Freitag, 6. August 2010

Ende

Ein Grenzbeamter, der nur flüchtig in den Reisepass schaut, dabei telefoniert und dem Menschen am anderen Ende der Leitung erklärt, wie man ein iPhone update macht. Endlich wieder daheim.


Japan ist sicher das, was man als krönenden Abschluss einer tollen Reise bezeichnen kann. Die Leut sind am westlichsten von allen bisher besuchten Asiaten, der kleine Fehler im Kopf, der in Fernost anscheinend Gang und Gebe ist, ist da noch ein klein wenig ausgeprägter als in China und Korea. Nicht, dass das unsympatisch wäre, aber das Sozialleben. Das einzige, was das wirklich beschreiben könnte, wär ein Bild das nur ein großes Kopfschütteln zeigt. Ich mein, wenn man den touristischen Aspekt einer Pornoladenbesichtigung in irgendeiner Form zu schätzen weiß, dann wird man hier wirklich glücklich. Und mindestens die Hälfte davon gezeichnet. Zeitschrift, Buch, DVD, Blu-Ray, PC-DVD. Ein riesiges Medienspektrum, gewidmet der gezeichneten Körperkunst.

Mittwoch, 28. Juli 2010

a Sechzehner Blech

So, jetzt hab ich die wichtigsten Städte Chinas durchgespielt und weiß nicht so recht, ob ich positiv oder negativ resümieren soll. Peking hat sich schlussendlich als die Stadt herausgestellt, die mein Feind sein will, und wird. Letztens hab ich der Stadt ja nicht soooo viel gutes zugeschrieben, die hat sich dafür gleich mal via Umweg Karma revanchiert, indem sie in einem heimtückischen Akt der Bosheit, verkleidet als Computerfehler, so ziemlich meine ganzen Fotos der Stadt verschwinden hat lassen. Wär nicht so schlimm, Wetter war eh mies, aber um die Fotos der Mauer ists mir doch ein bisschen leid. Das resultierende Fluchen über die Stadt hat dieselbige nur weiter provoziert, so hat sich in meiner Wäsche ein pekinesisches HardRock Cafe Shot Glass versteckt und hat dann in der Waschmaschine einen Glasscherbenamoklauf veranstaltet. Geh ich halt als Punk mit zerrissenem Leiberl, die Japaner kaufen mir das sicher als neuen europäischen tornshirtstyl ab.

HongKong hat vieles wieder gut gemacht, was Peking vermiest hat. Ein bisschen New York Feeling kommt auf in der Stadt, und wären nicht so viele Chinesen da, könnte man die Stadt locker in die USA oder nach Großbritannien stellen, würde keinem zu sehr als Fremdkörper auffallen. Die Masse der Leute wird viel besser gehandhabt, die Verteilung der Massen funktionierte so gut, dass es nur ganz selten zu diesem überfüllten Gefühl gekommen ist, das mich ansonsten auf dem ganzen Chinatrip konstant begleitet hat.

Kleines Highlight war die Avenue of Stars, ein asiatischer Walk of Fame Verschnitt. Da spaziert man, erkennt natürlich überhaupt keine der Berühmtheiten, und geht mit gesenktem Blick andächtig von Sternchen zu Sternchen und hofft darauf, dass was passiert. Und dann passiert was. Man rennt in eine Absperrung. Und dann schaut man auf. Und schaut ihm in die Augen. Und er schaut dir in die Augen. Ein überlebensgroßer, schwarzer, kampfbereiter Bruce Lee. Nichts gegen den restlichen Hongkonger Filmmarkt. Jackie Chan verdient ja auch Respekt. Aber freakin' Bruce Lee. Bereit dich zu zerstören. Da war ich glücklich.
Macau, das Glücksspielparadies, das nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt ist, hat sich entpuppt, naja, als Glücksspielparadies. Viele Hotels mit inkludierten Casinos, dort wo keine Hotels waren, waren recht ärmliche Viertel, die die Leute beherbegern, die die Hotels am laufen halten. Das Stadtzentrum, ganz portugiesisch geprägt, war den Trip wert, und eine chinesischjesuitische Kirchenfasade, die den heiligen Geist, obligatorische Kreuze aber auch eine vielköpfige Hydra und einen Monster-Drachen bietet, die hat was für sich. Die wollten das Christentum so richtig cool machen, sieht man gleich.

