Samstag, 27. Februar 2010

Das indische Partyleben

Unser Ausflug in die demilitarisierte Zone ist leider ins Wasser gefallen, da muss man sich doch ein bis zwei Wochen voranmelden und Hotel buchen. Und nach dem Besuch beim Ausländerregistrierungsamt, das sich wünschte, es wär so groß wie meine Wohnung, haben wir jetzt auch ungefähr eine Woche keine Pässe, weil muss ja alles geprüft werden und seine Ordnung haben, heisst, Trips raus aus der Stadt werden eher auf kommende Wochen verschoben.

Freitags das erste mal sowas wie "fort" gewesen, das war ein recht liebes Lokal, ein großes Holzhaus, das akzeptables Bier ausschenkt (heisst es reiht sich zwischen österreichischem Göttertrank und amerikanischen Abflusswasser ein). Ja, am Foto sitzt eine mit Bärenkostüm, die im Pokemonoutfit hab ich leider nicht draufbekommen. Toast zum nebenbeiessen gibts nicht, sondern Tintenfisch, halbgetrocknet, sehr lecker.


Dann noch im Heim ein bisschen die vierzehnte Wiederholung des Laufs von der KIMinator angeschaut.
Samstag, heute, war der eher zache Tag, lang geschlafen, im Paris Baguette gefrühstückt, und das sehr gut, und nachmittag gelesen, gedöst, geschlafen, gemusikhört.


Dann sind wir in die Stadt gefahren, was essen beim Japaner, war ganz schnuckelig, und dann sofort wieder heimgebraust mit dem Taxi, da muss alles sehr zügig gehen, was die Gäste des Landes wohl sehr flott in sich aufnehmen. Und dann kommt man heim vom essen, so gegen halb 8 abends, und ja, finster ists, die Vorhänge zu, und der Inder versucht krampfhaft, schlafend mir Walen zu kommunizieren.

Flucht nach vorne, in die Stadt. Dort nach dem üblichen Spaziergangerl eine ganz nette, englische Bar gefunden, inklusiver recht lieber Kellnerin.

Publikum, interessant. Irgendwo dürft ein Schiff der US Marine in der Gegend sein, und irgendwie dürften die Soldaten des Glücks auf diese Bar schon vor längerer Zeit aufmerksam geworden sein. Heisst, das männliche Publikum: Max und ich, und ein Haufen durchtrainierter, glatzköpfiger Amis, auf Pirsch. Die dann natürlich wieder ein Magnet für die amerikanischen Damen in der Stadt sind. Waren Englishlehrerinnen, deren herausragendestes Attraktivitätsmerkmal als Frau war eben der Fakt, dass sie auf dem Papier Frau sind, was widerum mehr als genug ist für den amerikanschen Marinesoldaten, der Frau in den letzten 6 Monaten nur auf dem Papier kennt. Die Frauen auf Pirsch.

Zwischen den Fronten, wir.

So schnell wie wir da raus waren, kann das Grenzgebiet, wenn wir dann wirklich dort sind, gar nicht mehr so schlimm sein...

Und wieder daheim, der Inder weg. Da soll sich noch einer auskennen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Kür der Damen

Kür der Damen.
Weil man ja nicht ins Ausland geht, um in seinem Heim vor Facebook zu sitzen, geh ich auf die Uni in mein Büro, um dort vor Facebook zu sitzen. Plötzlich springen alle auf, und sagen, es ist Zeit. Hab ich mir gedacht, gut, ist es halt Zeit, springen wir mit auf und tun so als wär alles klar. Also ins Erdgeschoss runter, wo schon eine kleine Menschentraube vor dem Foyerfernseher (42") kuschelt, und gespannt das Treiben am Bildschirm verfolgt. Eiskunstlauf, eh klar.
Der koreanische Superstar, die halt da sowas wie der Werbeträger für die Raiffeisenbank ist, und sicher auch KIMinator heisst, war dran, Kür der Damen (so genau weiß ich's nicht). Zuerst die Japanerin, hat vorgelegt, da ist ein kleines Raunen durch die Menge gegangen.

