Vor zwei Monaten, als wir die Grenze zum Norden besuchten und am Tag zuvor das Schiff untergegangen ist, wars natürlich schlimm, aber halt auch aufregend für uns, es hat dem Trip einen kleinen, speziellen Reiz gegeben, der das Erlebnis einfach ein wenig verstärkt hat. Viel gelacht und gescherzt ist damals geworden, weil die Möglichkeit, dass sich die Situation zu einer Ernsthafteren entwickelt für uns einfach nicht gegeben, fast schon absurd war.
Das Lachen ist in den letzten Wochen der einen oder anderen politischen Sorgenfalte gewichen. Die Wasserminentheorie ist schnell dem Torpedo gewichen, und der Norden steht am Pranger, und das, wie die einhellige Meinung unter den internationalen Studenten lautet, mit Recht. Vom Randthema, das hin und wieder auftaucht, hat sich die Krise, wie der Standard es nennt, zu einem zentralen Gesprächsinhalt entwickelt; es vergeht kaum ein Tag ohne direkte Konfrontation mit dem Thema.
Aber wie gesagt, es sind die Internationalen, die Meinungsbildner sind, die Koreaner... reden nicht. Es ist völlig unklar, ob die einfach mit dem täglichen Thrill leben und die Situation als Business as usual und damit als nicht besprechungswürdig behandeln, das die größte Kombination von ignoranter Angst und Realitätsverweigerung ist, die ich je erlebt hab, oder einfach vernünftig ist.
Und im Endeffekt wirds eine Kombination aus allen drei Punkten sein. Wenn es nicht eskaliert, warum sich unnötig Sorgen machen, wenn doch, kann man sich dann noch immer seinen Emotionen hingeben, und sowieso, "es wird schon nix sein".
Als Kind einer Generation, die Krieg aus dem Fernsehen kennt und wirklich nie bewusst die Spannung, die schon die jetzige Situation mit sich bringt, am eigenen Leib erlebt hat, hat man wahrscheinlich einen anderen Zugang. Man kennt, versteht nicht, was da eigentlich passiert gerade, noch weniger weiß man, wie man umgehen soll damit.
ORF, BBC und koreatimes werden immer mehr erste Infoquelle am Tag (fast schon vor Facebook) und man ist ein bisschen Vorsichtiger, welche Flüge man wann bucht für die Reisezeit danach, weil man ja schwer weiß, wies bis dahin ausschaut.
Vernünftig wär wohl der Mittelweg zwischen dem koreanischen und dem unsrigen, wenn man eingeschüchtert ist, hat der andere schon gewonnen, wenn man komplett ignoriert, wirds einen im Falle noch viel härter treffen.
Angst? Nein. Besorgt? Etwas. Erfahrungswert? Auf jeden. Und in zwei Wochen werden nicht die politschen Spannungen die größte Sorge sein, sondern die Abschlussprüfungen. In vier Wochen dann die Entscheidung, welcher Lichtschutzfaktor wohl der richtige sein wird fürs lange Strandliegen. In acht Wochen dem chinesischen Taxifahrer erklären, dass man zum Flughafen will, weil man schon viel zu spät ist für den Flug nach Japan. Und am 6. August dann, ob man zuerst ein Puntigamer oder ein Murauer genießt, wenn man spätabends nach der Landung in der Heimat ein Steak am Griller liegen hat.
Es wird schon nix sein.
Montag, 24. Mai 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen