Am Mittwoch war Kindertag, was anscheinend ein Grund ist, der Universität fernzubleiben, und so wurde nach kleiner Besprechung ein hübsches Örtchen namens Andong als Ziel gewählt. Treffpunkt war zur absoluten Unzeit von 8:20, Mitglieder der Reisegruppe waren alle Teil der kleinen Familie, die sich hier herauskristallisiert hat. Rebecca, burkinofasoianische Französin und Mama, Jooeon (nicht aussprechen probieren, es ist sowieso falsch), das koreanische Quantenoptikphysikarbeitstier, die schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie auch nur ein bisschen zu lang Mittagessen geht und nicht fleissig im Labor quantenoptifiziert, und das österreichische Ehepaar.
Zwei Stunden Busfahrt, untermalt von koreanischen Pop- und Schnulzenhits, haben dann dazu geführt, dass uns das liebe Touristeninformationsbüro gleich wieder in einen Bus gesteckt und noch einmal 4o Minuten Sitzfleischtraining verordnet hat. Angekommen sind wir dann in einer kleinen Ansiedlung, die bekannt für ihre Maskenfestivals ist, und ein authentisches altes Zweiklassengesellschaftsdorf zum Angreifen bietet, Freilichtmuseum Stübing auf ostasiatisch.
Nach einem halbwegs guten Essen in einer halbwegs schlechten Touristenfütterungsanstalt ist dann der Spaziergang durch die kleine Ortschaft, die zu 75 Prozent vom ruhigen Fluss umgeben ist, losgegangen.
Und das war schön, nichts tun, Häuser, Felder, Blumen und Familienausflugsteilnehmer anschauen, dann ein wenig entspannt sitzen am Platz, wo die Pärchen nur so aus dem Boden spriessen, ein paar Souvenierverkäufern mit langen Diskussionen über einzelne Produkte Hoffnungen auf das Geschäft ihres Leben zu machen, Kinderaugen aufgrund der aberwitzigen Zusammenstellung der Reisegruppe zum leuchten bringen, HighSchoolKids mit einem Hi! abspeisen, die dann wieder daheim erzählen können, dass sie mit einem Ausländer ein englisches Gespräch geführt haben, die Sonne genießen, in dem Wissen, dass es noch viel viel viel heisser wird, schön.
Dann zurück mit dem Bus, und hinein ins Taxi, auf die andere Seite der Stadt, wo ein anderes Freilichtmuseum gewartet hat. Auch hier war Gegend genießen der viel größere Punkt als das Kulturerlebnis, eine halbe Stunde in der Mitte der größten Holzbrücke Koreas zu sitzen und den Wind über das Gesicht streichen zu lassen hat eine solche Kontrastwirkung zum sonstigen Alltag gehabt, gute Sensationen. Und dann, dann hat das Karma zugeschlagen. Wieder.
9 Tage zuvor.
Wir spielen hier leidenschaftlich gerne eine Squash Variante (Raquetball, und ja, es gibt 40 Schreibweisen, zumindest hier), in der der Max der klar dominierende Spieler des Hauses ist, ich irgendwo an zweiter Stelle, dann lang nix, und dann der Rest. Auf jeden Fall, egal ob Doppel oder Einzel, Österreich ungeschlagen.
Um die Leistungen auf hohem Niveau zu halten, spielen wir natürlich auch gegeneinander. Und so ist es passiert, am Vorabend der letzten Prüfung, dass mir der eigene Schläger auskommt, der aber mittels Schlaufe am Handgelenk befestigt war, und dadurch den Weg zu meiner Stirn gefunden hat, Platzwunde, irrsinnige Sauerei, aber eben gut gewesen, dass nur die Stirn und nicht die Brille oder ein Zahn dran glauben hat müssen.
3 Tage zuvor.
Das Loch im Kopf wieder zu, halbwegs, also wieder sportlich, und weil eigentlich reges Interesse bestanden hat, einen American Football gekauft, und ein bisschen hin- und hergeworfen. Irgendwann hat dann mein Unterbewusstsein (oder doch Karma?) beschlossen, es sei eine gute Idee, den Ball mit dem kleinen Finger zu fangen, beziehungsweise den Versuch zu unternehmen. Und das hat und war dann geprellt, natürlich die rechte Hand, schreib- und essensbehindert, und mit Ballspielen jeglicher Form ist es jetzt auch einmal vorbei.
Hab ich mir Gedacht, Karma, du hast deinen Spass gehabt, jetzt simma wieder gut. Friedensvertrag unterschrieben, und dann doch noch heimgesucht werden, dass ist in der Geschichte sicher noch überhaupt nie passiert.
Wieder im Freilichtmuseum.
Steht man im alten, bemalten Holzpavillion, genießt die Aussicht, erfreut sich der Gegend und auf einmal ist der Boden weg. Gut, nur unter einem Fuß, aber es gibt angenehmeres, als aus einem Kulturerbe Koreas unter Beobachtung von amüsierten Einheimischen halb herauszubaumeln. Passiert ist bis auf ein paar Schürfwunden und ein wenig blau nichts, aber Karma. Hurch amoi zua.
Es ist genug.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen