit Ballspielen jeglicher Form ist es jetzt auch einmal vorbei.
Hab ich mir Gedacht, Karma, du hast deinen Spass gehabt, jetzt simma wieder gut. Friedensvertrag unterschrieben, und dann doch noch heimgesucht werden, dass ist in der Geschichte sicher noch überhaupt nie passiert.
Wieder im Freilichtmuseum.
Steht man im alten, bemalten Holzpavillion, genießt die Aussicht, erfreut sich der Gegend und auf einmal ist der Boden weg. Gut, nur unter einem Fuß, aber es gibt angenehmeres, als aus einem Kulturerbe Koreas unter Beobachtung von amüsierten Einheimischen halb herauszubaumeln. Passiert ist bis auf ein paar Schürfwunden und ein wenig blau nichts, aber Karma. Hurch amoi zua.
Es ist genug.
Sonntag, 2. Mai 2010
Da ist der Hund drinnen
Bevor ich ankam, war ja die Aussicht darauf, etwas aussergewöhnlicheres zu essen als den Weltklassedürum vom Pamukkale und einer gelegentlichen Tiefkühlpizza, ein Faktor, der sehr fördernd für den Reiz der ganzen Aktion hier war. Das Meeresgetier übertrifft geschmacklich alles bisher erlebte, zum Tintenfisch kann man noch vor dem Restaurant in das Glasaquarium Hallo! sagen, bevor er dir eine halbe Stunde später serviert wird, dann gibt es Speisen, wo man keine Ahnung hat, was es eigentlich ist, aber vorzüglich im Geschmack, und Exoten wie Seegurkensalat sind das Sahnehäubchen am sprichwörtlichen Meeresfrüchteschokoeis.

Auf der anderen Seite bleiben einem Erlebnisse wie das Seidenraupendebakel natürlich auch nicht erspart, verdoste Speisen ohne Bild sorgen für interessante bis ekelhafte Überraschungen, und wenn man dann hört, dass es irgendwelche Seeschnecken gibt, die billiger und dementsprechend ansprechender als die oben genannten Stoffproduzenten sind, sieht man seiner tiefschwarzen Geschmacksknospenzukunft entgegen.
Dass dann eine Facebooknachricht mit dem Inhalt "Dog, tonight?" zu emotionalem Springschnurspringen führt, ist halt auch klar. Aufgeregt waren natürlich alle die da mitgegangen sind, die Franzosen haben sich mit ihren Daheimgebliebenen im Facebook Kommentarschlachten geliefert, die von "aufregend" bis "abstoßend" alles geboten haben. Der Hype war riesengroß, als sich dann die Ganze Truppe versammelt hat, hats ein bisschen Schulklassenfeeling vor der ersten größeren Klassenfahrt gegeben. Und auf dem Weg zum Restaurant war jeder Hund, den wir sahen, Opfer von sehr tiefgründigen Scherzen, die zu 90% mit dem Satz "Du bist der nächste" geendet haben.

Der Hund ist ja eigentlich seit der Fußballweltmeisterschaft verboten, weil das damals eine große Imagesache war, ein bisschen "zivilisiert" ins Koreanische Werbeportfolio brigen. Darum kann man nirgendwo wirklich Hund bestellen, sondern nur was, was sich "stärkende Suppe" oder "stärkendes Fleisch" nennt. Weils angeblich potenzfördernd ist. Als ob Potenz das größte Problem wär, dass diese kaputte und eigenartige Liebesgesellschaft hier hat...
Der eine Koreaner, der sich mit Essen auskennt, hat uns gesagt, wenn man richtig guten Hund essen will, muss man schon ausserhalb der Stadt suchen, da gibt's das ein oder andere Plätzchen, die einem nicht unbedingt den Nachbarshund verkaufen und wo das wirklich ein Hochgenuss sein soll. Tja, unsere Gaststätte ist gleich neben dem Unicampus.

In dem kleinen Häuschen mit Flair von Reifenfirma ist unser Vertrauen in die Kochkunst schon sehr auf die Probe gestellt worden. Als gute Vorspeise hats Leber und Haut (wahrscheinlich auch vom Hund, aber da war sich dann keiner so sicher) gegeben, mit den üblichen Gemüsebeilagen. Der eigentliche Hund war dann wieder Fleisch und Fett und Haut, und naja, der Schnaps, den wir dazubestellten, war sehr sehr wichtig, dem Kopf einzureden: "Das muss jetzt sein". Der Soju, das Wegsprenggetränk, ist sowieso sehr einladend. Everyday! Good Morning! und junge, dynamische Mittzwanzigerinnen sind eigentlich drei Dinge, die nicht ansatzweise mit dem Getränk in Verbindung gebracht werden können, oder besser, dürfen.

