War dann eine tolle, lange Höhle, mit großem Lavaturm zum Schluss, und schön beleuchtet und so, ja. Zuvor hats noch einen Besuch in einem klassischen koreanischen Dorf gegeben, das noch dazu noch immer bewohnt ist, von ganz "normalen" Menschen. Auch hier wurde wieder das unendliche Vertrauen der Koreaner an das Gute im Menschen sichtbar. Man konnte jedes Privatgrundstück frei erkunden, selbst die kleinen Verkaufshütten, in denen sich stapelweise traditionellmedizinische Produkte wie Pilzfäden, Knochenkügelchen für die Verdauung und Pferdeöl für die Haut und gegen Sonnenbrand befanden, waren nicht abgesperrt und in keinster Weise gesichert. Nicht einmal ein Kleptomane hätt hier noch Spass, der Reiz ist einfach nicht gegeben.
Der Botanische Garten, der den Startpunkt des nächsten Tages dargestellt hat, war recht üppig bewachsen, ein Tropenfrucht, ein Kakteen und ein Wasserpflanzenhaus haben das Outdoorprogramm von diversen japanischen, italienischen und französischen Gärten schön abgerundet. Nach dem Besuch des einzig wahren Urlaubsparadieses der Koreaner gings in ein Highlight... in das Sex and Health Museum. War ganz nett, für drei von vier Mitreisenden war auch nicht zwingend viel neues dabei, aber die, für dies wichtig war, hat wenigstens die Texte an der Wand lesen können. War schon sprachlos, das Mädl.
Der Glanzauftritt des südkoreanischen Nationalteams wurde dort verfolgt, wo Fußball hingehört: im Stadion. Das war zum Zwecke des Public Viewings geöffnet, und so haben geschätze 4000 Koreaner auf eine Videowall gestarrt, und lautstark ein Team angefeuert, das gar nicht da war. Geholfen hat weder das noch unsere kleidungstechnische Bekennung zu den Reds, vorbei ists mit dem Traum von der Weltmeisterschaft, aber allein ein leeres Fußballfeld anzufeuern war Sieg genug.
Je länger der Aufenthalt dauerte, desto später hat es sich jeden Tag ergeben, dass wir unseren Stammkaffeeladen besucht haben. So sind wir nicht wie am ersten Tag von dort wieder um 9, halb 10 aufgebrochen, bis wirs endgültig zum Glasmuseum geschafft hatten, wars doch schon halb 1. Im Glasmuseum war viel Glas. Sehr vieles schön, einiges halt ja, auch dabei, aber im großen und ganzen ganz lieb. Im obligatorischen Museumsshop hat dann eine begabte Künstlerin mit sehr sehr sehr ruhiger Hand gezeigt, dass sie ganz ganz kleine Sachen malen kann, noch dazu spiegelverkehrt. Die Inselhauptstadt, wo die Tante wieder eine ganz tolle Chauffeurin und Führerin war, bot ein wahnsinnig gutes SchwarzschweinBBQ, einen halbwegs imposanten "traditionellen" Markt, und ein Geschäftsmodell, das wieder sehr auf den asiatischen Markt zugeschnitten ist.
Da gibts ein Kaffeehaus, das is ganz urig und es stehen 10 verschiedene Filterkaffeesorten zur Verfügung, weiter Tee, Limonaden, Bier. Nur Wirt ist keiner da. Jeder nimmt was er will, und bezahlt indem er sein Geld in einen hohlen Baumstamm wirft. Keine Kontrolle. Nichts. Grenzenloses Vertrauen an das Gute im Menschen. Und so wie der Laden aussieht, berechtigtes grenzenloses Vertrauen. Wir würden dem Laden bei uns eine Woche, vielleicht zwei geben, bevor alles geschändet, verbraucht und vernichtet ist. Yay Europa.
Am Abreisetag, an dem sich die Französin (nachdem sie beschlossen hatte, doch nicht mit uns auf dem Schiff fahren, einen Tag länger zu bleiben, ihr Schiffticket zu canceln und einen Flug am nächsten Tag zu buchen) beschlossen hat, doch nicht mit dem Flug am nächsten Tag zu fliegen, sondern zwecks der drohenden Langeweile mit uns am Schiff fahren, waren wir sowieso nur mehr im Kaffeehaus, bis in den mittleren Nachmittag hinein, dann quer über die Insel zum Hauptstadthafen, und dort wieder warten.
Und da ist der Moment gekommen, auf den ich so lange gewartet habe dieses Semester, der Punkt, wo man sich fragt, was man jetzt machen soll, und der Griff in die Tasche ein Buch zu Tage fördert. Kein Fachbuch, kein Paper, ein richtiges, fiktionales Analogbuch. Und weil mich das so gefreut hat, hab ich nicht mehr aufgehört. Ich las und las und las, und dann zwei Stunden schlaf, dann runter vom Boot, Frühstück, einchecken ins Hostel, ins öffentliche Bad, hinlegen, und wieder, lesen, lesen, lesen. Und jetzt kann ich den Wälzer, den ich in weniger als 24 Stunden bezwungen hab, ohne schlechtes Gewissen heimschicken mir der Post.
Hm. Buch lesen. Geil.