Da hat die Zeit wieder angefangen, schnell zu vergehen, und schon war ich in Shanghai. War irgendwie ein Mix aus den ersten beiden Städten, zwar unendlich viele Menschen, aber doch im großen und ganzen eine moderne Stadt. Das die EXPO zur gleichen Zeit mit mir in der Stadt war, musste natürlich genutzt werden, und dort hat man gesehen, was mit vielen vielen Billigarbeitskräften möglich ist. Das Gelände natürlich hochgesichert, immer sauber, fast schon rein, ebenso die Sanitäranlagen und eigentlich alles. Die Idee, das ganze am Samstag anzuschauen, haben neben mir auch 17 Millionen Chinesen gehabt, das hat auch erklärt warum bei manchen Ländern die Wartezeit auf die 4 Stunden zuging (Deutschland, Frankreich, Spanien) und ihr Maximum in 8 Stunden beim saudi-arabischen Pavillion fand. Dementsprechend wurden eher solche Länder mit geringen bis keinen Wartezeiten besucht, wie der Iran, Nordkorea, Usbekistan und Österreich.
Und da hat man sich schon ein bisschen daheim gefühlt. Oberösterreicherinnen, die mit dem im Haus produzierten Kunstschnee chinesische Kinder mit Schneebällen bewerfen, ein Tiroler, der auf den Hinweiß, dass das klassische Musikstückchen, das alle Stunden gespielt wird, etwas spät dran ist, nur mit den Worten "a moch kan Stress" reagiert und ein Shop, der heimische Produkte verkauft. Was will man mehr. Hätte mir nie vorgestellt, ein Packerl Soletti und eine kleine Dose Ottakringer als österreichisches Frühstück durchgeht bei mir. Und das es gut ist obendrein.

Letzter Tag in Shanghai, man sitzt an der Promenade gegenüber der doch beeindruckenden Skyline. Eine der unzähligen Chinesinnen, die in irgendeiner Form von mir Geld wollen hat sich neben mich gesetzt, und hat einmal eine ganz gewagte Technik probiert. Sie war ehrlich. Hat gesagt sie ist arbeitslos, und braucht Geld, darum fragt sie Ausländer, die wahrscheinlich Geld haben, ob sie ihr Geld geben. NEuro wollt sie. Stefan natürlich großherzig, hat den Euro springen lassen, und dann ist sie sitzen geblieben. Und dann haben wir ein Gespräch über das Ölleck in Mexico, die europäische Wirtschaft, und ob man IKEA als Erfolgsunternehmen bezeichnen kann, geführt.
Ich würde sie als nett bezeichnen im nachhinein. Eine arbeitslose Frau, die Geld schnorrt, führt zu einer positiven Gesamtbilanz. Gut gemacht, China.

Sonntag, 18. Juli 2010

Peking

"Do you wanna have nice girl with healthy massage sex?"

Dieses, und viele andere andere Angebote dieser Art, weiters Vorschläge Postkarten, Anstecknadeln, kommunistische Parteibücher, OBA MAO T-Shirts, Regenschirme, vierzehnteilige Flugdrachen, tiefgekühlte Melonen und Zigaretten zu kaufen, haben mich nur zu einem Schluss bringen können: der geschäftstüchtige pekinger Durchschnittstouristenfänger ist um mich besorgt.

Die Reise vom Pekinger Flughafen, noch frisch im Glanz der Renovierung für die Olympischen Spiele, zu meinem Hostel, das unweit des politisch viel genutzten TianMen Platzes gelegen ist, hat sehr schnell die Unterschiede zu, sagen wir mal Hausnummer: Korea, aufgezeigt. Seoul hat ja noch einige Millionen mehr Einwohner als die chinesische Hauptstadt, trotzdem hab ich mich dort nie richtig beengt gefühlt. Es ist unglaublich, wieviele Menschen hier sind. So viele Menschen. Überall. Überall sind Menschen und stoßen, und drängen, kämpfen um freie Sitzplätze in der U-Bahn. Irgendwie, obwohl die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel sicher mit anderen Metropolen vergleichbar, wenn nicht sogar etwas größer ausgelegt sind, man hat irgendwie immer das Gefühl, alles ist unterdimensioniert. Dafür, so eine Stunde nachdem die U-Bahn aufgehört hat, ihr Kampfprogramm zu fahren (also gegen Mitternacht), nimmt die Dichte auf den Strassen sehr stark ab, nix mit "City that never sleeps". Von 12-6 ist Bettruhe.