Das Fleisch hat geschmeckt wie gekochtes Rindfleisch, mit einem Touch Schaf und einer Prise komisch. Die Aufregung hat mit dem Sättigungsgrad abgenommen, die kleine Schüssel Reis am Schluss war ein willkommener Geschmacksneutralisator. Das Erlebnis, das gegessen zu haben, der Fakt, dass man das auf seiner "To do in Life" Liste abhacken kann, übertrifft das eigentliche Geschmackserlebnis um ein Vielfaches.
Der Magen hat dann auch noch eine formale Beschwerde eingereicht, was zu dem Fazit kommen lässt, dass es zwar nicht gut war, aber zumindest war.
Auf der anderen Seite bleiben einem Erlebnisse wie das Seidenraupendebakel natürlich auch nicht erspart, verdoste Speisen ohne Bild sorgen für interessante bis ekelhafte Überraschungen, und wenn man dann hört, dass es irgendwelche Seeschnecken gibt, die billiger und dementsprechend ansprechender als die oben genannten Stoffproduzenten sind, sieht man seiner tiefschwarzen Geschmacksknospenzukunft entgegen.
Dass dann eine Facebooknachricht mit dem Inhalt "Dog, tonight?" zu emotionalem Springschnurspringen führt, ist halt auch klar. Aufgeregt waren natürlich alle die da mitgegangen sind, die Franzosen haben sich mit ihren Daheimgebliebenen im Facebook Kommentarschlachten geliefert, die von "aufregend" bis "abstoßend" alles geboten haben. Der Hype war riesengroß, als sich dann die Ganze Truppe versammelt hat, hats ein bisschen Schulklassenfeeling vor der ersten größeren Klassenfahrt gegeben. Und auf dem Weg zum Restaurant war jeder Hund, den wir sahen, Opfer von sehr tiefgründigen Scherzen, die zu 90% mit dem Satz "Du bist der nächste" geendet haben.
Der Hund ist ja eigentlich seit der Fußballweltmeisterschaft verboten, weil das damals eine große Imagesache war, ein bisschen "zivilisiert" ins Koreanische Werbeportfolio brigen. Darum kann man nirgendwo wirklich Hund bestellen, sondern nur was, was sich "stärkende Suppe" oder "stärkendes Fleisch" nennt. Weils angeblich potenzfördernd ist. Als ob Potenz das größte Problem wär, dass diese kaputte und eigenartige Liebesgesellschaft hier hat...
Der eine Koreaner, der sich mit Essen auskennt, hat uns gesagt, wenn man richtig guten Hund essen will, muss man schon ausserhalb der Stadt suchen, da gibt's das ein oder andere Plätzchen, die einem nicht unbedingt den Nachbarshund verkaufen und wo das wirklich ein Hochgenuss sein soll. Tja, unsere Gaststätte ist gleich neben dem Unicampus.
In dem kleinen Häuschen mit Flair von Reifenfirma ist unser Vertrauen in die Kochkunst schon sehr auf die Probe gestellt worden. Als gute Vorspeise hats Leber und Haut (wahrscheinlich auch vom Hund, aber da war sich dann keiner so sicher) gegeben, mit den üblichen Gemüsebeilagen. Der eigentliche Hund war dann wieder Fleisch und Fett und Haut, und naja, der Schnaps, den wir dazubestellten, war sehr sehr wichtig, dem Kopf einzureden: "Das muss jetzt sein". Der Soju, das Wegsprenggetränk, ist sowieso sehr einladend. Everyday! Good Morning! und junge, dynamische Mittzwanzigerinnen sind eigentlich drei Dinge, die nicht ansatzweise mit dem Getränk in Verbindung gebracht werden können, oder besser, dürfen.
Das Fleisch hat geschmeckt wie gekochtes Rindfleisch, mit einem Touch Schaf und einer Prise komisch. Die Aufregung hat mit dem Sättigungsgrad abgenommen, die kleine Schüssel Reis am Schluss war ein willkommener Geschmacksneutralisator. Das Erlebnis, das gegessen zu haben, der Fakt, dass man das auf seiner "To do in Life" Liste abhacken kann, übertrifft das eigentliche Geschmackserlebnis um ein Vielfaches.
Der Magen hat dann auch noch eine formale Beschwerde eingereicht, was zu dem Fazit kommen lässt, dass es zwar nicht gut war, aber zumindest war.
Mittwoch, 21. April 2010
Stundenplan
Die ersten 75% der Prüfungen sind geschlagen, werden wahrscheinlich alle wie erwartet ausgehen, und weil sonst wenig passiert, beschreib ich jetzt meine Kurse.
Thermodynamik - Ich bin besser als du.
Der Anfang war schockierend, da hat der Professor gleich einmal klargemacht, dass er gut und wir Dreck sind. Jetzt nicht harsch oder so, sondern subtil, durch die Blume. Sachen die er bringt, sind alle völlig trivial und "aus der Mittelschule bekannt" (NOT), und das Tempo und der zugehörige zu schnelle Vortragsstil entbehrt jedem didaktischen Wert. Am Anfang sind gleich einmal drei Vorlesungen entfallen, und da er eine "keine Ersatzvorlesungs-Politik" hat, hat er gesagt, er muss ein bisschen Gas geben. Und wie der Gas gibt. Das Englisch ist gut, und er will bei jeder Gelegenheit auch beweisen, dass das wirklich so ist, und in den schriftlichen Aufgabenstellungen finden sich manchmal Wörter, die hat man ja gleich noch gar nie gesehen hat als Normalsterblicher. Natürlich toll weil Bildungsauftrag, aber so einen Egotrip hat man selten im Universitätsbereich gesehen. Und ja, das soll was heissen.

Quantenchemie - Der falsche Freund
Gehalten von meinem Betreuungsprofessor, ist das mit Abstand die beste Vorlesung. Es herrscht fast familiäre Stimmung, er behandelt uns eher wie alte Kumpels, die eine kleine Auffrischung in einem bestimmten Gebiet brauchen. Hinter der Fassade verlangt er aber irrsinnig viel, wöchentliche Hausübungen im zweistelligen Seitenanzahlbereich stehen am Programm, die Prüfung ist für 4 Stunden angesetzt, von halb 8 Abends bis halb 12, wir dürfen aber auch bis nach Mitternacht bleiben, wenn wir die Zeit brauchen. ju. hu. Aber ist noch immer die angenehmste, und da werd ich viel lernen, das ist auch der Sinn der Sache.

Finanzmathematik - Griechisch gefällig?
Der spricht sehr unflüssiges Englisch, kommt aber aus der Mathematik, und auch gibts nur sehr viel Rechnen in der Vorlesung und weniger Erklärung, noch dazu ein exzellentes Skriptum, so dass die fehlenden Sprachkentnisse schön kaschiert werden. Ich hab mir gerade überlegt, was ich noch über den Kurs sagen kann. Der ist soooo mittelmäßig, nicht nervig, nicht begeisternd, nicht zu hart und nicht zu langweilig, wenn alles so wär wie der Kurs, es würde keinen Krieg geben auf der Welt, keine Liebe, und im Kampf Himmel gegen Hölle wäre unspannender Waffenstillstand, und Vulkane würden nur so viel ausbrechen, dass zwar spektakulär ist, aber nicht zu, und schon gar nichts beeinflusst wird.
Hm, eigentlich stimmt das nicht so nicht ganz, denn eines sticht heraus, der spricht griechische Buchstaben so schön aus, als wär er gerade selbst als Gott der Grecolinguistik vom Olymp gestiegen, um die halbe Erde gereist, um den Koreanern und auch mir die korrekteste aller Ausspracheformen der 24, ich möcht fast sagen Kunstwerke, der uralten Kommunikationsform darzulegen und näherzubringen. Keiner kann so schön Theta sagen wie er.

Quentenmachanik - Hölle
Ich hab den Teufel gefunden. Vielleicht nicht den großen, aber den kleinen Unterteufel, zuständig für Vorlesungen. Ich hab selten etwas so schlechtes und langweiliges erlebt, wie das, was der Herr Min hier fabriziert. Die Powerpointpräsentation besteht aus Formeln, die niederauflösend aus einem Lehrbuch herausgescannt worden sind und ein dementsprechender Schokobon fürs Auge sind, die Erklärungen laufen so ab: "This one", zeigt mit Zeigestab auf Formel. Pause.
Pause.
Pause.

Pause.
"Gives this on". Zeigestab auf andere Formel.
75 Minuten lang.
Wenn er was vertiefen will, geht die 32 Kilo Kreatur zum Lichtschalter. Schaltet das Licht ein. Schreibt was an die Tafel. "This one". Geht zum Lichtschalter. Schaltet das Licht aus. Geht wieder zur Projektionsfläche. "This one".
Jede Woche gibts Hausübungen, die mehr als Abseits meiner Kenntnis liegen, die definieren Hausübungen neu für mich. Ich hab mir die Lösungen besorgt. Sitz vor der Aufgabe. Der Lösung. Der Powerpointpräsentation. Drei Dinge, die in keinem Kontext sind, für sich allein keinen Sinn machen, und keinerlei Verbindungselemente aufweisen. Man braucht wohl wirklich ein abgeschlossenes Physikstudium, um die kleinen Brücken zu bauen, die nötig sind, um da Produktiv zu sein.
Wenn ich diesen Kurs positiv abschließe, liegts wohl wirklich nur an meinem wallendem, blonden Haar, meinem süßen Lächeln und meiner gesunden "ich hab dich lieb" Einstellung.

Die Bilder (natürlich ausserhalb des Kontexts):
Weg mit Kirschblüten; Weg mit Kirschblüten in Nacht; Weg mit Kirschblüten in der Nacht mit Französin; Erdbeeren; Max mit gesunder Arbeitseinstellung
Thermodynamik - Ich bin besser als du.
Der Anfang war schockierend, da hat der Professor gleich einmal klargemacht, dass er gut und wir Dreck sind. Jetzt nicht harsch oder so, sondern subtil, durch die Blume. Sachen die er bringt, sind alle völlig trivial und "aus der Mittelschule bekannt" (NOT), und das Tempo und der zugehörige zu schnelle Vortragsstil entbehrt jedem didaktischen Wert. Am Anfang sind gleich einmal drei Vorlesungen entfallen, und da er eine "keine Ersatzvorlesungs-Politik" hat, hat er gesagt, er muss ein bisschen Gas geben. Und wie der Gas gibt. Das Englisch ist gut, und er will bei jeder Gelegenheit auch beweisen, dass das wirklich so ist, und in den schriftlichen Aufgabenstellungen finden sich manchmal Wörter, die hat man ja gleich noch gar nie gesehen hat als Normalsterblicher. Natürlich toll weil Bildungsauftrag, aber so einen Egotrip hat man selten im Universitätsbereich gesehen. Und ja, das soll was heissen.
Quantenchemie - Der falsche Freund
Gehalten von meinem Betreuungsprofessor, ist das mit Abstand die beste Vorlesung. Es herrscht fast familiäre Stimmung, er behandelt uns eher wie alte Kumpels, die eine kleine Auffrischung in einem bestimmten Gebiet brauchen. Hinter der Fassade verlangt er aber irrsinnig viel, wöchentliche Hausübungen im zweistelligen Seitenanzahlbereich stehen am Programm, die Prüfung ist für 4 Stunden angesetzt, von halb 8 Abends bis halb 12, wir dürfen aber auch bis nach Mitternacht bleiben, wenn wir die Zeit brauchen. ju. hu. Aber ist noch immer die angenehmste, und da werd ich viel lernen, das ist auch der Sinn der Sache.
Finanzmathematik - Griechisch gefällig?
Der spricht sehr unflüssiges Englisch, kommt aber aus der Mathematik, und auch gibts nur sehr viel Rechnen in der Vorlesung und weniger Erklärung, noch dazu ein exzellentes Skriptum, so dass die fehlenden Sprachkentnisse schön kaschiert werden. Ich hab mir gerade überlegt, was ich noch über den Kurs sagen kann. Der ist soooo mittelmäßig, nicht nervig, nicht begeisternd, nicht zu hart und nicht zu langweilig, wenn alles so wär wie der Kurs, es würde keinen Krieg geben auf der Welt, keine Liebe, und im Kampf Himmel gegen Hölle wäre unspannender Waffenstillstand, und Vulkane würden nur so viel ausbrechen, dass zwar spektakulär ist, aber nicht zu, und schon gar nichts beeinflusst wird.
Hm, eigentlich stimmt das nicht so nicht ganz, denn eines sticht heraus, der spricht griechische Buchstaben so schön aus, als wär er gerade selbst als Gott der Grecolinguistik vom Olymp gestiegen, um die halbe Erde gereist, um den Koreanern und auch mir die korrekteste aller Ausspracheformen der 24, ich möcht fast sagen Kunstwerke, der uralten Kommunikationsform darzulegen und näherzubringen. Keiner kann so schön Theta sagen wie er.
Quentenmachanik - Hölle
Ich hab den Teufel gefunden. Vielleicht nicht den großen, aber den kleinen Unterteufel, zuständig für Vorlesungen. Ich hab selten etwas so schlechtes und langweiliges erlebt, wie das, was der Herr Min hier fabriziert. Die Powerpointpräsentation besteht aus Formeln, die niederauflösend aus einem Lehrbuch herausgescannt worden sind und ein dementsprechender Schokobon fürs Auge sind, die Erklärungen laufen so ab: "This one", zeigt mit Zeigestab auf Formel. Pause.
Pause.
Pause.
Pause.
"Gives this on". Zeigestab auf andere Formel.
75 Minuten lang.
Wenn er was vertiefen will, geht die 32 Kilo Kreatur zum Lichtschalter. Schaltet das Licht ein. Schreibt was an die Tafel. "This one". Geht zum Lichtschalter. Schaltet das Licht aus. Geht wieder zur Projektionsfläche. "This one".
Jede Woche gibts Hausübungen, die mehr als Abseits meiner Kenntnis liegen, die definieren Hausübungen neu für mich. Ich hab mir die Lösungen besorgt. Sitz vor der Aufgabe. Der Lösung. Der Powerpointpräsentation. Drei Dinge, die in keinem Kontext sind, für sich allein keinen Sinn machen, und keinerlei Verbindungselemente aufweisen. Man braucht wohl wirklich ein abgeschlossenes Physikstudium, um die kleinen Brücken zu bauen, die nötig sind, um da Produktiv zu sein.
Wenn ich diesen Kurs positiv abschließe, liegts wohl wirklich nur an meinem wallendem, blonden Haar, meinem süßen Lächeln und meiner gesunden "ich hab dich lieb" Einstellung.
Die Bilder (natürlich ausserhalb des Kontexts):
Weg mit Kirschblüten; Weg mit Kirschblüten in Nacht; Weg mit Kirschblüten in der Nacht mit Französin; Erdbeeren; Max mit gesunder Arbeitseinstellung
Montag, 12. April 2010
Die spinnen, die Kor...
Ruhe ist eingekehrt auf dieser Seite, und man glaubt es kaum, es liegt nicht am Motivationsmangel. Die ist sogar in Überdosen vorhanden, mit dem Geld gehts bei diesen Billigpreisen eigentlich auch halbwegs dahin, der Faktor, der limitiert, ist die Zeit.
Exkurs ins Bildungswesen.
Ich versuch ja, das ganze hier halbwegs jugendfreundlich und schimpfwortfeindlich zu halten, aber mangels besserer Beschreibungsmöglichkeiten muss es wohl sein. Also als koreanischer Mittelschulschüler ist man gefickt.
Aber.
so.
richtig.
Man will natürlich auf eine gute Hochschule gehen, der Preis dafür ist wohl die Jugend. Der Alltag schaut so aus, gemütlich um halb 8 Uhr morgens wird der Schultag begonnen, zwischen den einzelnen Schulstunden hat man des öfteren etwa 45 Minuten Pause, und siehe da, schon ist der Schultag wieder vorbei, eine halbe Stunde vor Mitternacht. Da geben aber nur die Faulen auf, weil danach gehts noch zum privaten Förderunterricht, damit die Grundlagen der verschiedenen Wissenschaften auch wirklich sitzen. Um 2 oder so gehts dann ins Bett, um am nächsten Tag wieder frisch und munter in den Tag zu starten.
