Mittwoch, 30. Juni 2010

Das Gute im Menschen

Alternativprogramm zu Freiluftaktivitäten sind natürlich unter der Erde zu suchen, wie praktisch, dass sich eines der größten Lavehöhlensysteme weltweit auf der Insel befindet und noch dazu touristisch erschlossen ist und NOCH DAZU das dreijährige Jubiläum zum UNESCO Welterbe angestanden ist, und somit das ganze Vergnügen auch noch gratis war.


War dann eine tolle, lange Höhle, mit großem Lavaturm zum Schluss, und schön beleuchtet und so, ja. Zuvor hats noch einen Besuch in einem klassischen koreanischen Dorf gegeben, das noch dazu noch immer bewohnt ist, von ganz "normalen" Menschen. Auch hier wurde wieder das unendliche Vertrauen der Koreaner an das Gute im Menschen sichtbar. Man konnte jedes Privatgrundstück frei erkunden, selbst die kleinen Verkaufshütten, in denen sich stapelweise traditionellmedizinische Produkte wie Pilzfäden, Knochenkügelchen für die Verdauung und Pferdeöl für die Haut und gegen Sonnenbrand befanden, waren nicht abgesperrt und in keinster Weise gesichert. Nicht einmal ein Kleptomane hätt hier noch Spass, der Reiz ist einfach nicht gegeben.


Der Botanische Garten, der den Startpunkt des nächsten Tages dargestellt hat, war recht üppig bewachsen, ein Tropenfrucht, ein Kakteen und ein Wasserpflanzenhaus haben das Outdoorprogramm von diversen japanischen, italienischen und französischen Gärten schön abgerundet. Nach dem Besuch des einzig wahren Urlaubsparadieses der Koreaner gings in ein Highlight... in das Sex and Health Museum. War ganz nett, für drei von vier Mitreisenden war auch nicht zwingend viel neues dabei, aber die, für dies wichtig war, hat wenigstens die Texte an der Wand lesen können. War schon sprachlos, das Mädl.

Der Glanzauftritt des südkoreanischen Nationalteams wurde dort verfolgt, wo Fußball hingehört: im Stadion. Das war zum Zwecke des Public Viewings geöffnet, und so haben geschätze 4000 Koreaner auf eine Videowall gestarrt, und lautstark ein Team angefeuert, das gar nicht da war. Geholfen hat weder das noch unsere kleidungstechnische Bekennung zu den Reds, vorbei ists mit dem Traum von der Weltmeisterschaft, aber allein ein leeres Fußballfeld anzufeuern war Sieg genug.

Je länger der Aufenthalt dauerte, desto später hat es sich jeden Tag ergeben, dass wir unseren Stammkaffeeladen besucht haben. So sind wir nicht wie am ersten Tag von dort wieder um 9, halb 10 aufgebrochen, bis wirs endgültig zum Glasmuseum geschafft hatten, wars doch schon halb 1. Im Glasmuseum war viel Glas. Sehr vieles schön, einiges halt ja, auch dabei, aber im großen und ganzen ganz lieb. Im obligatorischen Museumsshop hat dann eine begabte Künstlerin mit sehr sehr sehr ruhiger Hand gezeigt, dass sie ganz ganz kleine Sachen malen kann, noch dazu spiegelverkehrt. Die Inselhauptstadt, wo die Tante wieder eine ganz tolle Chauffeurin und Führerin war, bot ein wahnsinnig gutes SchwarzschweinBBQ, einen halbwegs imposanten "traditionellen" Markt, und ein Geschäftsmodell, das wieder sehr auf den asiatischen Markt zugeschnitten ist.

Da gibts ein Kaffeehaus, das is ganz urig und es stehen 10 verschiedene Filterkaffeesorten zur Verfügung, weiter Tee, Limonaden, Bier. Nur Wirt ist keiner da. Jeder nimmt was er will, und bezahlt indem er sein Geld in einen hohlen Baumstamm wirft. Keine Kontrolle. Nichts. Grenzenloses Vertrauen an das Gute im Menschen. Und so wie der Laden aussieht, berechtigtes grenzenloses Vertrauen. Wir würden dem Laden bei uns eine Woche, vielleicht zwei geben, bevor alles geschändet, verbraucht und vernichtet ist. Yay Europa.


Am Abreisetag, an dem sich die Französin (nachdem sie beschlossen hatte, doch nicht mit uns auf dem Schiff fahren, einen Tag länger zu bleiben, ihr Schiffticket zu canceln und einen Flug am nächsten Tag zu buchen) beschlossen hat, doch nicht mit dem Flug am nächsten Tag zu fliegen, sondern zwecks der drohenden Langeweile mit uns am Schiff fahren, waren wir sowieso nur mehr im Kaffeehaus, bis in den mittleren Nachmittag hinein, dann quer über die Insel zum Hauptstadthafen, und dort wieder warten.