Um den Abend nach der Ankunft noch etwas zu nutzen, hab ich das hosteleigene Angebot einer Tour zu einer örtlichen Kung-Fu Show wahrgenommen, die Alternative wär eine Akrobatikshow gewesen. Akrobatik, pff, wer schaut denn sich sowas an. Aber Kung-Fu, das kann ja nix schlechtes sein, wenn mans dort sieht wos herkommt. Das ganze war in eine Geschichte verpackt, wo ein kleines Kind zum alten Kung-Fuuuuu Meister geht, und sagt, es hat Angst, weil die Herausforderung so groß ist blablabla. Um den Balg zu ermutigen, erzählt der Meister eine Geschichte von einem anderen jungen Kampfchinesen, der vor vielen Jahren in der gleichen Situation war, und legt dann obendrauf natürlich noch dessen ganze Lebensgeschichte nach. Inklusive Selbstzweifel, Abkommen vom rechten Weg wegen einer Frau (eh klar), Trauer über den Tod derjenigen, Selbstwiederfindung und schlussendlicher Retournierung zum einzig wahren Lebenssinn. Und, jetzt kommt die Wendung der Geschichte, mit der sicher niemand, also wirklich NIEMAND gerechnet hat. Es ist die Lebensgeschichte vom alten Meister selbst.
Na. Wer. Hätte. Das. Gedacht. Wenigstens hat er sich einmal vor lauter Ärger ein paar Eisenstangen am Kopf zerschlagen. Das war coooooool.

Zweiter Tag, oben genannter TianMen Platz und Verbotene Stadt. Am Platz stehen noch ein paar alte Stadttore, die recht eindrucksvoll sind, aber Main Attraction ist das Mausoleum vom Mao. Maosoleum. Witz des Jahrhunderts. Auf jeden Fall hat man sich, damit man da reinschauen darf, anstellen müssen. Ich hätt mir nie gedacht, dass eine Warteschlange eindrucksvoll sein kann, aber da bin ich eines besseren belehrt worden. Zuerst einmal hat man alle Taschen, Fotoapparate, eigentlich alles, was man nicht als Kleidung bezeichnen kann, abgeben müssen in einer zentralen Lagerstätte, und dann ist der Spass schon losgegangen. Da sind so 3-4 Leute auf gleicher Höhe gestanden, und ich hab mir den Spass gemacht, einfach einmal die halbe Länge der Schlange entlangzugehen. Das hat 10 Minuten gedauert. So viele Menschen. Unglaublich. Ich hab mir das Kommunistendenkmal aber dann doch nur von aussen angeschaut und bin gleich in die Verbotene Stadt weiter, praktisch ist das hier in Peking, alles ist auf einer Nord-Süd Achse.

ie Anlage ist einmal so richtig groß; ohne mich großartig an bestimmten Orten in der ehemaligen Kaisercity aufzuhalten, hab ich locker 3 bis 4 Stunden vergehen lassen, bis ich mich dann zum Nordeingang durchgekämpft hatte. Nach einer interessanten kalten Nudel-Gurken Variation war als nächstes der Kaiserliche Stadtpark am Programm, der aber sehr viel Flair durch die miese Wetterlage verloren hatte. Abgerundet wurde der Tag beim Nachtmarkt bei gutem Skorpion am Spieß.

Obligatorisch war Tags darauf der Trip zur großen Mauer, aber nicht zum Mainstream touristifizierten Teil, nein, unsere muntere Reisegruppe wurde zu einem abgelegeren, nur teilweise restaurierten Teil der Mauer gebracht, wo dann 3 Stunden wandern angesagt war. Bin ich ja kein Freund von, aber als dann der fünfte Turm passiert war, man auf der Spitze eines der unzähligen Berge dort gestanden ist, die Landschaft genießt (der einzige Tag mit schönem Wetter) und einem einfach nur das Wort "Geil" im Kopf herumschwirrt, dann weiss man wohl, dass sich die Schinderei bezahlt gemacht hat.

Am dritten Tag haben dann meine Oberschenkel formal Beschwerde über den letzten Tag eingebracht, ein ruhigerer Tag war angesagt.Es wurde neben einer weiteren sehr überfüllten Tempelanlage ein Shoppingcenter besucht, so ein richtig tolles war das, mit Preisen, die sich sehr schnell halbiert haben, wenn man nur einmal nein gesagt hat, und sowieso nur Originialware. Und Wahnsinn, die sind uns voraus, die haben sogar "iPads" auf denen Android 1.0 lauft. Unglaublich, diese Chinesen.