Und Samstag, sowieso paradisisch, weil da ist nur von halb 8 bis 18 Uhr Unterricht, also quasi langes Wochenende.
Diese angenehme Arbeitseinstellung zieht sich dann auch über die Universitätszeit, so trifft man Leute, die schon manchmal auch 80 Stunden in der Woche im Labor verbringen. Mit denen kann man fortgehen, und dann darf man sich nicht wundern, wenns heisst, er geht noch schnell ins Labor Experiment starten, um 4 in der Früh.
Die internationalen Studenten werden fröhlich ins Arbeitsleben miteinbezogen. Am Anfang waren wir ja noch der Meinung, dass während des Semesters klass Zeit bleibt am Wochenende, Korea zu erkunden, ein paar Bücher zu lesen, sich selbst zu finden, Kontakte zu knüpfen. Das Bild hat sich innerhalb der letzten Wochen gewandelt, drastisch.
Die Koreaner nehmen das mit einer gewissen Lethargie hin, die sind das irgendwie gewohnt glaub ich, da gibts kein auf und ab, da gibts nur Arbeit Arbeit. Für den unvorbereiteten Europäer natürlich Kulturschock pur, mit Sahnehäubchen. Wenn man dann Samstag abends mit einer Französin ein Eis essen geht, weil das ja schon höchstes der Partygefühle, wird einem schnell klar, dass die Situation nicht nur für ambitionierte Österreicher arg is, alle die nicht den Drill in der Jugend mitgemacht haben, sind überrascht ob des Umfangs der Heimarbeiten.
Am Abend, vor dem schlafen gehen, gibts immer lange Gespräche zwischen den inzwischen zum alten Ehepaar mutierten Österreichern, man lebt nicht nur im gleichen Zimmer, man lebt in Symbiose, eine richtige Lebensgemeinschaft. Wie ich jemals wieder alleine schlafen soll, keine Ahnung... und (sorry, Manu ;) ob seine Freundin so ein Ersatz für mich sein wird, ich wage es zu bezweifeln...
Und so geht die Geschichte der Kämpfer weiter, die sich durch dieses komplett verrückte Bildungssystem schlagen. Gebeugt sind wir, gebrochen noch lange nicht. Also bis morgen oder so, dann schauts schlecht aus. Der Urlaub danach, der vielleicht sogar nach Thailand führen wird, wird verdient, erarbeitet, erobert sein. Das wird schön. Und jetzt gibts noch einen Keks.
Exkurs ins Bildungswesen.
Ich versuch ja, das ganze hier halbwegs jugendfreundlich und schimpfwortfeindlich zu halten, aber mangels besserer Beschreibungsmöglichkeiten muss es wohl sein. Also als koreanischer Mittelschulschüler ist man gefickt.
Aber.
so.
richtig.
Man will natürlich auf eine gute Hochschule gehen, der Preis dafür ist wohl die Jugend. Der Alltag schaut so aus, gemütlich um halb 8 Uhr morgens wird der Schultag begonnen, zwischen den einzelnen Schulstunden hat man des öfteren etwa 45 Minuten Pause, und siehe da, schon ist der Schultag wieder vorbei, eine halbe Stunde vor Mitternacht. Da geben aber nur die Faulen auf, weil danach gehts noch zum privaten Förderunterricht, damit die Grundlagen der verschiedenen Wissenschaften auch wirklich sitzen. Um 2 oder so gehts dann ins Bett, um am nächsten Tag wieder frisch und munter in den Tag zu starten.
Und Samstag, sowieso paradisisch, weil da ist nur von halb 8 bis 18 Uhr Unterricht, also quasi langes Wochenende.
Diese angenehme Arbeitseinstellung zieht sich dann auch über die Universitätszeit, so trifft man Leute, die schon manchmal auch 80 Stunden in der Woche im Labor verbringen. Mit denen kann man fortgehen, und dann darf man sich nicht wundern, wenns heisst, er geht noch schnell ins Labor Experiment starten, um 4 in der Früh.
Die internationalen Studenten werden fröhlich ins Arbeitsleben miteinbezogen. Am Anfang waren wir ja noch der Meinung, dass während des Semesters klass Zeit bleibt am Wochenende, Korea zu erkunden, ein paar Bücher zu lesen, sich selbst zu finden, Kontakte zu knüpfen. Das Bild hat sich innerhalb der letzten Wochen gewandelt, drastisch.
Die Koreaner nehmen das mit einer gewissen Lethargie hin, die sind das irgendwie gewohnt glaub ich, da gibts kein auf und ab, da gibts nur Arbeit Arbeit. Für den unvorbereiteten Europäer natürlich Kulturschock pur, mit Sahnehäubchen. Wenn man dann Samstag abends mit einer Französin ein Eis essen geht, weil das ja schon höchstes der Partygefühle, wird einem schnell klar, dass die Situation nicht nur für ambitionierte Österreicher arg is, alle die nicht den Drill in der Jugend mitgemacht haben, sind überrascht ob des Umfangs der Heimarbeiten.
Am Abend, vor dem schlafen gehen, gibts immer lange Gespräche zwischen den inzwischen zum alten Ehepaar mutierten Österreichern, man lebt nicht nur im gleichen Zimmer, man lebt in Symbiose, eine richtige Lebensgemeinschaft. Wie ich jemals wieder alleine schlafen soll, keine Ahnung... und (sorry, Manu ;) ob seine Freundin so ein Ersatz für mich sein wird, ich wage es zu bezweifeln...
Und so geht die Geschichte der Kämpfer weiter, die sich durch dieses komplett verrückte Bildungssystem schlagen. Gebeugt sind wir, gebrochen noch lange nicht. Also bis morgen oder so, dann schauts schlecht aus. Der Urlaub danach, der vielleicht sogar nach Thailand führen wird, wird verdient, erarbeitet, erobert sein. Das wird schön. Und jetzt gibts noch einen Keks.
Samstag, 3. April 2010
Es liegt nicht an dir...
Dann, Seoul.
Den Abend nach dem Grenzgang haben wir typisch asiatisch-großstädtisch verbracht. Das erste Ziel war einer der berühmteren Tempel in der Stadt, wo es am Abend Glockenschläge gibt (und das lauft nicht elektronisch ab, da steht einer mit dem Rammbock, und lasst diesen in die Glocke schwingen, die dann gleich akustisch zurückschwingt) und diese traditionellen Bauten bieten vor dem dahinter aufragenden Teil Skyline ein ganz interessantes, fast schon absurdes Bild. Eingerahmt wurde das von dem Fakt, dass sich gleich auf der anderen Strassenseite das größte unterirdische Shoppingcenter Asiens befindet.

