Den Abend nach dem Grenzgang haben wir typisch asiatisch-großstädtisch verbracht. Das erste Ziel war einer der berühmteren Tempel in der Stadt, wo es am Abend Glockenschläge gibt (und das lauft nicht elektronisch ab, da steht einer mit dem Rammbock, und lasst diesen in die Glocke schwingen, die dann gleich akustisch zurückschwingt) und diese traditionellen Bauten bieten vor dem dahinter aufragenden Teil Skyline ein ganz interessantes, fast schon absurdes Bild. Eingerahmt wurde das von dem Fakt, dass sich gleich auf der anderen Strassenseite das größte unterirdische Shoppingcenter Asiens befindet.
Das war, wie zu erwarten, schon so richtig groß, da gibts mannshohe Touchscreens zur Navigation, und eine Buchhandlung, die von der Fläche her international schon gut mitspielt, und natürlich die obligatorische Spielhalle. Spielhalle hab ich sowieso gern, und da ist es noch dazu nicht so wie beispielsweise in Italien, wo der durchschnittliche Besucher männlich, 13 und am pickelausdrücken ist, hier ist das mehr Ausflugsziel für Pärchen, die dann in trauter Zweisamkeit mit Plastikmaschinengewehren Zombiehirne an virtuelle Wände tapezieren oder sich liebevoll gegenseitig am Automaten verprügeln. Haben wir natürlich auch gleich ausprobieren müssen, aber irgendwie fehlt uns wohl die Kaltblütigkeit einer koreanischen Mittzwanzigerin.
Am Sonntag wollten wir noch was etwas gemütlicheres Angehen, ein kleiner Spaziergang zu einer Tempelanlage hat sich da angeboten. Leider war der reguläre Weg auf den Hügel (400m hoch oder so) wegen Bauarbeiten gesperrt, was einerseits die Wegbeschreibungen im Reiseführer hinfällig gemacht hat, andererseits uns das Vergnügen beschert hat, einen tollen Alternativweg zu beschreiten, der mich all meine (natürlich nur sehr spärlich vorhandenen) Sünden abbüsen hat lasen. Wie so oft, hat sichs natürlich ausgezahlt, sobald wir die Spitze erreicht hatten.
Seoul ist groß. Also jetzt nicht so bissi groß, oder spaßgroß, oder "wir tun so als ob groß und dabei is gar nicht so groß", sondern so richtig. Jetzt von der Fläche her natürlich auch, aber vor allem die Dichte machts aus, die man erst von oben richtig realisieren kann, überall stehen Bauten, die durchschnittliche steirische Dörfer als Gesamtes ohne weiteres beherbergen könnten, und da der Hügel halbwegs zentral gelegen ist, hat man mehr oder weniger 360 Grad Bevölkerungswahnsinn. Diese Bilder werden im Kopf bleiben.
Nach dem Abstieg haben wir uns mit einer Portion Bananen belohnt, die überschüssigen wurden kleinen Kindern auf der Straße geschenkt, die dem Spuk, da jetzt von derartigen Wesen was gutes zu essen geschenkt zu bekommen, nicht trauten. Letzter Punkt war dann wieder ein Shoppingcenter, diesmal ein Elektronikfachmarkt. Da gibts zum Beispiel ein Stockwerk,da werden nur Mobiltelefone verkauft. In den nächsten zwei dann nur Computerzubehör, und eine Videospieletage hats natürlich auch gegeben. Das Highlight im obersten Stockwerk: das E-Sportsstadion, von dem aus hochklassige Schlachten in diversen Computerspielen landesweit im Fernsehen übertragen werden. Vergesst Fußball, das ist das Wahre.
An dem Tag stand Counter-Strike auf dem Programm, die Spieler wurden einzeln wie kleine schmächtige Gladiatoren angekündigt, und dann hat man den Leuten zuschauen können beim spielen, jedem einzelnen Spieler auf einem eigenen Großbildfernseher, der Zusammenschnitt, der gerade live ausgestrahlt wird, auf großen Videoleinwänden. Zwischen den einzelnen Runden ist immer wieder dass Publikum eingeblendet worden, und natürlich, keine 10 Minuten hat es gedauert, bis die Scheinwerfer auf die Europäer geworfen wurden, und ein hübsches Gruppenbild in jede Ecke Koreas gesendet wurde. Würdiger Abschluss eines tollen Wochenendes, die viereinhalbstunden Busfahrt wurden dann schlafend verbracht, und am Montag in der Früh hat sichs angefühlt, als hätten mich in der Nacht mehrere Lastwagen überfahren. Verdammtes Bergsteigen.
Nur einen Tag später ist dann der Zimmerkollege vom Max abgereist, ich natürlich die Chance gleich am Schopf ergriffen, und zum zuständigen Büro gegangen. Im Gepäck hatte ich einen Zettel mit meinem Namen, meiner alten Zimmernummer, einem Pfeil, und der Neuen, erwünschten. Nach einigen Minuten bilingualer Kommunikation ohne nennenswerten Informationsaustausch bekam ich ein "Tomorrow". Ich war glücklich.
Beim Abendessen, wie hätts anders sein können, kommt dann gleichzeitig mit mir der Inder, was dann zu einem Tischgespräch geführt hat, das länger war als unsere gesamte restliche Kommunikation zusammengerechnet. War eigentlich ganz nett, ich hab aber immer im Hinterkopf gehabt, dass ich ja eigentlich schon mit ihm schlussgemacht hab, nur er weiß es halt noch nicht. Nach langem Herumgeplänkel über Chemie und die Welt hab ichs ihm dann geradeaus gesagt, war wohl das Klügste. Es sei halt viel unkomplizierter mit einem anderen Österreicher zusammenzuwohnen, die Lebensrhythmen stimmen sicher besser überein. Er hats mit Fassung getragen.
Nachdem ich dann am nächsten Tag all meine Sachen überführt hab, hab ich ihm noch ein Säckchen Mozartkugeln am Tisch stehen lassen, er war nicht zu hause, als ich zum letzten mal aus dem Zimmer bin. Hab ihn seit dem nicht gesehen, hoff es geht ihm gut. Aber es war wohl richtig so.
FREIHEIT :D
Aw, der arme Inder... XD Die Mozartkugeln hat er sicher auf ein Mal aufgegessen, in seiner Trauer.
AntwortenLöschenoje, jetzt kannst den inder net mehr fragen!!!
AntwortenLöschenwas machst denn jetzt?- ob das die richtige entscheidung war... *hihihi*
glg manu