Montag, 29. März 2010

Steinsoldat

"Kommunizieren sie in keinster Weise mit den feindlichen Soldaten. Falls sie im Falle eines nordkoreanischen Angriffs verletzt oder getötet werden, geschieht dies unter ihrer eigenen Verantwortung und die Veranstalter trifft keine Schuld." Mit einer Unterschrift unter diesem Absatz kann der Tag nur erfolgreich sein.


Dieses Wochenende war es soweit, und die vor drei Wochen gebuchte Tour in die entmilitarisierte Zone ist endlich verwirklicht worden. Samstags um 7 Uhr war Abfahrt vom Camp der Amerikaner (die waren die Veranstalter) in Seoul, entsprechend reisten wir am Freitag an und hatten das Vergnügen, uns nach einer fast schlaflosen Nacht im halbschlaf mitten in der Nacht zu eben diesem Camp durchzukämpfen.
Nach dem lebensrettenden Kaffee gabs 90 Minuten Busfahrt in den Norden, während der die Schlafzeit der Vornacht gleich einmal aufgedoppelt wurde. Erster Programmpunkt war eine Schulung von lustigen U.S. - Militärs, die entweder eiskalte Sonnenbrillen (5 Grad, keine Sonne, bisschen Regen) oder ein Baseball-Cap tiefer als erlaubt im Gesicht hatten. Dort habens uns dann gesagt, wie böse das Kommunistenland ist und wie freiheitskämpfend sie sind, der lustige oben genannte Zettel stand zur Unterschrift bereit, und mit dem Schlusssatz "in front of them all" sind wir dann in die Joint Security Area geschickt worden, wo Nord und Süd Auge in Auge gegenüberstehen, und sich zeigen, wer die härtesten sind.

Ein bisschen Würze hat das ganze dadurch bekommen, dass am Vorabend ein südkoreanisches Schiff gesunken ist nach einer Explosion, und keiner weiß, obs Zufall war oder die Nordler nachgeholfen haben, auf jeden Fall war und ist das Land angespannt.


Die JSA, der Hotspot, war eine sehr eigene Erfahrung. Militäreskorte, kein Mensch dort, an strategisch wichtigen Positionen standen südkoreanische Soldaten mit einer gesunden "I bring di auf 10 Arten gleichzeitig um wennst deppat herschaust" Austrahlung, auf der anderen Seite der Grenze, die mitten durch das Gebiet verläuft, hat der Nordkoreaner beobachtet, dass ein glatzerter Österreicher ihn fotografiert, manche besonders Glücklichen dürfen den ganzen Tag halb auf ein Haus schauen, damit sie ein kleineres Ziel abgeben, und sowieso, ganz gespenstisch alles.

In einem Gebäude, das von beiden Parteien genutzt wird, für Verhandlungen gemeinsam und für Führungen seperat, und in Anwesenheit von zwei weiteren dieser leblosen koreanischen Kampfmaschinen haben wir dann die Chance gehabt, ein paar Meter weit in nordkoreanisches Gebiet einzudringen; wäre also das auf meiner ToDo-Liste auch erledigt. Auf dem Foto steht der Orge genau auf der Grenze (Mikrofone am Tisch), links ist Süd- und ich bin in Nordkorea.


Dann ist weitergegangen, zu einem Platz, wo die Guten einen Baum stutzen wollten, und dann die Bösen gekommen sind, und weil denen das nicht gefallen hat, haben sie als Gegenleistung ihrerseits zwei Gute mit Äxten umgeschnitten. Die zwei Mörderäxte sind jetzt im Friedensmuseum in Nordkorea zu besichtigen.

Die Guten haben weiters ein recht modernes Besucherzentrum gebaut, das ein bisschen größer war als das der Bösen, also haben die gleich noch ein Stockwerk auf ihres draufgesetzt, damits wieder größer ist. Ähnliches Spiel bei der Flaggenparade: Die Guten haben in der einzigen Stadt, die dort in der Gegend ist, der "Freedom Village", eine Flagge aufgestellt, 100 Meter hoch. Die Bösen in ihrer Stadt, der "Propaganda Village" gleich darauf eine 160 Meter hohe, die Flagge an sich mehr als 30 Meter lang und über 270 Kilo schwer. Ich hab den ganz leisen Verdacht, da will wer was kompensieren.

Zweiter "Höhepunkt" war der dritte Invasionstunnel, den die Bösen so 15 Jahre nach dem Waffenstillstand gebaut haben, falls sie mal Lust auf eine Invasion haben, die haben dann die Wände schwarz angemalt, und gesagt, sie sind auf Kohle gestoßen und haben einfach gegraben.
Den hat man begehen können, dazu erstmal 70-80 Höhenmeter durch den Zugangsschacht hinunter, unten dann in einem Stollen, der ganz eindeutig für eine koreanische Armee gebaut worden ist, und mich das erste Mal in meinem Leben wirklich dazu gebracht hat, Schutzhelme zu schätzen, und der dann geendet hat... naja in einer Betonmauer, die die Guten hingestellt haben, damit die Bösen nicht mehr durchkommen. Und Fotos waren so streng verboten, dass man seine Kamera sogar abgeben hat müssen, man hätt ja die Betonmauer wegfotografieren können. Das war das spannendste was ich in meinem ganzen Leben erlebt hab.


Nach halbwegs gutem Mittagessen und der Besichtigung von anderen Schauplätzen, die wahrscheinlich wichtig sind, wie der Brücke ohne Wiederkehr, ist es dann schlafend wieder zurück nach Seoul gegangen. Und Seoul war dann so toll, dass es sich einen eigenen Eintrag verdient.