Das war, wie zu erwarten, schon so richtig groß, da gibts mannshohe Touchscreens zur Navigation, und eine Buchhandlung, die von der Fläche her international schon gut mitspielt, und natürlich die obligatorische Spielhalle. Spielhalle hab ich sowieso gern, und da ist es noch dazu nicht so wie beispielsweise in Italien, wo der durchschnittliche Besucher männlich, 13 und am pickelausdrücken ist, hier ist das mehr Ausflugsziel für Pärchen, die dann in trauter Zweisamkeit mit Plastikmaschinengewehren Zombiehirne an virtuelle Wände tapezieren oder sich liebevoll gegenseitig am Automaten verprügeln. Haben wir natürlich auch gleich ausprobieren müssen, aber irgendwie fehlt uns wohl die Kaltblütigkeit einer koreanischen Mittzwanzigerin.

Am Sonntag wollten wir noch was etwas gemütlicheres Angehen, ein kleiner Spaziergang zu einer Tempelanlage hat sich da angeboten. Leider war der reguläre Weg auf den Hügel (400m hoch oder so) wegen Bauarbeiten gesperrt, was einerseits die Wegbeschreibungen im Reiseführer hinfällig gemacht hat, andererseits uns das Vergnügen beschert hat, einen tollen Alternativweg zu beschreiten, der mich all meine (natürlich nur sehr spärlich vorhandenen) Sünden abbüsen hat lasen. Wie so oft, hat sichs natürlich ausgezahlt, sobald wir die Spitze erreicht hatten.
Seoul ist groß. Also jetzt nicht so bissi groß, oder spaßgroß, oder "wir tun so als ob groß und dabei is gar nicht so groß", sondern so richtig. Jetzt von der Fläche her natürlich auch, aber vor allem die Dichte machts aus, die man erst von oben richtig realisieren kann, überall stehen Bauten, die durchschnittliche steirische Dörfer als Gesamtes ohne weiteres beherbergen könnten, und da der Hügel halbwegs zentral gelegen ist, hat man mehr oder weniger 360 Grad Bevölkerungswahnsinn. Diese Bilder werden im Kopf bleiben.

Nach dem Abstieg haben wir uns mit einer Portion Bananen belohnt, die überschüssigen wurden kleinen Kindern auf der Straße geschenkt, die dem Spuk, da jetzt von derartigen Wesen was gutes zu essen geschenkt zu bekommen, nicht trauten. Letzter Punkt war dann wieder ein Shoppingcenter, diesmal ein Elektronikfachmarkt. Da gibts zum Beispiel ein Stockwerk,da werden nur Mobiltelefone verkauft. In den nächsten zwei dann nur Computerzubehör, und eine Videospieletage hats natürlich auch gegeben. Das Highlight im obersten Stockwerk: das E-Sportsstadion, von dem aus hochklassige Schlachten in diversen Computerspielen landesweit im Fernsehen übertragen werden. Vergesst Fußball, das ist das Wahre.

An dem Tag stand Counter-Strike auf dem Programm, die Spieler wurden einzeln wie kleine schmächtige Gladiatoren angekündigt, und dann hat man den Leuten zuschauen können beim spielen, jedem einzelnen Spieler auf einem eigenen Großbildfernseher, der Zusammenschnitt, der gerade live ausgestrahlt wird, auf großen Videoleinwänden. Zwischen den einzelnen Runden ist immer wieder dass Publikum eingeblendet worden, und natürlich, keine 10 Minuten hat es gedauert, bis die Scheinwerfer auf die Europäer geworfen wurden, und ein hübsches Gruppenbild in jede Ecke Koreas gesendet wurde. Würdiger Abschluss eines tollen Wochenendes, die viereinhalbstunden Busfahrt wurden dann schlafend verbracht, und am Montag in der Früh hat sichs angefühlt, als hätten mich in der Nacht mehrere Lastwagen überfahren. Verdammtes Bergsteigen.

Nur einen Tag später ist dann der Zimmerkollege vom Max abgereist, ich natürlich die Chance gleich am Schopf ergriffen, und zum zuständigen Büro gegangen. Im Gepäck hatte ich einen Zettel mit meinem Namen, meiner alten Zimmernummer, einem Pfeil, und der Neuen, erwünschten. Nach einigen Minuten bilingualer Kommunikation ohne nennenswerten Informationsaustausch bekam ich ein "Tomorrow". Ich war glücklich.
Beim Abendessen, wie hätts anders sein können, kommt dann gleichzeitig mit mir der Inder, was dann zu einem Tischgespräch geführt hat, das länger war als unsere gesamte restliche Kommunikation zusammengerechnet. War eigentlich ganz nett, ich hab aber immer im Hinterkopf gehabt, dass ich ja eigentlich schon mit ihm schlussgemacht hab, nur er weiß es halt noch nicht. Nach langem Herumgeplänkel über Chemie und die Welt hab ichs ihm dann geradeaus gesagt, war wohl das Klügste. Es sei halt viel unkomplizierter mit einem anderen Österreicher zusammenzuwohnen, die Lebensrhythmen stimmen sicher besser überein. Er hats mit Fassung getragen.
Nachdem ich dann am nächsten Tag all meine Sachen überführt hab, hab ich ihm noch ein Säckchen Mozartkugeln am Tisch stehen lassen, er war nicht zu hause, als ich zum letzten mal aus dem Zimmer bin. Hab ihn seit dem nicht gesehen, hoff es geht ihm gut. Aber es war wohl richtig so.