Und da ist der Moment gekommen, auf den ich so lange gewartet habe dieses Semester, der Punkt, wo man sich fragt, was man jetzt machen soll, und der Griff in die Tasche ein Buch zu Tage fördert. Kein Fachbuch, kein Paper, ein richtiges, fiktionales Analogbuch. Und weil mich das so gefreut hat, hab ich nicht mehr aufgehört. Ich las und las und las, und dann zwei Stunden schlaf, dann runter vom Boot, Frühstück, einchecken ins Hostel, ins öffentliche Bad, hinlegen, und wieder, lesen, lesen, lesen. Und jetzt kann ich den Wälzer, den ich in weniger als 24 Stunden bezwungen hab, ohne schlechtes Gewissen heimschicken mir der Post.
Hm. Buch lesen. Geil.

Sonntag, 27. Juni 2010

Takeoff

Station 1, eine Insel namens Jeju, gesprochen Tschetschu. Und selten, dass eine Reise ihr erstes Highlight schon im ersten Flug gleich mitinkludiert.
Geflogen wurde mit Jeju-Air, drittgrößter koreanischer Flugreiseanbeiter, ein Unternehmen, das sich jung und dynamisch präsentiert, ist es doch gerade mal im Vorschulalter. Securitychecks verlaufen anders als auf anderen Flughäfen, Zweiliterflaschen sind beispielsweise nicht das geringste Problem, wer wir sind, haben wir ihnen auch erst am Flughafen mitteilen müssen, dafür Feuerzeuge im Hauptgepäcksstück, Schwerverbrechen. Im Flugzeug dann die üblichen Sicherheitsanweisungen, nur beim englischen Teil wurde dann gespart, mit dem Kommantar: "Ihr habts eh grad gesehen was passiert, denkts euch das Englisch dazu." Dafür haben wir ganz genau verstanden, wo das Wasserlandungsequipment zu finden ist.


Nachdem wir wieder mit unserem landessprachlichen bittedankehallo geglänzt haben, ist auch schon das Unterhaltungsprogramm des 50minuten Fluges gestartet. Es gäbe eine tolle Show auf der Insel, und Tatsache, die Passagiere des Fluges konnten zwei Tickets dafür gewinnen. Keine Verlosung, oder wär als nächstes Geburtstag hat, oder ein anderes banales Zufallsprinzip. Hier muss man für den Gewinn arbeiten.. Die Flugbegleiterinnen haben sich die roten StandardkoreabeiderWManfeuerungsleiberl angezogen, und die Flugbegleiterinnenchefin hat sich dann noch einen Stofftiertigerhut aufgesetzt, und dann hat das ganze Flugzeug so oft gegen sie Schere-Stein-Papier gespielt, bis sie den Vorletzten besiegt hat. Und der Letzte hat dann das Ticket bekommen. Und dann das gleiche Spiel noch einmal, und dann war schon Zeit für Landeanflug. Toll.

Angekommen hat uns die Tante unserer lieben koreanischen Mitreisenden abgeholt und in ein Hinterhofrestaurant geführt, wo wir zu einem sehr guten Abendessen geladen worden sind, zuerst wollte die Tante zahlen, aber dann hat sich doch die Restaurantbesitzerin dazu entschlossen, uns einfach alles gratis zu geben und noch ein paar Kekse draufzupacken.


Der erste volle Tag war von einem Besuch auf einer Insel vor der Insel geprägt, wo wir uns zwei Mopeds und ein Quad ausgeliehen haben, und rundherumgebraust sind wie die Wilden; von freedivenden 60jährigen Frauen, die aus 20 Metern Tiefe Muscheln bergen über weissen Korallenstrand nebst schwarzen Vulkangestein bis zu eben fast ganz schwarzen Sandstränden hats da schon viel Natur zum sehen gegeben. Ein kleiner Abendspaziergang hat den Tag schön abgerundet, und am nächsten Morgen ist dann das gekommen, wovor ich mich lange gefürchtet hab, dass es genau zu dieser Zeit kommen wird... Regenzeit. Das Wetter is oarsch.

Dienstag, 22. Juni 2010

Adios, Postech

"Austria has to be the greatest mothereffin' Country in the world."
Gesprochen hat diese Worte ein südafrikanischer Mittelschulenglischlehrer, der uns im Laufe des Semesters kennen und schätzen gelernt hat. Den Auftrag, die Heimat würdig zu vertreten, haben wir wohl zufriedenstellend erfüllt. Im Haus hat unse Arc de Bierumpfe sicher auch das seinige dazu beigetragen.


Die Regelmäßigkeit meiner geistigen Ergüsse hat mit der Zunahme der Prüfungen und finalen Hausaufgaben stetig abgenommen, aber jetzt, jetzt ist's vorbei. Ein Gefühl von Freiheit, das selbst William Wallace wohl nur entfernt erahnen könnte. Der generelle Abschied von der Universität fällt sehr sehr anders aus , als der Aufbruch im Februar. Wie es sich für eine gute internationale Freundschaft gehört, wurden Versprechungen gemacht, sich gegenseitig zu besuchen, Reunionen zu veranstalten, gemeinsame Urlaube zu planen. Wenn sich auch nur die Hälfte dieser Pläne in die Realität umsetzen lassen, wird mir nie mehr langweilig in meinem Leben, und Reiseziele hab ich auch 1001.