Samstag, 20. März 2010

Blitzkrieg

Meine Universität hier ist keine staatliche, sondern gegründet vom örtlichen Stahlkonzern, der die Stadt innerhalb von 50 Jahren ums siebenfache auf eine halbe Million Einwohner vergrößert hat. Grund genug, den internationalen Studenten einmal alle zwei Monate eine Führung durch das neun Quadratkilometer große Gelände anzubieten, um den großen Gönner näher kennenzulernen.

Jetzt weiß ich, was Propaganda ist.


Zuerst hats eine Runde im Museum gegeben, die widerum von einem ca. fünfminutigen Film, ach was sag ich, einem fünfminütigem Meisterstück der Filmkunst eröffnet wurde. Zuerst viel Gegend, dann eine ländliche Schule, wo die hübsche Frau Lehrerin die Kinder mit einer Glocke auf den Unterrichtsbeginn aufmerksam macht, besagte Kinder dann auch lachend und freudenschreiend zur Lehrstätte laufen, um im Oldschool-Klassenzimmer dann der hübschen Lehrerin beim lehren zu lauschen.

Der Vater von einem der Kinder (oder Mann von der Lehrerin, da hat sich der Film die künstlerische Freiheit genommen) steht dann, wie es sich für ein echtes Testosteronschwein gehört, in der Schmiede, und schmiedet ein tolles Werkzeug, vielleicht einen Speer, mit dem er später auf tötliche Jagt geht. Überblendung vom Schmiedefeuer in Ausschnitte aus dem Arbeitsalltag im Stahlwerk, jeder der dort Anwesenden genausoviel Testosteronschwein wie der vorher genannte, und noch dazu ein Nationalheld und sowieso Übermensch.

Dann, auf einmal, fünf dynamische Mitzwanziger trommeln mit irgendwelchen Stöcken auf einem Stahlträger herum. Die zuvor ruhigere Musik wird lauter, epochal, der Sitz unter einem vibriert, als obs das letzte mal wäre. Andere Mitzwanzigerüberall, dynamische Urbane in Seoul, die Haiwaiihemdenasiaten in Taipeh, die Quotenweissen in Pittsburgh; alle Trommeln auf irgendwas herum, immer 5 Leute. Eine Klavierspielerin im Foyer des Stahlwerks, gleich danach hat sich ein Geiger dazugesellt. Am Schluss, ein ganzes Orchester auf einer viel zu grünen Wiese mit Panoramablick auf die gesamte Anlage. Film aus, man lacht einerseits, weil das so unglaublich übertrieben war, aber eben deswegen hats auch Wirkung gehabt. Geld spielt keine Rolle.


Nach kurzem Aufenthalt im Skulpturengang geht die Führung los, die die Geschichte der Firma näherbringen soll. Der obligatorische Raum, der darlegt, dass es tatsächlich auch schon Eisennutzung vor Gründung der Firma gegeben hat; eine riesige Tafel mit Firmenmotto und viel blabla. Und dann geht los. Jeder Schritt, die Firma zu einem großen Konzert zu machen, wurde von zwei Rückschlägen der bösen Ausländer, sei es Japan, die Vereinigten Staaten oder Westdeutschland, begleitet, aber nichts und niemand kann die unbeugsamen Testosteronschweinstahlbaukoreaner aufhalten, ihr Werk aufzuziehen und gegen alle Widerstände, gegen alle Widrigkeiten und gegen alle Kräfte, die gegen sie gearbeitet haben, zu bestehen. Um das zu beschreiben, wurden auch teils unglückliche Ausdrücke gewählt.


Zukunftsausblick. Die Firma ist das beste was der Stadt passieren hätte können, und jetzt wird vor allem auf den Einklang mit der Natur geachtet, was auch mit einem sehr großen Bild einer Blumenwiese noch ganz klar untermauert wird. Wenn man für diese Firma arbeitet, ist man mehr Umweltliebhaber als jeder Greenpeaceaktivist der Welt. Aja, das Werk verbraucht in seiner Gesamtheit 5 Millionen Tonnen Wasser. Pro Tag.

Am Schluss hats dann eine Führung durchs Gelände gegeben, das aber eine Busfahrt war, die nach dem Schema "Links ist eine Wasseraufbereitungsanlage. Links ist Stahlwerk Nummer 1. Rechts ist der Hafen. Links ist Stahlwerk Nummer 2" abgelaufen ist. Dann hamma noch 300 Meter in einem Werk gehen dürfen, wo eben der Stahl verarbeitet worden ist. Leider hat man dort keine Fotos machen dürfen, die folgenden Fotos sind... äh von... woanders, und ich hab sie... aus dem Internet, ja dem Internet.



Am Schluss hat dann noch der "Chef des Werkes" zu uns im Bus gesprochen, wie er jetzt der glücklichste Mensch der Welt ist, weil wir ihn besucht haben, und er wird uns noch weitere Informationen zukommen lassen. Und tatsächlich, der Randombauarbeiter, der zufällig gut Englisch kann und deswegen den blöden Touristen als "Chef" vor die Nase gesetzt wurde, hat uns abends dann noch ein E-Mail geschrieben, dessen ersten Drittel aus Wikipedia-Facts bestanden hat. Den Rest des Platzes hat die Einladung zum englischsprachigen Gottesdienst beansprucht, wo man sich sicher sein kann, lauter nette, herzensgute, weltoffene Leute zu treffen, selbst ein Physikprofessor der Uni geht dort regelmäßig hin, in die wörtlich übersetzt "Freudenkirche". Was braucht man da noch mehr als Argument?

Alles in allem ein schöner Freitagnachmittagsausflug.
...

Sonntag, 14. März 2010

Der Weg zum inneren Frieden - Yin

Im Laufe der Woche hat sich herauskristallisiert, dass die Franzosen dieses Wochenende nach Busan fahren, also hat man sich natürlich gleich eingebaut, vielleicht gibts ja dort ein bisschen mehr Entspannung als auf der Provinzuni.


Reisen hat in Korea hat einen ungeheuren Komfortwert, in den Reisebussen gibt es nur 3 Überkomfortable Sitze pro Reihe, die einen alles um sich herum vergessen lassen und ein wahrliches Reisevergnügen bescheren. Nach einer längeren U-Bahnfahrt haben wir uns dann in unserem Hostel namens Zen-Backpackers niedergelassen. Der Besitzer, ein sehr sehr gemütlicher, sicher keine 30 Jahre alter Alternativkoreaner hat da was eingerichtet, das seinesgleichen Sucht. Nicht mehr als eine größere Wohnung, von der drei Zimmer zu Gästeräumen umgebaut wurden, er selbst lebt im vierten Zimmer, ist dieses Hostel im 15. Stock eines Riesenwohnkomplexes wohl das gemütlichste Schlafplätzchen, dass ich je um 20€ pro Nacht besucht habe. Ein voller Kühlschrank inklusive Selbstbedienungsanweisung, wenn man will eine Playstation, und ein kleiner Balkon mit Aussicht über einen Teil der Stadt.

Freitag war dann von der üblichen touristischen Essens- und Partysuche geprägt, nur der ungefähr halbstündige nächtliche Strandspaziergang begleitet vom Meerrauschen hat das erste Mal ein wirkliches Gefühl von Ruhe vermittelt. Der Samstag verlief größtenteils franzosenlos, gestärkt vom viergängigen Frühstück beim mir immer mehr ans Herz wachsenden Paris Baguette, haben sich der Max und ich aufgemacht, einen Tempel zu finden, der ein bisschen Abseits, und damit ein bisschen weniger touristisch erschlossen ist als andere.

Das hat sich natürlich auch dadurch geäußert, dass wir ihn nicht gefunden haben. Stattdessen haben wir Spaziergänge durch Aussenbezirke der Stadt gemacht, wo in kleinen Häfen alte Frauen am Boden sitzen, und Seetang zum trocknen vorbereiten. War vom Flair irgendwie griechisch Fischerdorf, aber auch nur entfernter, ganz eigen. Dann haben wir eine Art Aussichtsplattform inklusive kleinem Wäldchen erobert, was dann mit einem ungeheuer entspannendem Bankerlsitzen am Meer in der Sonne belohnt wurde. Nie war ich so glücklich, nicht in einer Gruppe unterwegs zu sein.

Dann hat uns der Tempel aber doch so gereizt, das wir uns in ein Taxi gesetzt haben, und durch den von zwei Passantinnen angefertigten Zettel, der sagte, "Wir wollen zum Tempel", auch Schnurstracks dort waren. War natürlich gleich hinter dem Hügel, vor dem wir dachten, dahinter sei sicher nix mehr.


Beim Tempel hats dann die obligatorischen Stände gegeben, die Waffeln und andere tolle Speisen verkauft haben, und dann ist schon die Statuenorgie losgegangn, die 12 Tierkreiszeichen der fernöstlichen Astrologie, ein paar größere, andere Dinge, und natürlich sehr viel Buddha. Das dürft eine wirkliche Pilgerstätte sein, viele Leute haben gebetet, viele kleinere und größere Geldspenden gemacht, die interessanteste Form war ein kleiner Bach, in dem zwei Statuen mit mit Wasser gefüllten Behältnissen standen, und die Leute haben von der Brücke darüber aus versucht, ihre Münzen in die Behältnisse zu werfen. Keine Frage, dass ich da selbst sehr viel Geld (sicher einen Euro, aufgeteilt auf 10 Münzen) gelassen hab.

Aber so der Tempel auf der einen Seite, das Meer auf der anderen, das hat was gehabt. Am Weg nach zurück hab ich der Versuchung der Seidenraupenlarven, gekocht, nicht mehr widerstehen können. Der Weg zum inneren Frieden führt über Leid. Man glaubt nicht, wie eine Speise im Mund mit jedem Bissen mehr werden kann, so als würds dir noch einmal als Rache für das verspeisen wirkliche langanhaltende Erinnerungen an diesen Moment mitgeben. Das war einmalig.

Danach ins örtliche Aquarium gegangen, und wenn das nicht restlos überfüllt gewesen wär, hätte das kontinuirliche Plätschern und die leise Hintergrundmusik, die mehr als entspannend war, mehr als gereicht, um dort einfach auf einer der Sitzmöglichkeiten einzuschlafen. Man findet seinen Frieden.


Nach ein wenig einkaufen und essen sind wir dann ins Hostel zurück, wo ich das Sonderservice des Hauses in Anspruch genommen hab, einmal gratis Fortunetelling, eine gratis Lebensanalyse, computergestützt und berechnet durch meine Geburtsdaten. Der hat mir dann tolle Sachen erzählt über mich, bis auf ein paar wenige, wo er nicht so ganz richtig gelegen ist, war er großteils recht gut, jetzt weiß ich, dass zwei meiner vier spirituellen Symbole feurig sind, dass in meinem Realleben zwei Affen, ein Hund und ein Tiger miteinander kämpfen, und dass es für mein Seelenheil gut wäre, wenn ich in eine Stadt mit großem angrenzenden Gewässer ziehen würd. Und Kreuz- und Nackenschmerzen werd ich haben, wenn ich zwischen 60 und 70 Jahre alt bin. Na bumm.

Um 1 sind wir dann ins Bett, noch getratscht bis irgendwann, was dann auch vom Max quittiert worden ist mit einem "dir geht das schon ab, das vor dem einschlafen mit wem reden". Recht hat er, der Inder ist ja dann doch nicht so die Quasseltante. Geschlafen wie ein Baby, ohne Ohrenstöpsel, das war wie Weihnachten.


