Dieses Wochenende war es soweit, und die vor drei Wochen gebuchte Tour in die entmilitarisierte Zone ist endlich verwirklicht worden. Samstags um 7 Uhr war Abfahrt vom Camp der Amerikaner (die waren die Veranstalter) in Seoul, entsprechend reisten wir am Freitag an und hatten das Vergnügen, uns nach einer fast schlaflosen Nacht im halbschlaf mitten in der Nacht zu eben diesem Camp durchzukämpfen.
Nach dem lebensrettenden Kaffee gabs 90 Minuten Busfahrt in den Norden, während der die Schlafzeit der Vornacht gleich einmal aufgedoppelt wurde. Erster Programmpunkt war eine Schulung von lustigen U.S. - Militärs, die entweder eiskalte Sonnenbrillen (5 Grad, keine Sonne, bisschen Regen) oder ein Baseball-Cap tiefer als erlaubt im Gesicht hatten. Dort habens uns dann gesagt, wie böse das Kommunistenland ist und wie freiheitskämpfend sie sind, der lustige oben genannte Zettel stand zur Unterschrift bereit, und mit dem Schlusssatz "in front of them all" sind wir dann in die Joint Security Area geschickt worden, wo Nord und Süd Auge in Auge gegenüberstehen, und sich zeigen, wer die härtesten sind.
Ein bisschen Würze hat das ganze dadurch bekommen, dass am Vorabend ein südkoreanisches Schiff gesunken ist nach einer Explosion, und keiner weiß, obs Zufall war oder die Nordler nachgeholfen haben, auf jeden Fall war und ist das Land angespannt.
Die JSA, der Hotspot, war eine sehr eigene Erfahrung. Militäreskorte, kein Mensch dort, an strategisch wichtigen Positionen standen südkoreanische Soldaten mit einer gesunden "I bring di auf 10 Arten gleichzeitig um wennst deppat herschaust" Austrahlung, auf der anderen Seite der Grenze, die mitten durch das Gebiet verläuft, hat der Nordkoreaner beobachtet, dass ein glatzerter Österreicher ihn fotografiert, manche besonders Glücklichen dürfen den ganzen Tag halb auf ein Haus schauen, damit sie ein kleineres Ziel abgeben, und sowieso, ganz gespenstisch alles.
In einem Gebäude, das von beiden Parteien genutzt wird, für Verhandlungen gemeinsam und für Führungen seperat, und in Anwesenheit von zwei weiteren dieser leblosen koreanischen Kampfmaschinen haben wir dann die Chance gehabt, ein paar Meter weit in nordkoreanisches Gebiet einzudringen; wäre also das auf meiner ToDo-Liste auch erledigt. Auf dem Foto steht der Orge genau auf der Grenze (Mikrofone am Tisch), links ist Süd- und ich bin in Nordkorea.
Dann ist weitergegangen, zu einem Platz, wo die Guten einen Baum stutzen wollten, und dann die Bösen gekommen sind, und weil denen das nicht gefallen hat, haben sie als Gegenleistung ihrerseits zwei Gute mit Äxten umgeschnitten. Die zwei Mörderäxte sind jetzt im Friedensmuseum in Nordkorea zu besichtigen.
Die Guten haben weiters ein recht modernes Besucherzentrum gebaut, das ein bisschen größer war als das der Bösen, also haben die gleich noch ein Stockwerk auf ihres draufgesetzt, damits wieder größer ist. Ähnliches Spiel bei der Flaggenparade: Die Guten haben in der einzigen Stadt, die dort in der Gegend ist, der "Freedom Village", eine Flagge aufgestellt, 100 Meter hoch. Die Bösen in ihrer Stadt, der "Propaganda Village" gleich darauf eine 160 Meter hohe, die Flagge an sich mehr als 30 Meter lang und über 270 Kilo schwer. Ich hab den ganz leisen Verdacht, da will wer was kompensieren.
Zweiter "Höhepunkt" war der dritte Invasionstunnel, den die Bösen so 15 Jahre nach dem Waffenstillstand gebaut haben, falls sie mal Lust auf eine Invasion haben, die haben dann die Wände schwarz angemalt, und gesagt, sie sind auf Kohle gestoßen und haben einfach gegraben.
Den hat man begehen können, dazu erstmal 70-80 Höhenmeter durch den Zugangsschacht hinunter, unten dann in einem Stollen, der ganz eindeutig für eine koreanische Armee gebaut worden ist, und mich das erste Mal in meinem Leben wirklich dazu gebracht hat, Schutzhelme zu schätzen, und der dann geendet hat... naja in einer Betonmauer, die die Guten hingestellt haben, damit die Bösen nicht mehr durchkommen. Und Fotos waren so streng verboten, dass man seine Kamera sogar abgeben hat müssen, man hätt ja die Betonmauer wegfotografieren können. Das war das spannendste was ich in meinem ganzen Leben erlebt hab.
Nach halbwegs gutem Mittagessen und der Besichtigung von anderen Schauplätzen, die wahrscheinlich wichtig sind, wie der Brücke ohne Wiederkehr, ist es dann schlafend wieder zurück nach Seoul gegangen. Und Seoul war dann so toll, dass es sich einen eigenen Eintrag verdient.