Abends dann meine obligatorischen HardRockCafé Shot Glasses eingeholt und dort dann einer Coverband gelauscht, die ihre Texte nicht konnte. "Du Hast" von Rammstein wird so zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Es war interessant hier zu sein, ich hoffe abr, dass Shanghai und Hong Kong ihrem Ruf gerecht werden, sehr anders zu sein.

So viele Menschen... das macht mich fertig.

Donnerstag, 8. Juli 2010

How to do a Korean girl?

You don't.

Seoul, mmm Großstadt. Und man hat meinem Unterbewusstsein angemerkt, dass es irgendetwas zu kompensieren hatte, irgendetwas, das in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen ist, etwas, was eigentlich von Anfang an geplant war: Party.

Kapitel eins war die Abschiedsfeier von unserem libanesischen Kommilitonen, den die Uni wieder in die Wahlheimat Deutschland gerufen hat. Natürlich die Gelegenheit am Schopf gepackt, und die illustre Männerrunde hat sich ins Univiertel aufgemacht, um zu sehen, obs überall in Korea einen Aufregungsgrad vergleichbar zu dem in Pohang hat, oder ob Leute auch irgendwo wirklich leben.
Sie tun's. Und wie.
Nur um meine These zu untermauern, dass dort auch wirklich immer was los ist, war ich sicherheitshalber an 5 verschiedenen Abenden in der Gegend, zwecks der Stichprobe, und immer, wirklich immer, würd der Bär steppen, wenn er da wäre.
Bekleidungsttechnisch bewegen wir uns in dieser Gegend der Stadt eher auf Dritte-Welt-Niveau, nicht zwecks des Aussehens, sondern bezüglich der Stoffmenge. Aus fünf, sechs dieser Miniröcke könnte man schon ein annehmbares Kleidungsstück für den europäischen Raum zaubern.
Nebenbei ein bisschen herumtouritifiziert, das hat sich aber alles in einem angenehmen, nicht allzu stressigen Rahmen gehalten.

Sportlichen, ach was sag ich, athletischen Höhepunkt der lustigen Koreaaufarbeitungsreise hat unser Fahrradtrip im hübschen Örtchen Gyeongju dargestellt. Diese haben wir uns ausleihenderweise besorgt, und schon sind wir an das 5 Kilometer entfernte Resortseechen gefahren, wo sich Hotels und Freizeitanlagen aneinanderkuscheln. Was uns der LonelyPlanet und auch zwei lokale Taxifahrer empfohlen haben: einen Schiessstand.
Und dort ists passiert. Ich hab das erste mal in meinem Leben eine Waffe abgefeuert. Und ja, ich war beim Bundesheer.
Wir haben eine standesgemäße Aufteilung der Schusseisen gewählt, für den Reisegefährten ist es das österreichische Qualitätsprodukt Glock 17 geworden, ich hab mich für die Magnum entschieden. Ja, Bumm hats gemacht.

Das nächste Ziel war ein Tempel, der nur so 10 Kilometer entfernt war. Steigung ist eine Schlampe, aber wir waren doch glücklich als wir zerstört von Halbbergstrassen im Angesicht eines zufriedenen Buddhas der Erleuchtung ein kleines Stück näher kamen.
Am Abend dann weiter nach Busan, und das Quartier, das auf den klingenden fast schon Pornonamen "Queens Motel" hört, ist das mit Abstand beste, was ich lebetechnisch je in Korea erlebt hab. Zimmerservice, große, saubere Sanitäranlagen, Kühlschrank, Wasserspender... alles was dass Herz begehrt. Da will man gar nicht mehr weg. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir heute das Zimmer kaum verlassen haben, nicht das ewig lange Fortgehen mit ein paar noch in Pohang resitierenden Praktikumsstudenten.

Den Mitreisenden Matthias, der den ganzen Unfug mit mir treibt, lasse ich an dieser Stelle herzlich grüßen, obwohl er eigentlich eh zwei Meter neben mir Fussballwiederholungen anschaut.
Lustig wars mit ihm, hat mich sehr gefreut das er einen Teil der Reise mitbeschritten hat. In Seoul sind wir noch ein bisschen fortgegangen und haben uns noch das eine oder andere Styleviertel angeschaut, und jetzt, auf einmal, ist schon wieder alles anders. Jetzt, der Moment, an dem es wirklich vorbei ist mit Korea. Jetzt, drei Tage, ein Fussball-WM Finale und eine kleine Flugreise später, sitz ich in Peking, und ärger mich, dass meine Internetkünste nicht dafür reichen, Fotos in den Blog zu laden.
Wird wohl ein wenig Text-only werden in der nächsten Zeit...

