Sonntag, 18. Juli 2010

Peking

"Do you wanna have nice girl with healthy massage sex?"

Dieses, und viele andere andere Angebote dieser Art, weiters Vorschläge Postkarten, Anstecknadeln, kommunistische Parteibücher, OBA MAO T-Shirts, Regenschirme, vierzehnteilige Flugdrachen, tiefgekühlte Melonen und Zigaretten zu kaufen, haben mich nur zu einem Schluss bringen können: der geschäftstüchtige pekinger Durchschnittstouristenfänger ist um mich besorgt.

Die Reise vom Pekinger Flughafen, noch frisch im Glanz der Renovierung für die Olympischen Spiele, zu meinem Hostel, das unweit des politisch viel genutzten TianMen Platzes gelegen ist, hat sehr schnell die Unterschiede zu, sagen wir mal Hausnummer: Korea, aufgezeigt. Seoul hat ja noch einige Millionen mehr Einwohner als die chinesische Hauptstadt, trotzdem hab ich mich dort nie richtig beengt gefühlt. Es ist unglaublich, wieviele Menschen hier sind. So viele Menschen. Überall. Überall sind Menschen und stoßen, und drängen, kämpfen um freie Sitzplätze in der U-Bahn. Irgendwie, obwohl die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel sicher mit anderen Metropolen vergleichbar, wenn nicht sogar etwas größer ausgelegt sind, man hat irgendwie immer das Gefühl, alles ist unterdimensioniert. Dafür, so eine Stunde nachdem die U-Bahn aufgehört hat, ihr Kampfprogramm zu fahren (also gegen Mitternacht), nimmt die Dichte auf den Strassen sehr stark ab, nix mit "City that never sleeps". Von 12-6 ist Bettruhe.

Um den Abend nach der Ankunft noch etwas zu nutzen, hab ich das hosteleigene Angebot einer Tour zu einer örtlichen Kung-Fu Show wahrgenommen, die Alternative wär eine Akrobatikshow gewesen. Akrobatik, pff, wer schaut denn sich sowas an. Aber Kung-Fu, das kann ja nix schlechtes sein, wenn mans dort sieht wos herkommt. Das ganze war in eine Geschichte verpackt, wo ein kleines Kind zum alten Kung-Fuuuuu Meister geht, und sagt, es hat Angst, weil die Herausforderung so groß ist blablabla. Um den Balg zu ermutigen, erzählt der Meister eine Geschichte von einem anderen jungen Kampfchinesen, der vor vielen Jahren in der gleichen Situation war, und legt dann obendrauf natürlich noch dessen ganze Lebensgeschichte nach. Inklusive Selbstzweifel, Abkommen vom rechten Weg wegen einer Frau (eh klar), Trauer über den Tod derjenigen, Selbstwiederfindung und schlussendlicher Retournierung zum einzig wahren Lebenssinn. Und, jetzt kommt die Wendung der Geschichte, mit der sicher niemand, also wirklich NIEMAND gerechnet hat. Es ist die Lebensgeschichte vom alten Meister selbst.
Na. Wer. Hätte. Das. Gedacht. Wenigstens hat er sich einmal vor lauter Ärger ein paar Eisenstangen am Kopf zerschlagen. Das war coooooool.

Zweiter Tag, oben genannter TianMen Platz und Verbotene Stadt. Am Platz stehen noch ein paar alte Stadttore, die recht eindrucksvoll sind, aber Main Attraction ist das Mausoleum vom Mao. Maosoleum. Witz des Jahrhunderts. Auf jeden Fall hat man sich, damit man da reinschauen darf, anstellen müssen. Ich hätt mir nie gedacht, dass eine Warteschlange eindrucksvoll sein kann, aber da bin ich eines besseren belehrt worden. Zuerst einmal hat man alle Taschen, Fotoapparate, eigentlich alles, was man nicht als Kleidung bezeichnen kann, abgeben müssen in einer zentralen Lagerstätte, und dann ist der Spass schon losgegangen. Da sind so 3-4 Leute auf gleicher Höhe gestanden, und ich hab mir den Spass gemacht, einfach einmal die halbe Länge der Schlange entlangzugehen. Das hat 10 Minuten gedauert. So viele Menschen. Unglaublich. Ich hab mir das Kommunistendenkmal aber dann doch nur von aussen angeschaut und bin gleich in die Verbotene Stadt weiter, praktisch ist das hier in Peking, alles ist auf einer Nord-Süd Achse.

ie Anlage ist einmal so richtig groß; ohne mich großartig an bestimmten Orten in der ehemaligen Kaisercity aufzuhalten, hab ich locker 3 bis 4 Stunden vergehen lassen, bis ich mich dann zum Nordeingang durchgekämpft hatte. Nach einer interessanten kalten Nudel-Gurken Variation war als nächstes der Kaiserliche Stadtpark am Programm, der aber sehr viel Flair durch die miese Wetterlage verloren hatte. Abgerundet wurde der Tag beim Nachtmarkt bei gutem Skorpion am Spieß.

Obligatorisch war Tags darauf der Trip zur großen Mauer, aber nicht zum Mainstream touristifizierten Teil, nein, unsere muntere Reisegruppe wurde zu einem abgelegeren, nur teilweise restaurierten Teil der Mauer gebracht, wo dann 3 Stunden wandern angesagt war. Bin ich ja kein Freund von, aber als dann der fünfte Turm passiert war, man auf der Spitze eines der unzähligen Berge dort gestanden ist, die Landschaft genießt (der einzige Tag mit schönem Wetter) und einem einfach nur das Wort "Geil" im Kopf herumschwirrt, dann weiss man wohl, dass sich die Schinderei bezahlt gemacht hat.

Am dritten Tag haben dann meine Oberschenkel formal Beschwerde über den letzten Tag eingebracht, ein ruhigerer Tag war angesagt.Es wurde neben einer weiteren sehr überfüllten Tempelanlage ein Shoppingcenter besucht, so ein richtig tolles war das, mit Preisen, die sich sehr schnell halbiert haben, wenn man nur einmal nein gesagt hat, und sowieso nur Originialware. Und Wahnsinn, die sind uns voraus, die haben sogar "iPads" auf denen Android 1.0 lauft. Unglaublich, diese Chinesen.

Abends dann meine obligatorischen HardRockCafé Shot Glasses eingeholt und dort dann einer Coverband gelauscht, die ihre Texte nicht konnte. "Du Hast" von Rammstein wird so zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Es war interessant hier zu sein, ich hoffe abr, dass Shanghai und Hong Kong ihrem Ruf gerecht werden, sehr anders zu sein.

So viele Menschen... das macht mich fertig.

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