FREIHEIT :D
Den Abend nach dem Grenzgang haben wir typisch asiatisch-großstädtisch verbracht. Das erste Ziel war einer der berühmteren Tempel in der Stadt, wo es am Abend Glockenschläge gibt (und das lauft nicht elektronisch ab, da steht einer mit dem Rammbock, und lasst diesen in die Glocke schwingen, die dann gleich akustisch zurückschwingt) und diese traditionellen Bauten bieten vor dem dahinter aufragenden Teil Skyline ein ganz interessantes, fast schon absurdes Bild. Eingerahmt wurde das von dem Fakt, dass sich gleich auf der anderen Strassenseite das größte unterirdische Shoppingcenter Asiens befindet.
Das war, wie zu erwarten, schon so richtig groß, da gibts mannshohe Touchscreens zur Navigation, und eine Buchhandlung, die von der Fläche her international schon gut mitspielt, und natürlich die obligatorische Spielhalle. Spielhalle hab ich sowieso gern, und da ist es noch dazu nicht so wie beispielsweise in Italien, wo der durchschnittliche Besucher männlich, 13 und am pickelausdrücken ist, hier ist das mehr Ausflugsziel für Pärchen, die dann in trauter Zweisamkeit mit Plastikmaschinengewehren Zombiehirne an virtuelle Wände tapezieren oder sich liebevoll gegenseitig am Automaten verprügeln. Haben wir natürlich auch gleich ausprobieren müssen, aber irgendwie fehlt uns wohl die Kaltblütigkeit einer koreanischen Mittzwanzigerin.
Am Sonntag wollten wir noch was etwas gemütlicheres Angehen, ein kleiner Spaziergang zu einer Tempelanlage hat sich da angeboten. Leider war der reguläre Weg auf den Hügel (400m hoch oder so) wegen Bauarbeiten gesperrt, was einerseits die Wegbeschreibungen im Reiseführer hinfällig gemacht hat, andererseits uns das Vergnügen beschert hat, einen tollen Alternativweg zu beschreiten, der mich all meine (natürlich nur sehr spärlich vorhandenen) Sünden abbüsen hat lasen. Wie so oft, hat sichs natürlich ausgezahlt, sobald wir die Spitze erreicht hatten.
Seoul ist groß. Also jetzt nicht so bissi groß, oder spaßgroß, oder "wir tun so als ob groß und dabei is gar nicht so groß", sondern so richtig. Jetzt von der Fläche her natürlich auch, aber vor allem die Dichte machts aus, die man erst von oben richtig realisieren kann, überall stehen Bauten, die durchschnittliche steirische Dörfer als Gesamtes ohne weiteres beherbergen könnten, und da der Hügel halbwegs zentral gelegen ist, hat man mehr oder weniger 360 Grad Bevölkerungswahnsinn. Diese Bilder werden im Kopf bleiben.
Nach dem Abstieg haben wir uns mit einer Portion Bananen belohnt, die überschüssigen wurden kleinen Kindern auf der Straße geschenkt, die dem Spuk, da jetzt von derartigen Wesen was gutes zu essen geschenkt zu bekommen, nicht trauten. Letzter Punkt war dann wieder ein Shoppingcenter, diesmal ein Elektronikfachmarkt. Da gibts zum Beispiel ein Stockwerk,da werden nur Mobiltelefone verkauft. In den nächsten zwei dann nur Computerzubehör, und eine Videospieletage hats natürlich auch gegeben. Das Highlight im obersten Stockwerk: das E-Sportsstadion, von dem aus hochklassige Schlachten in diversen Computerspielen landesweit im Fernsehen übertragen werden. Vergesst Fußball, das ist das Wahre.
An dem Tag stand Counter-Strike auf dem Programm, die Spieler wurden einzeln wie kleine schmächtige Gladiatoren angekündigt, und dann hat man den Leuten zuschauen können beim spielen, jedem einzelnen Spieler auf einem eigenen Großbildfernseher, der Zusammenschnitt, der gerade live ausgestrahlt wird, auf großen Videoleinwänden. Zwischen den einzelnen Runden ist immer wieder dass Publikum eingeblendet worden, und natürlich, keine 10 Minuten hat es gedauert, bis die Scheinwerfer auf die Europäer geworfen wurden, und ein hübsches Gruppenbild in jede Ecke Koreas gesendet wurde. Würdiger Abschluss eines tollen Wochenendes, die viereinhalbstunden Busfahrt wurden dann schlafend verbracht, und am Montag in der Früh hat sichs angefühlt, als hätten mich in der Nacht mehrere Lastwagen überfahren. Verdammtes Bergsteigen.
Nur einen Tag später ist dann der Zimmerkollege vom Max abgereist, ich natürlich die Chance gleich am Schopf ergriffen, und zum zuständigen Büro gegangen. Im Gepäck hatte ich einen Zettel mit meinem Namen, meiner alten Zimmernummer, einem Pfeil, und der Neuen, erwünschten. Nach einigen Minuten bilingualer Kommunikation ohne nennenswerten Informationsaustausch bekam ich ein "Tomorrow". Ich war glücklich.
Beim Abendessen, wie hätts anders sein können, kommt dann gleichzeitig mit mir der Inder, was dann zu einem Tischgespräch geführt hat, das länger war als unsere gesamte restliche Kommunikation zusammengerechnet. War eigentlich ganz nett, ich hab aber immer im Hinterkopf gehabt, dass ich ja eigentlich schon mit ihm schlussgemacht hab, nur er weiß es halt noch nicht. Nach langem Herumgeplänkel über Chemie und die Welt hab ichs ihm dann geradeaus gesagt, war wohl das Klügste. Es sei halt viel unkomplizierter mit einem anderen Österreicher zusammenzuwohnen, die Lebensrhythmen stimmen sicher besser überein. Er hats mit Fassung getragen.
Nachdem ich dann am nächsten Tag all meine Sachen überführt hab, hab ich ihm noch ein Säckchen Mozartkugeln am Tisch stehen lassen, er war nicht zu hause, als ich zum letzten mal aus dem Zimmer bin. Hab ihn seit dem nicht gesehen, hoff es geht ihm gut. Aber es war wohl richtig so.
FREIHEIT :D
Montag, 29. März 2010
Steinsoldat
"Kommunizieren sie in keinster Weise mit den feindlichen Soldaten. Falls sie im Falle eines nordkoreanischen Angriffs verletzt oder getötet werden, geschieht dies unter ihrer eigenen Verantwortung und die Veranstalter trifft keine Schuld." Mit einer Unterschrift unter diesem Absatz kann der Tag nur erfolgreich sein.

Dieses Wochenende war es soweit, und die vor drei Wochen gebuchte Tour in die entmilitarisierte Zone ist endlich verwirklicht worden. Samstags um 7 Uhr war Abfahrt vom Camp der Amerikaner (die waren die Veranstalter) in Seoul, entsprechend reisten wir am Freitag an und hatten das Vergnügen, uns nach einer fast schlaflosen Nacht im halbschlaf mitten in der Nacht zu eben diesem Camp durchzukämpfen.
Nach dem lebensrettenden Kaffee gabs 90 Minuten Busfahrt in den Norden, während der die Schlafzeit der Vornacht gleich einmal aufgedoppelt wurde. Erster Programmpunkt war eine Schulung von lustigen U.S. - Militärs, die entweder eiskalte Sonnenbrillen (5 Grad, keine Sonne, bisschen Regen) oder ein Baseball-Cap tiefer als erlaubt im Gesicht hatten. Dort habens uns dann gesagt, wie böse das Kommunistenland ist und wie freiheitskämpfend sie sind, der lustige oben genannte Zettel stand zur Unterschrift bereit, und mit dem Schlusssatz "in front of them all" sind wir dann in die Joint Security Area geschickt worden, wo Nord und Süd Auge in Auge gegenüberstehen, und sich zeigen, wer die härtesten sind.
Ein bisschen Würze hat das ganze dadurch bekommen, dass am Vorabend ein südkoreanisches Schiff gesunken ist nach einer Explosion, und keiner weiß, obs Zufall war oder die Nordler nachgeholfen haben, auf jeden Fall war und ist das Land angespannt.

Die JSA, der Hotspot, war eine sehr eigene Erfahrung. Militäreskorte, kein Mensch dort, an strategisch wichtigen Positionen standen südkoreanische Soldaten mit einer gesunden "I bring di auf 10 Arten gleichzeitig um wennst deppat herschaust" Austrahlung, auf der anderen Seite der Grenze, die mitten durch das Gebiet verläuft, hat der Nordkoreaner beobachtet, dass ein glatzerter Österreicher ihn fotografiert, manche besonders Glücklichen dürfen den ganzen Tag halb auf ein Haus schauen, damit sie ein kleineres Ziel abgeben, und sowieso, ganz gespenstisch alles.

In einem Gebäude, das von beiden Parteien genutzt wird, für Verhandlungen gemeinsam und für Führungen seperat, und in Anwesenheit von zwei weiteren dieser leblosen koreanischen Kampfmaschinen haben wir dann die Chance gehabt, ein paar Meter weit in nordkoreanisches Gebiet einzudringen; wäre also das auf meiner ToDo-Liste auch erledigt. Auf dem Foto steht der Orge genau auf der Grenze (Mikrofone am Tisch), links ist Süd- und ich bin in Nordkorea.

Dann ist weitergegangen, zu einem Platz, wo die Guten einen Baum stutzen wollten, und dann die Bösen gekommen sind, und weil denen das nicht gefallen hat, haben sie als Gegenleistung ihrerseits zwei Gute mit Äxten umgeschnitten. Die zwei Mörderäxte sind jetzt im Friedensmuseum in Nordkorea zu besichtigen.
Die Guten haben weiters ein recht modernes Besucherzentrum gebaut, das ein bisschen größer war als das der Bösen, also haben die gleich noch ein Stockwerk auf ihres draufgesetzt, damits wieder größer ist. Ähnliches Spiel bei der Flaggenparade: Die Guten haben in der einzigen Stadt, die dort in der Gegend ist, der "Freedom Village", eine Flagge aufgestellt, 100 Meter hoch. Die Bösen in ihrer Stadt, der "Propaganda Village" gleich darauf eine 160 Meter hohe, die Flagge an sich mehr als 30 Meter lang und über 270 Kilo schwer. Ich hab den ganz leisen Verdacht, da will wer was kompensieren.

Zweiter "Höhepunkt" war der dritte Invasionstunnel, den die Bösen so 15 Jahre nach dem Waffenstillstand gebaut haben, falls sie mal Lust auf eine Invasion haben, die haben dann die Wände schwarz angemalt, und gesagt, sie sind auf Kohle gestoßen und haben einfach gegraben.
Den hat man begehen können, dazu erstmal 70-80 Höhenmeter durch den Zugangsschacht hinunter, unten dann in einem Stollen, der ganz eindeutig für eine koreanische Armee gebaut worden ist, und mich das erste Mal in meinem Leben wirklich dazu gebracht hat, Schutzhelme zu schätzen, und der dann geendet hat... naja in einer Betonmauer, die die Guten hingestellt haben, damit die Bösen nicht mehr durchkommen. Und Fotos waren so streng verboten, dass man seine Kamera sogar abgeben hat müssen, man hätt ja die Betonmauer wegfotografieren können. Das war das spannendste was ich in meinem ganzen Leben erlebt hab.

Nach halbwegs gutem Mittagessen und der Besichtigung von anderen Schauplätzen, die wahrscheinlich wichtig sind, wie der Brücke ohne Wiederkehr, ist es dann schlafend wieder zurück nach Seoul gegangen. Und Seoul war dann so toll, dass es sich einen eigenen Eintrag verdient.
Dieses Wochenende war es soweit, und die vor drei Wochen gebuchte Tour in die entmilitarisierte Zone ist endlich verwirklicht worden. Samstags um 7 Uhr war Abfahrt vom Camp der Amerikaner (die waren die Veranstalter) in Seoul, entsprechend reisten wir am Freitag an und hatten das Vergnügen, uns nach einer fast schlaflosen Nacht im halbschlaf mitten in der Nacht zu eben diesem Camp durchzukämpfen.
Nach dem lebensrettenden Kaffee gabs 90 Minuten Busfahrt in den Norden, während der die Schlafzeit der Vornacht gleich einmal aufgedoppelt wurde. Erster Programmpunkt war eine Schulung von lustigen U.S. - Militärs, die entweder eiskalte Sonnenbrillen (5 Grad, keine Sonne, bisschen Regen) oder ein Baseball-Cap tiefer als erlaubt im Gesicht hatten. Dort habens uns dann gesagt, wie böse das Kommunistenland ist und wie freiheitskämpfend sie sind, der lustige oben genannte Zettel stand zur Unterschrift bereit, und mit dem Schlusssatz "in front of them all" sind wir dann in die Joint Security Area geschickt worden, wo Nord und Süd Auge in Auge gegenüberstehen, und sich zeigen, wer die härtesten sind.
Ein bisschen Würze hat das ganze dadurch bekommen, dass am Vorabend ein südkoreanisches Schiff gesunken ist nach einer Explosion, und keiner weiß, obs Zufall war oder die Nordler nachgeholfen haben, auf jeden Fall war und ist das Land angespannt.
Die JSA, der Hotspot, war eine sehr eigene Erfahrung. Militäreskorte, kein Mensch dort, an strategisch wichtigen Positionen standen südkoreanische Soldaten mit einer gesunden "I bring di auf 10 Arten gleichzeitig um wennst deppat herschaust" Austrahlung, auf der anderen Seite der Grenze, die mitten durch das Gebiet verläuft, hat der Nordkoreaner beobachtet, dass ein glatzerter Österreicher ihn fotografiert, manche besonders Glücklichen dürfen den ganzen Tag halb auf ein Haus schauen, damit sie ein kleineres Ziel abgeben, und sowieso, ganz gespenstisch alles.
In einem Gebäude, das von beiden Parteien genutzt wird, für Verhandlungen gemeinsam und für Führungen seperat, und in Anwesenheit von zwei weiteren dieser leblosen koreanischen Kampfmaschinen haben wir dann die Chance gehabt, ein paar Meter weit in nordkoreanisches Gebiet einzudringen; wäre also das auf meiner ToDo-Liste auch erledigt. Auf dem Foto steht der Orge genau auf der Grenze (Mikrofone am Tisch), links ist Süd- und ich bin in Nordkorea.
Dann ist weitergegangen, zu einem Platz, wo die Guten einen Baum stutzen wollten, und dann die Bösen gekommen sind, und weil denen das nicht gefallen hat, haben sie als Gegenleistung ihrerseits zwei Gute mit Äxten umgeschnitten. Die zwei Mörderäxte sind jetzt im Friedensmuseum in Nordkorea zu besichtigen.
Die Guten haben weiters ein recht modernes Besucherzentrum gebaut, das ein bisschen größer war als das der Bösen, also haben die gleich noch ein Stockwerk auf ihres draufgesetzt, damits wieder größer ist. Ähnliches Spiel bei der Flaggenparade: Die Guten haben in der einzigen Stadt, die dort in der Gegend ist, der "Freedom Village", eine Flagge aufgestellt, 100 Meter hoch. Die Bösen in ihrer Stadt, der "Propaganda Village" gleich darauf eine 160 Meter hohe, die Flagge an sich mehr als 30 Meter lang und über 270 Kilo schwer. Ich hab den ganz leisen Verdacht, da will wer was kompensieren.
Zweiter "Höhepunkt" war der dritte Invasionstunnel, den die Bösen so 15 Jahre nach dem Waffenstillstand gebaut haben, falls sie mal Lust auf eine Invasion haben, die haben dann die Wände schwarz angemalt, und gesagt, sie sind auf Kohle gestoßen und haben einfach gegraben.
Den hat man begehen können, dazu erstmal 70-80 Höhenmeter durch den Zugangsschacht hinunter, unten dann in einem Stollen, der ganz eindeutig für eine koreanische Armee gebaut worden ist, und mich das erste Mal in meinem Leben wirklich dazu gebracht hat, Schutzhelme zu schätzen, und der dann geendet hat... naja in einer Betonmauer, die die Guten hingestellt haben, damit die Bösen nicht mehr durchkommen. Und Fotos waren so streng verboten, dass man seine Kamera sogar abgeben hat müssen, man hätt ja die Betonmauer wegfotografieren können. Das war das spannendste was ich in meinem ganzen Leben erlebt hab.
Nach halbwegs gutem Mittagessen und der Besichtigung von anderen Schauplätzen, die wahrscheinlich wichtig sind, wie der Brücke ohne Wiederkehr, ist es dann schlafend wieder zurück nach Seoul gegangen. Und Seoul war dann so toll, dass es sich einen eigenen Eintrag verdient.
Samstag, 20. März 2010
Blitzkrieg
Meine Universität hier ist keine staatliche, sondern gegründet vom örtlichen Stahlkonzern, der die Stadt innerhalb von 50 Jahren ums siebenfache auf eine halbe Million Einwohner vergrößert hat. Grund genug, den internationalen Studenten einmal alle zwei Monate eine Führung durch das neun Quadratkilometer große Gelände anzubieten, um den großen Gönner näher kennenzulernen.
Jetzt weiß ich, was Propaganda ist.






Jetzt weiß ich, was Propaganda ist.
Zuerst hats eine Runde im Museum gegeben, die widerum von einem ca. fünfminutigen Film, ach was sag ich, einem fünfminütigem Meisterstück der Filmkunst eröffnet wurde. Zuerst viel Gegend, dann eine ländliche Schule, wo die hübsche Frau Lehrerin die Kinder mit einer Glocke auf den Unterrichtsbeginn aufmerksam macht, besagte Kinder dann auch lachend und freudenschreiend zur Lehrstätte laufen, um im Oldschool-Klassenzimmer dann der hübschen Lehrerin beim lehren zu lauschen.
Der Vater von einem der Kinder (oder Mann von der Lehrerin, da hat sich der Film die künstlerische Freiheit genommen) steht dann, wie es sich für ein echtes Testosteronschwein gehört, in der Schmiede, und schmiedet ein tolles Werkzeug, vielleicht einen Speer, mit dem er später auf tötliche Jagt geht. Überblendung vom Schmiedefeuer in Ausschnitte aus dem Arbeitsalltag im Stahlwerk, jeder der dort Anwesenden genausoviel Testosteronschwein wie der vorher genannte, und noch dazu ein Nationalheld und sowieso Übermensch.
Dann, auf einmal, fünf dynamische Mitzwanziger trommeln mit irgendwelchen Stöcken auf einem Stahlträger herum. Die zuvor ruhigere Musik wird lauter, epochal, der Sitz unter einem vibriert, als obs das letzte mal wäre. Andere Mitzwanzigerüberall, dynamische Urbane in Seoul, die Haiwaiihemdenasiaten in Taipeh, die Quotenweissen in Pittsburgh; alle Trommeln auf irgendwas herum, immer 5 Leute. Eine Klavierspielerin im Foyer des Stahlwerks, gleich danach hat sich ein Geiger dazugesellt. Am Schluss, ein ganzes Orchester auf einer viel zu grünen Wiese mit Panoramablick auf die gesamte Anlage. Film aus, man lacht einerseits, weil das so unglaublich übertrieben war, aber eben deswegen hats auch Wirkung gehabt. Geld spielt keine Rolle.
Nach kurzem Aufenthalt im Skulpturengang geht die Führung los, die die Geschichte der Firma näherbringen soll. Der obligatorische Raum, der darlegt, dass es tatsächlich auch schon Eisennutzung vor Gründung der Firma gegeben hat; eine riesige Tafel mit Firmenmotto und viel blabla. Und dann geht los. Jeder Schritt, die Firma zu einem großen Konzert zu machen, wurde von zwei Rückschlägen der bösen Ausländer, sei es Japan, die Vereinigten Staaten oder Westdeutschland, begleitet, aber nichts und niemand kann die unbeugsamen Testosteronschweinstahlbaukoreaner aufhalten, ihr Werk aufzuziehen und gegen alle Widerstände, gegen alle Widrigkeiten und gegen alle Kräfte, die gegen sie gearbeitet haben, zu bestehen. Um das zu beschreiben, wurden auch teils unglückliche Ausdrücke gewählt.
Zukunftsausblick. Die Firma ist das beste was der Stadt passieren hätte können, und jetzt wird vor allem auf den Einklang mit der Natur geachtet, was auch mit einem sehr großen Bild einer Blumenwiese noch ganz klar untermauert wird. Wenn man für diese Firma arbeitet, ist man mehr Umweltliebhaber als jeder Greenpeaceaktivist der Welt. Aja, das Werk verbraucht in seiner Gesamtheit 5 Millionen Tonnen Wasser. Pro Tag.
Am Schluss hats dann eine Führung durchs Gelände gegeben, das aber eine Busfahrt war, die nach dem Schema "Links ist eine Wasseraufbereitungsanlage. Links ist Stahlwerk Nummer 1. Rechts ist der Hafen. Links ist Stahlwerk Nummer 2" abgelaufen ist. Dann hamma noch 300 Meter in einem Werk gehen dürfen, wo eben der Stahl verarbeitet worden ist. Leider hat man dort keine Fotos machen dürfen, die folgenden Fotos sind... äh von... woanders, und ich hab sie... aus dem Internet, ja dem Internet.
Am Schluss hat dann noch der "Chef des Werkes" zu uns im Bus gesprochen, wie er jetzt der glücklichste Mensch der Welt ist, weil wir ihn besucht haben, und er wird uns noch weitere Informationen zukommen lassen. Und tatsächlich, der Randombauarbeiter, der zufällig gut Englisch kann und deswegen den blöden Touristen als "Chef" vor die Nase gesetzt wurde, hat uns abends dann noch ein E-Mail geschrieben, dessen ersten Drittel aus Wikipedia-Facts bestanden hat. Den Rest des Platzes hat die Einladung zum englischsprachigen Gottesdienst beansprucht, wo man sich sicher sein kann, lauter nette, herzensgute, weltoffene Leute zu treffen, selbst ein Physikprofessor der Uni geht dort regelmäßig hin, in die wörtlich übersetzt "Freudenkirche". Was braucht man da noch mehr als Argument?
Alles in allem ein schöner Freitagnachmittagsausflug.
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