Sonntag, der Trip zu der Insel, war auch eine Erfahrung, ein paar Stufen, die sehr dazu animieren, an sich selbst zu denken, und nach dem essen war schon wieder alles vorbei. Schade.
Heimkommen kann so grausam sein.

Overflow - Yang

Im Laufe der Woche hat sich herauskristallisiert, dass die Franzosen dieses Wochenende nach Busan fahren, also hat man sich natürlich gleich eingebaut, vielleicht gibts ja dort mehr Party als auf der Provinzuni.

Die Busreise war toll, hatte aber einen derb herben Beigeschmack, meine liebgewonnene Lederkappe, mit mir auf 3 Kontinenten gewesen, ist irgendwo verschwunden und war nicht mehr aufzufinden. Schade.
Die Stadt ist doch eher groß, man kann vom einen Ende ans andere fahren mit der U-Bahn, zwei Stunden lang. Der erste Hinweis, dass sich die Demographie von Pohang unterscheiden wird, hat die Haltestelle der Nation University Busan gebracht. Offensichtlich keine der technischen Universitäten, war der Frauenanteil der zusteigenden Studentengruppe signifikant höher. Auch das Strassenbild war ein ganz anderes, es gab bettelnde Leute auf der Strasse (2 um genau zu sein, die Stadt gilt sowieso als "gefährlich", einer meiner Laborkollegen hat mir erzählt, dass auf seiner High School doch einmal tatsächlich einmal einer eine blutige Nase in einem unprovoziertem Kampf geholt hat, und noch dazu, ein alter Mann hat uns sogar um eine Zigarette angeschnorrt in der U-Bahn. Brutale Stadt, dieses Busan), auf der Straße sind schon viel mehr Leute unterwegs, es kommt Großstadtfeeling auf, und es gibt viel mehr niedrige Häuser in der Umgebung, und Umgebung ist hier wirklich groß. Niedrige Häuser deswegen, weil das, was für jeden Europäer ganz weit unten auf der Erstrebenswertliste ist, ist da das höchste der Gefühle, der Riesenbau mit 500 Wohnungen. Da wohnt die obere Mittelklasse, davon träumt man hier.
Nachdem im eigenen Hostel eingecheckt wurde, haben wir uns wieder mit der Franzosengang getroffen, die sich in einem gemütlichen Schmuddelmotel mit Spiegel längs neben dem Bett und Pornofilmen in der Kommode unter dem Fernseher eingemietet haben. Dann hats den Kollektivausflug zum Weltgrößten Departement Store gegeben. Das war wie der Kastner in Graz, nur in groß und org, mit eigenem Kino und Entspannungsbereich, ach was sag ich, einem ganzem Spa auf dem Dach. Und über dem Spa is dann noch eine Golf-Driving-Range, falls man mal beim Einkaufen Lust auf ein paar Abschläge hat. Hat aber für mich eine gleich interessante Auswahl gehabt wie genannter Kastner, und so wars eher ein bisschen schaun, und natürlich beschaut werden.


Später sind wir dann in die touristisch sehr erschlossene Gegend der Stadt gegangen, mit Strand und Bars und Hotels und allem möglichem. Unsere zehnköpfige Gruppe, die da die Stadt unsicher gemacht hat, war natürlich nur schwer auf einen Konsens zu bringen bezüglich des Abendmahls, wir haben uns aber dann doch für ein Rohfischrestaurant, betrieben von 40jährigen, alleinstehenden Damen, einigen können. Sogar gefüttert ist man worden.
Abends ist dann so richtig die Post abgegangen. Es hat ziemlich lange gebraucht, bis die zehnköpfige Gruppe, die da die Stadt unsicher gemacht hat, auf einen Konsens zu bringen war, bis wir dann doch die vierte Bar von links betraten, und dort unser eigenes Séparée bekommen haben. Dort dann nach ein wenig Aufwärmphase richtig geglüht, Bier und Nationalgetränk Soju haben dran glauben müssen. Wir haben natürlich nicht mitbekommen, dass wir sicher eine Stunde lang die letzten Gäste im Lokal waren, einer der anfangs vier oder fünf Kellner war noch da, und der hat uns immer fleissig bedient, wenn ihr ihn mittels Funkklingel gerufen haben. "Sperrstunde" als Konzept ist wohl der große Gegenspieler der koreanischen Höflichkeit. Dann haben uns die drei vergebenen Franzosen verlassen, und die restlichen glorreichen haben sich auf die Suche nach einer Tanzbar gemacht, wie man es halt gewohnt ist als Europäer.
Stress Pur. Weil nämlich, ist so, ein Night Club, der ist nicht zum Tanzen da, sondern das ist dieses Aufreisssystem. Und der Music Club, der ist auch nicht zum Tanzen da, sondern ein Ding, wo man in einem abgeschlossenen Raum Karaoke singt. Und natürlich den Women only Club, der, najaehschonwissen. Und von all denen findet man ganz schnell einen. Und vom normalen Club, was dann das ist, was man sucht, nicht. Hat aber auch mehr als eine halbe Stunde gebraucht, bis wir wen Fähigen gefunden haben, der uns dann auch gezeigt hat, wo der wirklich ist.

Na gut, dann waren wir eben dort, und dann ist die Doppelmoral über mich hergefallen.
Natürlich ist es unzulässig, zu generalisieren, aber es haben dort alle Frauen mehr Absatz als Rocklänge gehabt, minimalst bekleidete Damen haben hinter der Bar zur Musik mitgetanzt und das Publikum zum Konsum animiert, es gab sogar ein Podium, wo eine nette Dame gestanden ist, vor einem Zigarettenwerbungpult, und mit den Zigaretten in der Luft herumgewackelt hat, auch als Anreiz zum Rauchen halt. Die Zigaretten haben "Reason" geheissen. Interaktion zwischen Frauen und Männern in dem Club... quasi nicht. Und dann steht man da, horcht den Klängen koreanischer und internationaler Dancehits, und wird von einer optischen Reizlawine überrollt. Wenn man dann heimgeht, ist man traurig, nicht mehr dort zu sein, und unermesslich glücklich, nicht mehr dort zu sein. Kein Wunder, dass die hier alle so viel arbeiten, irgendwo müssen die ihre Energie ja hinstecken. Der nächste Tag wurde mit dem grausamen Prinzip des frühaufstehens begonnen, beim gemeinsamen Frühstück mit den anderen Kriegern der letzten Nacht waren wir die größte Sensation bei den zehnjährigen Mädchen am Nebentisch, die uns immer wieder versicherten, wie hübsch wir doch seien. Der Tag war dann von dem touristischen Highlightsuchen geprägt, das aber getrennt von den Franzosen bewältigt wurde.

Die haben wir aber dann zufällig ganz wo anders wieder getroffen (wie solls auch anders sein in einer knapp 4-Millionen-Stadt), und mit denen gings am Abend dann noch nach Downtown, viel Strassenhandel und Jahrmarktsatmossphäre gabs dort, und auch die Gelegenheit, meine verlorene Kappe durch drei neue zu ersetzen, und natürlich überall, die gleiche Mode wie tags zuvor im Club. Am Abend wollte dann keiner so richtig, so ist es bei einem Bier in einem koreanischen Pub geblieben, Kellnerin hat natürlich wieder auf ein Foto bestanden, die ist wahrscheinlich die Heldin der nächsten Familienfeier, mit so vielen internationalen Freunden.
Sonntags war ein Laborkollege unser Führer, da gings in einen Stadtteil, der auf einer Insel liegt, und in einer recht hohen Klippe endet. Dieser Aussichtspunkt ist dafür bekannt, dass man bei Schönwetter, das uns erfolgreich vermieden hatte, einige japanische Inseln sehen kann, und dass es einer der beliebtesten Selbstmordplätze Koreas ist. Dann noch das gute Essen (Omlette gefüllt mit Reis, also Omurice, begleitet von einem Spiel zweier Shrimps auf einem Wienerschnitzel) im anderen Kastnerderivat, und dann die Heimreise, die dann doch schnell vorbei war, weil eben viel Schlaf die Zeit verkürzt hat. Ausgestiegen in Pohang, die Mode wieder prüder. Endlich kein Overflow mehr. Endlich. Wie schön kann heimkommen sein.

Dienstag, 9. März 2010

Das Verbrechen

Entschuldigung für das Randombild später dann, es war einfach zu viel Text auf einmal.

So gut hat sich der ansässige TaeKwonDo Verein gar nicht verstecken können, als dass ich ihn nicht finde. Also prompt zum ersten Treffen der Treterrunde hingegangen, und wie wars anders zu erwarten, auf einmal waren alle ganz aufgeregt. Diesmal war ich nicht allein, ein weltenbummelnder Franzose namens Ügoo hat sich auch dazugesellt.

Ja der Ügoo, sowieso, der ist ein ganz eigener Typ. So ein Aussteiger aus der pariser Gesellschaft, dem die Engstirnigkeit seiner Landsleute zum Hals rausgehangen ist, und darum mit Sack und Pack durch Nepal, Burma, Vietnam und so gereist ist. Bewundernswert soweit, keine Frage. Der Sunnyboy (charmant, markant aber vertrauenswürdig, gutausssehend) ist nicht einzuschätzen. Hat die Gabe, wirklich sofort mit Einheimischen eines, glaub ich, wirklich jeden Landes, eine Verbindung aufzubauen. Ich weiß aber nicht, ob das ehrlich und natürlich und er einfach ein netter Mensch ist, oder eine durchgezogene Routine, die ihn im Endeffekt nicht vom deutschen Sextouristen in Thailand unterscheidet. Naja, gute Geschichten hat er auf Lager, und für Unterhaltung beim Alkoholkonsum ist es auf jeden Fall genug.
Werd ihn ja nicht heiraten.
Also ich und der Ügoo kommen hin, und dann ist auch schon losgegangen. Die Aufwärm- und Dehnungsübung zu Beginn erinnern frappierend an die in Graz, und das eigentliche Training danach eigentlich auch. Man wird halt, als einer wie ich, als absoluter Anfänger behandelt, und so bin ich eben derzeit dabei, den Sport von Grund auf neu zu erlernen. Dann war auch alles wieder schnell vorbei, und dann ist das Undenkbare passiert: der Regenschirm, den ich eigentlich nur pro forma mitgenomman hab (die Koreaner sind nämlich aus Zucker, die mögen gar nicht, wenn auch nur ein Tröpfchen ihr Haupt trifft, grad dass sie nicht bei Nebel im Ganzkörperplastiksack herumrennen), war weg.
Diebstahl, helle Aufregung. Beschwichtigungen der anwesenden Koreaner, dass das jetzt nicht so sein könne, das wäre nicht richtig. Vom Regenschirmablageplatz, wo zwischenzeitlich sicher 60 Regenschirme wohnen, ist noch nie ein Regenschirm weggekommen. Also gut, ein wenig herumgesucht, und einen sehrsehrsehr ähnlichen gefunden. Der war halt nass, weil es zwischendurch dann doch geregnet hat, und damit sicher nicht meiner. Der Europäer denkt sich, na gut, tauschen wir halt, aber das ist nicht so da. Was, wenn der wem anderen gehört? Wen der den dann vermisst? Was soll sich der denken? Also gut, dann halt ohne Regenschirm nach Hause. 3 Euro, kaltblütig, aber wahrscheinlich versehentlich, entwendet, das merk ich mir.