Mittwoch, 30. Juni 2010

Das Gute im Menschen

Alternativprogramm zu Freiluftaktivitäten sind natürlich unter der Erde zu suchen, wie praktisch, dass sich eines der größten Lavehöhlensysteme weltweit auf der Insel befindet und noch dazu touristisch erschlossen ist und NOCH DAZU das dreijährige Jubiläum zum UNESCO Welterbe angestanden ist, und somit das ganze Vergnügen auch noch gratis war.


War dann eine tolle, lange Höhle, mit großem Lavaturm zum Schluss, und schön beleuchtet und so, ja. Zuvor hats noch einen Besuch in einem klassischen koreanischen Dorf gegeben, das noch dazu noch immer bewohnt ist, von ganz "normalen" Menschen. Auch hier wurde wieder das unendliche Vertrauen der Koreaner an das Gute im Menschen sichtbar. Man konnte jedes Privatgrundstück frei erkunden, selbst die kleinen Verkaufshütten, in denen sich stapelweise traditionellmedizinische Produkte wie Pilzfäden, Knochenkügelchen für die Verdauung und Pferdeöl für die Haut und gegen Sonnenbrand befanden, waren nicht abgesperrt und in keinster Weise gesichert. Nicht einmal ein Kleptomane hätt hier noch Spass, der Reiz ist einfach nicht gegeben.


Der Botanische Garten, der den Startpunkt des nächsten Tages dargestellt hat, war recht üppig bewachsen, ein Tropenfrucht, ein Kakteen und ein Wasserpflanzenhaus haben das Outdoorprogramm von diversen japanischen, italienischen und französischen Gärten schön abgerundet. Nach dem Besuch des einzig wahren Urlaubsparadieses der Koreaner gings in ein Highlight... in das Sex and Health Museum. War ganz nett, für drei von vier Mitreisenden war auch nicht zwingend viel neues dabei, aber die, für dies wichtig war, hat wenigstens die Texte an der Wand lesen können. War schon sprachlos, das Mädl.

Der Glanzauftritt des südkoreanischen Nationalteams wurde dort verfolgt, wo Fußball hingehört: im Stadion. Das war zum Zwecke des Public Viewings geöffnet, und so haben geschätze 4000 Koreaner auf eine Videowall gestarrt, und lautstark ein Team angefeuert, das gar nicht da war. Geholfen hat weder das noch unsere kleidungstechnische Bekennung zu den Reds, vorbei ists mit dem Traum von der Weltmeisterschaft, aber allein ein leeres Fußballfeld anzufeuern war Sieg genug.

Je länger der Aufenthalt dauerte, desto später hat es sich jeden Tag ergeben, dass wir unseren Stammkaffeeladen besucht haben. So sind wir nicht wie am ersten Tag von dort wieder um 9, halb 10 aufgebrochen, bis wirs endgültig zum Glasmuseum geschafft hatten, wars doch schon halb 1. Im Glasmuseum war viel Glas. Sehr vieles schön, einiges halt ja, auch dabei, aber im großen und ganzen ganz lieb. Im obligatorischen Museumsshop hat dann eine begabte Künstlerin mit sehr sehr sehr ruhiger Hand gezeigt, dass sie ganz ganz kleine Sachen malen kann, noch dazu spiegelverkehrt. Die Inselhauptstadt, wo die Tante wieder eine ganz tolle Chauffeurin und Führerin war, bot ein wahnsinnig gutes SchwarzschweinBBQ, einen halbwegs imposanten "traditionellen" Markt, und ein Geschäftsmodell, das wieder sehr auf den asiatischen Markt zugeschnitten ist.

Da gibts ein Kaffeehaus, das is ganz urig und es stehen 10 verschiedene Filterkaffeesorten zur Verfügung, weiter Tee, Limonaden, Bier. Nur Wirt ist keiner da. Jeder nimmt was er will, und bezahlt indem er sein Geld in einen hohlen Baumstamm wirft. Keine Kontrolle. Nichts. Grenzenloses Vertrauen an das Gute im Menschen. Und so wie der Laden aussieht, berechtigtes grenzenloses Vertrauen. Wir würden dem Laden bei uns eine Woche, vielleicht zwei geben, bevor alles geschändet, verbraucht und vernichtet ist. Yay Europa.


