Mittwoch, 28. Juli 2010

a Sechzehner Blech

So, jetzt hab ich die wichtigsten Städte Chinas durchgespielt und weiß nicht so recht, ob ich positiv oder negativ resümieren soll. Peking hat sich schlussendlich als die Stadt herausgestellt, die mein Feind sein will, und wird. Letztens hab ich der Stadt ja nicht soooo viel gutes zugeschrieben, die hat sich dafür gleich mal via Umweg Karma revanchiert, indem sie in einem heimtückischen Akt der Bosheit, verkleidet als Computerfehler, so ziemlich meine ganzen Fotos der Stadt verschwinden hat lassen. Wär nicht so schlimm, Wetter war eh mies, aber um die Fotos der Mauer ists mir doch ein bisschen leid. Das resultierende Fluchen über die Stadt hat dieselbige nur weiter provoziert, so hat sich in meiner Wäsche ein pekinesisches HardRock Cafe Shot Glass versteckt und hat dann in der Waschmaschine einen Glasscherbenamoklauf veranstaltet. Geh ich halt als Punk mit zerrissenem Leiberl, die Japaner kaufen mir das sicher als neuen europäischen tornshirtstyl ab.

HongKong hat vieles wieder gut gemacht, was Peking vermiest hat. Ein bisschen New York Feeling kommt auf in der Stadt, und wären nicht so viele Chinesen da, könnte man die Stadt locker in die USA oder nach Großbritannien stellen, würde keinem zu sehr als Fremdkörper auffallen. Die Masse der Leute wird viel besser gehandhabt, die Verteilung der Massen funktionierte so gut, dass es nur ganz selten zu diesem überfüllten Gefühl gekommen ist, das mich ansonsten auf dem ganzen Chinatrip konstant begleitet hat.

Kleines Highlight war die Avenue of Stars, ein asiatischer Walk of Fame Verschnitt. Da spaziert man, erkennt natürlich überhaupt keine der Berühmtheiten, und geht mit gesenktem Blick andächtig von Sternchen zu Sternchen und hofft darauf, dass was passiert. Und dann passiert was. Man rennt in eine Absperrung. Und dann schaut man auf. Und schaut ihm in die Augen. Und er schaut dir in die Augen. Ein überlebensgroßer, schwarzer, kampfbereiter Bruce Lee. Nichts gegen den restlichen Hongkonger Filmmarkt. Jackie Chan verdient ja auch Respekt. Aber freakin' Bruce Lee. Bereit dich zu zerstören. Da war ich glücklich.
Macau, das Glücksspielparadies, das nur eine Bootsstunde von Hongkong entfernt ist, hat sich entpuppt, naja, als Glücksspielparadies. Viele Hotels mit inkludierten Casinos, dort wo keine Hotels waren, waren recht ärmliche Viertel, die die Leute beherbegern, die die Hotels am laufen halten. Das Stadtzentrum, ganz portugiesisch geprägt, war den Trip wert, und eine chinesischjesuitische Kirchenfasade, die den heiligen Geist, obligatorische Kreuze aber auch eine vielköpfige Hydra und einen Monster-Drachen bietet, die hat was für sich. Die wollten das Christentum so richtig cool machen, sieht man gleich.

Da hat die Zeit wieder angefangen, schnell zu vergehen, und schon war ich in Shanghai. War irgendwie ein Mix aus den ersten beiden Städten, zwar unendlich viele Menschen, aber doch im großen und ganzen eine moderne Stadt. Das die EXPO zur gleichen Zeit mit mir in der Stadt war, musste natürlich genutzt werden, und dort hat man gesehen, was mit vielen vielen Billigarbeitskräften möglich ist. Das Gelände natürlich hochgesichert, immer sauber, fast schon rein, ebenso die Sanitäranlagen und eigentlich alles. Die Idee, das ganze am Samstag anzuschauen, haben neben mir auch 17 Millionen Chinesen gehabt, das hat auch erklärt warum bei manchen Ländern die Wartezeit auf die 4 Stunden zuging (Deutschland, Frankreich, Spanien) und ihr Maximum in 8 Stunden beim saudi-arabischen Pavillion fand. Dementsprechend wurden eher solche Länder mit geringen bis keinen Wartezeiten besucht, wie der Iran, Nordkorea, Usbekistan und Österreich.
Und da hat man sich schon ein bisschen daheim gefühlt. Oberösterreicherinnen, die mit dem im Haus produzierten Kunstschnee chinesische Kinder mit Schneebällen bewerfen, ein Tiroler, der auf den Hinweiß, dass das klassische Musikstückchen, das alle Stunden gespielt wird, etwas spät dran ist, nur mit den Worten "a moch kan Stress" reagiert und ein Shop, der heimische Produkte verkauft. Was will man mehr. Hätte mir nie vorgestellt, ein Packerl Soletti und eine kleine Dose Ottakringer als österreichisches Frühstück durchgeht bei mir. Und das es gut ist obendrein.

Letzter Tag in Shanghai, man sitzt an der Promenade gegenüber der doch beeindruckenden Skyline. Eine der unzähligen Chinesinnen, die in irgendeiner Form von mir Geld wollen hat sich neben mich gesetzt, und hat einmal eine ganz gewagte Technik probiert. Sie war ehrlich. Hat gesagt sie ist arbeitslos, und braucht Geld, darum fragt sie Ausländer, die wahrscheinlich Geld haben, ob sie ihr Geld geben. NEuro wollt sie. Stefan natürlich großherzig, hat den Euro springen lassen, und dann ist sie sitzen geblieben. Und dann haben wir ein Gespräch über das Ölleck in Mexico, die europäische Wirtschaft, und ob man IKEA als Erfolgsunternehmen bezeichnen kann, geführt.
Ich würde sie als nett bezeichnen im nachhinein. Eine arbeitslose Frau, die Geld schnorrt, führt zu einer positiven Gesamtbilanz. Gut gemacht, China.

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