Heute in der Früh wach ich auf, im Zimmer ist es sehr hell, der Inder dürft seinen Abreisetermin zu einem Seminar verschlafen haben, und nützt die Zeit, um einfach immer weiterzuschlafen. Der schlaft heute schon 11 Stunden, sonst immer nur 5 oder so. Hoffentlich ist er nicht krank. Es schimmert also sehr hell durch den Vorhang, und das kann ja nur heissen, schöner, warmer, sonniger Tag. Vorhang weg, Schnee. 3-5 Zentimeter Schnee, eifrig am schmelzen. Das ist ja wohl die größte Frechheit, da entflieht man der eisigen Alpenrepublik, rennt gleich nach der Ankunft im T-Shirt herum, und zwei Wochen später geht der Frau Holle einer ab. Normalerweise sei das Wetter nicht so, sagen die Koreaner. Hoffentlich hält zumindest der Wetterbericht, was er verspricht, nämlich 15 Grad am Wochenende. Update, während ich das schreibe: mir ist schon aufgefallen, das der Inder einen ungeheuer ruhigen Schlaf hat. Dann dreht er sich einmal her, und ich seh, dass er keinen Schnauzbart mehr hat. Und noch schlimmer, das der Inder gar nicht mein Inder ist, sondern ein anderer. Jetzt is er aufgestanden, hat "Good Morning" gesagt, und ist gegangen, ins Zimmer gegenüber. Bin gerade ziemlich perplex. Tauscht sich da in der Nacht einfach der Inder aus.


Und über die trau ich mich noch nicht drüber, gekauft hab ich sie einmal.


Und das ist Quallensalat.

Sonntag, 7. März 2010

Sozialstudie

Samstag, halb 1 mittags, Pohang. Regen, vielleicht 5 Grad. Zweitagesausflug an den Strand.

Wir Internationalen sind in Legehennenmanier alle in ein einziges Haus sortiert, wobei sich die überraschend zahlreichen (170) Studenten noch in drei Subkulturen aufteilt, die ihrerseits wieder recht gut die Weltbevölkerung widerspiegeln. Zum einen sind da die Chinesen, die sich aus unerfindlichen Gründen gleich überhaupt nicht mit der koreanischen Küche anfreunden können und bei meinem Teewasserholen immer für ungeahnte Geruchssenationen sorgen, als zweite Hauptgruppe treten die Inder auf, die ja... ach was soll ich denn zu den Indern noch sagen. Die dritte Gruppe sind einfach der Rest der Welt, wobei der amerikanische Kontinent mit einem Stereotyp-U.S.-Mittsüdoststaatler weit unter-, und die Franzosen mit 11 Vertretern vielzuvielzuvielzu stark überrepräsentieren. Dazu kommt eine Reihe an Einheimischen, die sich durch einen Aufnahmetest für das Haus qualifizieren müssen, dann ein Semester auf Probe sind, und noch dazu wöchentlich bei mehreren Gruppenaktivitäten teilnehmen müssen, sonst fliegt man. Die haben noch dazu ein Strafpunktesystem, wenn zum Beispiel am Gang koreanisch gesprochen wird, gibts gleich mal eine auf den Deckel. Und ein Auszug dieser illustren Runde, der sich aus ungefähr 35 Personen der RestderWeltgruppe zusammensetzte, hat sich eben gestern zur genannten Zeit und genannten Wetterbedingungen eingefunden.



Nach einer nicht weiter nennenswerten Busreise, die ungefähr 35 Kilometer in eineinhalb Stunden umfasste (Mörderpreis 1,20€), gabs in so einer Art Ferienwohnungsanlage einmal eine gute Suppe, und dann wurde kurz erklärt, was zu passieren hatte, nämlich sich zu sozialisieren unter Alkoholeinfluss, wurde dann einmal auf dem beheizten Parkettfußboden Platzgenommen und ein, für internationale Verhältnisse doch eher durschnittliches, Bier zu sich genommen.
Da das sich das ganze zwischen 15 und 16 Uhr abgespielt hat, und irgendwer dann den Geistesblitz hatte, dass sich das bei diesem Trinktempo wohl bereits am frühen Abend zu einem fröhlichen Alkoholleichenstapeln entwickelt hätte, war dann allgemeiner Strandspaziergang angesagt. Zusätzlich zum eh schon widerlichen Regen hat sich noch ein Lüfterl dazu gesellt, das jedes Windkraftwerkrad dazu gebracht hätte, drei mittlere Städte zu mir frischestem Ökostrom versorgen. Dieses Gesamtbild an Witterung hat dann zu einem sehr eigenartigen Stranderlebnis geführt; man ist halt 10 Minuten hingegangen, hat sich dann am Strand erfreut, dass seine Schuhe nun auch einmal von Quasipazifikwasser befeuchtet worden sind, und ist dann wieder 10 Minuten zurückgegangen. Ein paar Verrückte sind dann auch noch ins Wasser gesprungen, aber da war ich schon wieder am warmen Fußboden. Zum Abendessen hat sich dann neben ein paar anderen Gerichten wieder eine Suppe angeboten, und dann ist auch schon das kollektive Wegsprengen losgegangen.





Jedes Spiel, das in kleineren oder größeren Runden gespielt wurde, war zwangsläufig mit Schnapskonsum verbunden, was zu breakdancenden Koreanern, taumelten Hausleitungsmitgliedern und einem schreienden Libanesen geführt hat. Derartige Veranstaltungen auf Universitätsniveau haben natürlich auch immer Fleischmarktcharakter... dachte ich. Was in der westlichen Welt unweigerlich zu verschiedensten Ausdrucksweisen der Romantik geführt hätte, war hier... naja nix. Die drei europäischen Damen sind zu 66% vergeben und zu 33% Ausgeburten der Introvertiertheit, die sind für die geschätzten 25 männlichen Teilnehmer dann schon mal weggefallen. Die restlichen, ausschließlich einheimischen (die eine Taiwanesin, die im Herzen genauso Koreanerin ist, zählt nicht), Damen haben ein eher anderes Verständnis von Privatleben .



Die hohe Eheschließungszahl ist nicht auf die ausggeprägten familiären Werte sondern auf die erzkonservativ-christliche Auffassung der Intimität zurückzuführen. Körperkontakt gebe es zum Beispiel sowieso erst nach etwa 3 Monaten. Die Franzosen sind damit natürlich überhaupt nicht d'accord gegangen, und versuchten, mit mehr Alkohol, langen Gesprächen, Tanzmoves, und natürlich mehr Alkohol das Glück auf ihre Seite zu ziehen. Und tatsächlich, eine der Damen, die mit den tollen Socken, ist gefallen, zu viel Schnaps im Kopf, vielleicht war auch schon eine Müdigkeit dabei, um 5 in der Früh; die hat doch wirklich für ungefähr 15 Minuten ein kleines bisschen die Hand eines Franzosen gehalten. Skandal schon fast.




Mit ungeheurem taktischem Geschick hab ich mir den Schlafplatz auf der Couch ergattert, die aber auch nicht viel besser war als das traditionelle koreanische Bett, der Boden.
Nach 3 Stunden Halbschlaf hats dann zum Frühstück, no na, einmal wieder so a geschmacklose Suppe gegeben, dann wurde eine Stunde geputzt, und dann wieder ewiglange Busfahrt zur Uni. Der Bus voller alkoholdampfender Europäer war wohl Albtraum jedes weiteren Benützers der öffentlichen Verkehrsmittel.


12.30, Sonntag, kein Regen, kein Wind, ein bisschen wärmer als am Vortag. Der beste, wichtigste und geschmackvollste Whopper mit Speck und Käse meines Lebens.

Freitag, 5. März 2010

Blubb Blubb toter Fisch :O

Also dann, Routine.
Mit Dienstag nachmittag ist es dann bei den Vorlesungen losgegangen, die erste gleich bei dem mich betreuendem Professor, der spricht ein so schönes amerikanische Englisch, ich war da ja gleich der glücklichste Mensch im Raum, weil je englischer das English, desto weniger scheinens die koreanischen Mitstudenten zu mögen, die bevorzugen eher ihr "Konglish" (so nennens sie selbst), das Englisch mit koreanischer Aussprache. Hört sich schon lustig an, ist aber vom Informationsgehalt vernachlässigbar.
Das war auch der Grund, jetzt doch einen Kurs zu wechseln, weil in der einen, der Orgen, hat mir der alteingesessene Professor doch durch die Blume zu verstehen gegeben, dass ich eigentlich gar nicht sooo erwünscht bin, und nur wegen mir Englisch reden findet er auch überhaupt nicht toll. Eine Stunde Konglish später war dann alles geklärt, und ich hoff, die anderen Vorlesung werden nicht so eine linguistische Vergewaltigung.
Der Rest, was passiert ist, war Gastronomie.
Nachdem wir unsere Ausweise (liebevoll Alien-Registration-Card) und damit auch unsere Pässe wieder in diesem schnuckeligen Amt besorgt haben, haben wir uns noch den örtlichen Fischmarkt vorgenommen. Der ist dann nicht örtlich gewesen, eher städtisch, fast schon national. So viel Fisch auf einem Fleck, und dazu noch Spezialitäten aller Art, von Aal bis Zündholzschachtel gibts da alles. Die eine Stunde, die dafür eingeplant war, war viel zu schnell vorbei, durch verschiedene Reisbäckereien haben wir uns durchgekostet, und das übliche freakige Essen des Tages hab ich natürlich auch gekauft.
Am Abend waren wir dann chinesisch essen, was aber gar nicht chinesisch war, sondern koreanisches chinesisch, und das ist ganz ganz anders als echtes chinesisch. Aber, Seegurke ist gut. Morgen gehts bei Regen und einstelligen Temperaturen an den Strand für 24 Stunden, das wird lustig.

Eigentlich wars das schon, aber weil das so kurz und unlustig war, noch zwei Geschichten aus dem Alltag.
Wenn man ein sich ein Auto leihen will, geht man zum Autoverleih. Dass sich der hinter dem doch internationalen "Oto Lendekka" (ausprechen und erraten, was gemeint is, englisch denken) verbirgt, fordert die Sudokuzellen. Weiters, Dialog im Bus, nachdem ich mit meinem doch unwiderstehlichen Scharm zwei 18jährige dazu gebracht habe, uns anzusprechen: "Where you from?" "Austria, not Hodschu (heisst "nicht Australien")". Zeigt auf sich und ihre Freundin: "Wimin Soka". Na das war mal ein Dialog, danke für die Info.

Es gibt keine Clubs in Pohang. Also nix Party, Hip Hop, Disco, nix, auch da, Zucht und Ordnung. Nur an gewissen Anwesen gibts ein bisschen ein Unwesen: Nacht Clubs. Und Nachtclubs funktionieren so:
Man geht als Mann in den Nachtclub, zahlt vielleicht ein bisschen Eintritt. Man geht als Frau in den Nachtclub, zahlt keinen Eintritt. Man geht als Mann zur Bar, bestellt ein Getränk... und eine Frau dazu. Man bekommt vom Kellner das Getränk, und er holt eine Frau, die da ist, stellt sie neben dir hin, und dann redet man. So lernt man in Korea neue, fremde Leute kennen, vielleicht den Partner fürs Leben.

GEILSTES. VOLK. EVER.

Montag, 1. März 2010

Das Dasein als Attraktion

Also ist die erste gute Woche vorbei, der Schlag, den mir der Kulturschock ins Gesicht hab, ist verdaut, und jetzt fängt also das richtige Leben an. Man sollte zwar immer erst am Schluss zusammenfassen, aber trotzdem, ein kleines Resümee der ersten Woche muss ich fast hineinhämmern. Bilder sind heute aus dem Kontext, darum v.o.n.u.:
Suri, die im Herbst nach Graz kommt, Chemieingenieurwesen; traditionelles koreanisches Gebäck; koreanischer Beachcowboy vor Passagierhafen; Pohang Leuchtturm vor der Pohang Bucht vor der Pohang Stahlfabrik.

Erkenntnis Nummer 1.

Koreaner schauen nicht alle gleich aus. Eine der größten Sorgen, die ich hatte, war, dass ich ganz viele Leute kennenlernen werde, und beim nächsten Mal wenn ich sie treffe, wiederkennenlernen werde, und dann beim nächsten Mal... eh schon wissen. Ich hab bereits Koreaner in freier Wildbahn, ausserhalb ihres natürlichen Kontexts gesehen, und wiedererkannt, und gegrüßt. Mir waren Haare als Identifikationsfaktor immer wichtig, das funktioniert halt nicht so, aber die haben auch Gesichter, das tuts auch.


Erkenntnis Nummer 2.

Man fällt auf. Wenn man als Europäer sowieso, und als halbwegs großer, gestandener Europäer im speziellen, auf der Strasse geht, wird man angestarrt. Jetzt nicht von jedem, sondern nur von Leuten, dies nicht besser wissen, bzw. glauben, man erwischt sie nicht beim starren. Kleine Kinder auf eine ganz neugierige Art, die machen Augen, als kommt da jetzt der Weihnachtsmann mit Osterhasenohren;
pubertierende Jungen, die dann mal ein kurzes Hello! herüberwerfen, natürlich eine geschmeidiges Hi! zurückbekommen, und die dann natürlich die Helden der Nation sind, weil sie sich getraut haben, die Fremden anzusprechen, und noch dazu so erfolgreich, dass es eine Antwort ausgelöst hat;
und natürlich die, sagen wir mal als Altersgruppe "Maturantinnen", die im ersten Stock im KaffeeTeehaus sitzen, und durch das große Fenster die Leute beobachten, und von deren Blick man derartig verfolgt wird, als dass das schon gegen das Stalkinggesetz verstoßen würd.


Erkenntnis Nummer 3.

Man hat Haare. Immer. Ausnahmlos. Und wenn nicht, na dann hui. Man wird von Taxifahrern, und weiteren Random People darauf angesprochen, sei es auch nur mit der Geste, über das eigene Haupt zu streichen und dann auf meines zu zeigen. Das ganze geht so weit, dass es in Supermärkten kaum Duschgel zum kaufen gibt, nur hunderte verschiedene Shampoos, was meine Begeisterungsstürme dann doch in Grenzen gehalten hat. Auf jeden Fall tragen keine Haare sehr zu Nummer 2 bei.

Erkenntnis Nummer 4.

Man mag sich selbst. Und man mag Korea, und was das wichtigste ist man mag die Uni. Wenn man auf der Strasse sagt, man geht auf diese Uni da, dann ist man sowieso gleich gottgleich, ich glaub die wollen da wirklich alle drauf. Erst heute zum Beispiel, da war quasi der Ganze Jahrgang der Erstsemestrigen (und die paar Internationalen halt) versammelt, und alle (ausser die Internationalen halt) haben eine Schwarze Kutte mit POSTECH Logo getragen, und die Fakultätsleiter auch in Robe, die natürlich bunt und gepimpt bis zum gehtnichtmehr, inklusive dem lustigen Akademikerhut.
Das ganze hat Flair gehabt, irgendwo zwischen Harry Potter, Start des Zaubererjahres und Sektenmeeting. Und zu Beginn kommt der Dirigent auf die Bühne, und alle stehen auf, und unter dem mahnendem Schwingen des Dirigentenstocks singt die wissenshungrige Meute die koreanische Nationalhymne, Hand aufs Herz, eh klar. Dann Rede vom Presidenten der Uni, gefolgt vom Schwur aller Studenten, dass sie wohl brave Studenten sein werden, und dann Stargast, der President von LG Electronics (danke für meinen tollen PC Monitor). Der hat dann erzählt, wie er als Kind Radios gebaut hat und dass seine Frau ihn mit einem Radiostationsset inklusive Großantenne begraben will. Und sein Scherz: Glücklich sein. Glücklich sein bedeutet, genau das zu tun, was man tun möchte. Oder wenn eine Million Menschen das verwendet, was du erfunden hast.
Dann war noch das Indoorfeuerwerk zur Eröffnung des bilingualen Campus, und jetzt müssen alle Englisch sprechen so quasi, also zweite offizielle Sprache. Und die haben große Ambitionen, wirklich eine der besten Unis der Welt zu werden, einerseits mit der zweisprachigkeit, andererseits kauft man einen Nobelpreisträger nach dem anderen, damit wohl auch ein bisschen was weitergeht. Das Nationale Fernsehen war auch da, also wird der Stefan heute Abend wohl über den ein oder anderen koreanischen Bildschirm huschen, weil man ja Internationalität auch zeigen will (Erkenntnis Nummer 2 und 3). Und eine japanische Doku wird auch gemacht, also klass ins japanische Universum kommt man auch noch "Die Fremden an der TopUni, ein Studie." Supi.
Dann hats ein Buffet für die Internationalen gegeben, das hat alle Stückerl gespielt, da hats wirklich alles gegeben. ALLES.

Erkenntnis Nummer 5.

Schnecken schmecken nicht so schlecht wenn man nicht daran denkt, dass sie Schnecken sind.