Am Abreisetag, an dem sich die Französin (nachdem sie beschlossen hatte, doch nicht mit uns auf dem Schiff fahren, einen Tag länger zu bleiben, ihr Schiffticket zu canceln und einen Flug am nächsten Tag zu buchen) beschlossen hat, doch nicht mit dem Flug am nächsten Tag zu fliegen, sondern zwecks der drohenden Langeweile mit uns am Schiff fahren, waren wir sowieso nur mehr im Kaffeehaus, bis in den mittleren Nachmittag hinein, dann quer über die Insel zum Hauptstadthafen, und dort wieder warten.

Und da ist der Moment gekommen, auf den ich so lange gewartet habe dieses Semester, der Punkt, wo man sich fragt, was man jetzt machen soll, und der Griff in die Tasche ein Buch zu Tage fördert. Kein Fachbuch, kein Paper, ein richtiges, fiktionales Analogbuch. Und weil mich das so gefreut hat, hab ich nicht mehr aufgehört. Ich las und las und las, und dann zwei Stunden schlaf, dann runter vom Boot, Frühstück, einchecken ins Hostel, ins öffentliche Bad, hinlegen, und wieder, lesen, lesen, lesen. Und jetzt kann ich den Wälzer, den ich in weniger als 24 Stunden bezwungen hab, ohne schlechtes Gewissen heimschicken mir der Post.
Hm. Buch lesen. Geil.

Sonntag, 27. Juni 2010

Takeoff

Station 1, eine Insel namens Jeju, gesprochen Tschetschu. Und selten, dass eine Reise ihr erstes Highlight schon im ersten Flug gleich mitinkludiert.
Geflogen wurde mit Jeju-Air, drittgrößter koreanischer Flugreiseanbeiter, ein Unternehmen, das sich jung und dynamisch präsentiert, ist es doch gerade mal im Vorschulalter. Securitychecks verlaufen anders als auf anderen Flughäfen, Zweiliterflaschen sind beispielsweise nicht das geringste Problem, wer wir sind, haben wir ihnen auch erst am Flughafen mitteilen müssen, dafür Feuerzeuge im Hauptgepäcksstück, Schwerverbrechen. Im Flugzeug dann die üblichen Sicherheitsanweisungen, nur beim englischen Teil wurde dann gespart, mit dem Kommantar: "Ihr habts eh grad gesehen was passiert, denkts euch das Englisch dazu." Dafür haben wir ganz genau verstanden, wo das Wasserlandungsequipment zu finden ist.


Nachdem wir wieder mit unserem landessprachlichen bittedankehallo geglänzt haben, ist auch schon das Unterhaltungsprogramm des 50minuten Fluges gestartet. Es gäbe eine tolle Show auf der Insel, und Tatsache, die Passagiere des Fluges konnten zwei Tickets dafür gewinnen. Keine Verlosung, oder wär als nächstes Geburtstag hat, oder ein anderes banales Zufallsprinzip. Hier muss man für den Gewinn arbeiten.. Die Flugbegleiterinnen haben sich die roten StandardkoreabeiderWManfeuerungsleiberl angezogen, und die Flugbegleiterinnenchefin hat sich dann noch einen Stofftiertigerhut aufgesetzt, und dann hat das ganze Flugzeug so oft gegen sie Schere-Stein-Papier gespielt, bis sie den Vorletzten besiegt hat. Und der Letzte hat dann das Ticket bekommen. Und dann das gleiche Spiel noch einmal, und dann war schon Zeit für Landeanflug. Toll.

Angekommen hat uns die Tante unserer lieben koreanischen Mitreisenden abgeholt und in ein Hinterhofrestaurant geführt, wo wir zu einem sehr guten Abendessen geladen worden sind, zuerst wollte die Tante zahlen, aber dann hat sich doch die Restaurantbesitzerin dazu entschlossen, uns einfach alles gratis zu geben und noch ein paar Kekse draufzupacken.


Der erste volle Tag war von einem Besuch auf einer Insel vor der Insel geprägt, wo wir uns zwei Mopeds und ein Quad ausgeliehen haben, und rundherumgebraust sind wie die Wilden; von freedivenden 60jährigen Frauen, die aus 20 Metern Tiefe Muscheln bergen über weissen Korallenstrand nebst schwarzen Vulkangestein bis zu eben fast ganz schwarzen Sandstränden hats da schon viel Natur zum sehen gegeben. Ein kleiner Abendspaziergang hat den Tag schön abgerundet, und am nächsten Morgen ist dann das gekommen, wovor ich mich lange gefürchtet hab, dass es genau zu dieser Zeit kommen wird... Regenzeit. Das Wetter is oarsch.

Dienstag, 22. Juni 2010

Adios, Postech

"Austria has to be the greatest mothereffin' Country in the world."
Gesprochen hat diese Worte ein südafrikanischer Mittelschulenglischlehrer, der uns im Laufe des Semesters kennen und schätzen gelernt hat. Den Auftrag, die Heimat würdig zu vertreten, haben wir wohl zufriedenstellend erfüllt. Im Haus hat unse Arc de Bierumpfe sicher auch das seinige dazu beigetragen.


Die Regelmäßigkeit meiner geistigen Ergüsse hat mit der Zunahme der Prüfungen und finalen Hausaufgaben stetig abgenommen, aber jetzt, jetzt ist's vorbei. Ein Gefühl von Freiheit, das selbst William Wallace wohl nur entfernt erahnen könnte. Der generelle Abschied von der Universität fällt sehr sehr anders aus , als der Aufbruch im Februar. Wie es sich für eine gute internationale Freundschaft gehört, wurden Versprechungen gemacht, sich gegenseitig zu besuchen, Reunionen zu veranstalten, gemeinsame Urlaube zu planen. Wenn sich auch nur die Hälfte dieser Pläne in die Realität umsetzen lassen, wird mir nie mehr langweilig in meinem Leben, und Reiseziele hab ich auch 1001.


Um diese IN KEINSTER WEISE übertriebene Zahl auch wirklich zu erreichen, wird heute noch der Ruckusacku gepackt und morgen geht's dann auf die Insel. Die hört auf den klingenden Namen Jeju (Tschetschu) und ist sowas wie das koreanische Sommeräquivalent von Kitzbühl. In der Mitte steht ein Vulkan, aus dem zwar kein flüssiges Gestein kommt, aber, wenn man den diversen Lebensmittelherstellern glauben schenken will, ein Niagarawasserfall an frisch verpackten Mineralwasser. Bin ich mal gespannt, wieviele Quellen dort wirklich vorhanden sind. Am Montag wird dann per Massentransportfähre über Nacht zurück nach Festlandkorea übersetzt, wo dann so lang mit der Französin und dem Max herumgereist wird, bis es die erstere in die Heimat und es den Landsmann in die Abgeschiedenheit zieht, weil die Manu, die Angetraute, dann kommt und wohl 4 Monate Beziehung nachholen will. Meine Einsamkeit wird aber nur einen Abend andauern, weil dann wird man sich wieder mit den anderen Franzosen feiern, und deren Abschied richtig begießen.


Die selben Franzosen werden dann auch noch zum Flughafen begleitet von mir, nicht zwecks der Sentimentalität (die natürlich gegeben ist), sondern weil ich dann Abholservice Spiel, und den Amigo Matze abhol und seinen Jetlag und Kulturschock genießen werd. Dann wird gereist, dann kommt noch China und Japan, aber das wird in näherer Zukunft gesondert behandelt werden.

Der Fakt, dass wir gestern der koreanischen Post das Geschäft ihres Lebens verpasst haben und das meine Eltern noch immer glauben, ich schick ihnen 40 Kilo Kleidung und Andenken, haben es mich dann endgültig einsehen lassen,
es ist vorbei.
Es hat ewig gedauert bis sich das Gefühl von Zufriedenheit gesetzt hat. Jetzt ist es vollkommen realisiert, und nicht mehr die obige Reise, die immer als Zuckerl am Ende des Aufenthalts gedient hat, ist der einzige Grund, hier zu sein; die Leute, die das tägliche Leben farbig gemacht haben, haben alle mit ihren Charakteristiken und Eigenheiten das Semester zu einem unvergesslichen gemacht, ganz unabhängig davon, was jetzt noch kommt.

Und in 6 Wochen schon wieder vorbei. Die Zeit wird fliegen. Und dann wieder daheim. In the greatest mothereffin' country in the world.