Um diese IN KEINSTER WEISE übertriebene Zahl auch wirklich zu erreichen, wird heute noch der Ruckusacku gepackt und morgen geht's dann auf die Insel. Die hört auf den klingenden Namen Jeju (Tschetschu) und ist sowas wie das koreanische Sommeräquivalent von Kitzbühl. In der Mitte steht ein Vulkan, aus dem zwar kein flüssiges Gestein kommt, aber, wenn man den diversen Lebensmittelherstellern glauben schenken will, ein Niagarawasserfall an frisch verpackten Mineralwasser. Bin ich mal gespannt, wieviele Quellen dort wirklich vorhanden sind. Am Montag wird dann per Massentransportfähre über Nacht zurück nach Festlandkorea übersetzt, wo dann so lang mit der Französin und dem Max herumgereist wird, bis es die erstere in die Heimat und es den Landsmann in die Abgeschiedenheit zieht, weil die Manu, die Angetraute, dann kommt und wohl 4 Monate Beziehung nachholen will. Meine Einsamkeit wird aber nur einen Abend andauern, weil dann wird man sich wieder mit den anderen Franzosen feiern, und deren Abschied richtig begießen.


Die selben Franzosen werden dann auch noch zum Flughafen begleitet von mir, nicht zwecks der Sentimentalität (die natürlich gegeben ist), sondern weil ich dann Abholservice Spiel, und den Amigo Matze abhol und seinen Jetlag und Kulturschock genießen werd. Dann wird gereist, dann kommt noch China und Japan, aber das wird in näherer Zukunft gesondert behandelt werden.

Der Fakt, dass wir gestern der koreanischen Post das Geschäft ihres Lebens verpasst haben und das meine Eltern noch immer glauben, ich schick ihnen 40 Kilo Kleidung und Andenken, haben es mich dann endgültig einsehen lassen,
es ist vorbei.
Es hat ewig gedauert bis sich das Gefühl von Zufriedenheit gesetzt hat. Jetzt ist es vollkommen realisiert, und nicht mehr die obige Reise, die immer als Zuckerl am Ende des Aufenthalts gedient hat, ist der einzige Grund, hier zu sein; die Leute, die das tägliche Leben farbig gemacht haben, haben alle mit ihren Charakteristiken und Eigenheiten das Semester zu einem unvergesslichen gemacht, ganz unabhängig davon, was jetzt noch kommt.

Und in 6 Wochen schon wieder vorbei. Die Zeit wird fliegen. Und dann wieder daheim. In the greatest mothereffin' country in the world.

Sonntag, 6. Juni 2010

Aug um Aug.

Wenn da auf der Uni eine Veranstaltung durchgeführt wird, dann wird da einmal sicher nicht gespart. Letztes Wochenende zum Beispiel, war ein großes Raquetballturnier, und da werden die vier Plätze nicht gereinigt, nein, gleich komplett renoviert. Die Uni hat Geld.
Und sowieso, Raquetball. Gefährlich.

Man stellt sich vor, man geht wieder einmal auf den Raquetballplatz, um das eine oder andere Match mit dem Hausamerikaner zu spielen. So spielt man die erste Partie, die zweite, die dritte.. und in der vierten dann passierts. Einmal schaut man nicht dorthin, wo man hinschauen soll, sondern zum Gegner, dem kommt der Ball aus, und der Ball findet den kürzesten Weg vom Schläger ins Auge. Also nicht so, dass man vielleicht ein Veilchen davon trägt, ein bisschen angeschwollen oder so.

Nein, direkt auf den Augapfel. Sofortiger Augenlichtverlust. Nach einer einstündigen Wartezeit, die zeigen sollte, ob es vielleicht von selbst besser wird, wird dann doch entschieden, ins Krankenhaus zu fahren, also packt man einen Landsmann und einen Koreaner ein, und schon geht die Herumfahrerei los. Das Krankenhaus in der Stadt hat natürlich keinen Augenspezialisten, und selbst trauen sie sich keine derartige Verletzung zu, also nimmt man kurzerhand wieder ein Taxi in die nächste größere Stadt, wo ein richtig großes Krankenhaus ist. Die ist natürlich eine halbe Fahrtstunde entfernt und eine auch touristisch populäre Stadt.

Dort wird man dann in den Computertomographen gesteckt, und bekommt wenig später die Diagnose. Schwere Augenentzündung irgendwo im Apfel, die schwerstmögliche. Man bekommt fünf Medikamente, wobei man eines davon alle zwei Stunden ins Auge tropfen muss. Schlaf ist kein Ausschulssgrund. Vorbei mit durchgehendem Schlaf. Und fünf Tage später, noch immer nur ein weisser Schleier. Gibt's wirklich schöneres.

Den Franzosen, dem das passiert ist, beneide ich wirklich nicht.

Ich lern, geh fort und hab Prüfungen diese Woche.