Dann die Frau Kim. Hat natürlich das beste gezeigt, was jemals im Eiskunstsport zu sehen war, und alle waren so aufgeregt, sogar mich habens dann schon angesteckt. Szenenapplaus bei allem was richtig gemacht war, dreht sich im Kreis wie die Wilde, die Frau Kim. Den alten Weltrekord mit over 9000 Punkten pulverisiert.

Dann die Chinesin, die Erzrivailin, die größte Konkurrenz. 80% der Weltbevölkerung erwarten von ihr die Goldmedaille. Szenenapplaus beim ersten Fehler, Jubel beim zweiten. Das sei die koreanische Mentalität, sagt man mir. Keine Chance mehr auf den Sieg. Gold für Korea. Jetzt kann wieder beruhigt der Arbeit (Facebook) nachgegangen werden.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Der stöhnende Inder

Jaja, die Eingewöhnungsphase, immer wieder aufs neue fordernd, aufregend und überraschend. Abenteuer Numero Uno: Supermarkt. Dem Taxifahrer wurde mittels vorgefertigtem Kärtchen beigebracht, dass wir zum örtlihen mehrstöckigen Supermark wollen, dessen Produktpalette teilweise amerikanisch und teilweise wirklich freakig angemutet war. Um die parfümierten Erdbeeren wurde natürlich ein großer Bogen gemacht, aber von der Riesenmuschel über kiloweise Cashewnüsse zu Ostblockpreisen bis zu Babyschwein (oder Hund, das war nicht so genau herauszufinden) in Scheiben geschnitten gibts da alles. Da gibts tolle Jobs: da steht eine, zum Beispiel vor dem Head&Shoulders Regal, und sagt jedem der vorbeigeht, er soll Head&Shoulders kaufen. Nimmst es dann in die Hand, freut sie sich wie über einen großen Lolli und bedankt sich als hättest ihr das Leben gerettet. Arbeitsplatzprobleme? Nicht hier.
Spezialität am Knabbergebäckmarkt: getrocknete Shrimps. Gibt's in allen Größen, die kleinsten kann man glaub ich als Gewürz verwenden.


Auf der Uni gibts immer Essen nach folgendem Schema, dabei kann man sich aussuchen ob man das Standardmenü um gut n'eurofuchzig oder das Deluxeprogramm um knappe 3 Euro aussuchen. Ist im großen und ganzen Recht gut, aber wenn man nur das isst, kann leicht sein, dass man entweder eine Reisallergie entwickelt, oder, was vielleicht noch schlimmer ist, bereits auf Amazon nach Reiskocherangeboten sucht, hab mir mal sicherheitshalber mein eigenes Reisessset gekauft. Das Standardgemüse dazu ist so eine Art Kraut, scharf abgemacht. Schmeckt mit jedem mal besser.


Der obligatorische Unispaziergang war doch beieindruckend, vom einen Ende des Campus bis zum anderen braucht man schon eine gute halbe Stunde. Es gibt eine eigene UniBank, wo wir unsere Wohngebühren eingezahlt haben, da darf man eine Nummer ziehen, und es sind glaub ich eigene Leute dafür angstellt, die Warteschlange zu blockieren, weil unter einer halben Stunde Wartezeit gehts zu keiner Tageszeit. Dann haben wir noch die Büste eines berühmten amerikanischen Wissenschafters gesehen. Und nächste Woche müssen wir Fiebermessen gehen, um zu beweisen, dass wir keine Schweinegrippe haben. Ich wünschte, das wär mal ein Scherz.


Zur Wohnsituation: Es gibt ein eigenes Haus für die internationalen, wo auch einige Koreaner wohnen, die dafür aber einen eigenen Aufnahmetest machen müssen. Und die Damen sind im 4. Stock, haben eine eigene Zugangsstiege und brauchen eine eigene Chipkarte. ZUCHT UND ORDNUNG. Werden sehr sehr ruhige Monate werden...
Derzeit wohn ich noch mit dem indischen Kollegen zusammen, der nett, aber sehr indisch ist, und wirklich alle meiner Sinne beweisen mir das auch täglich . Der war erst vor kurzem in der Heimat und hat geheiratet. Träumt wohl nachts davon, müssen aber der Lautstärke nach wirklich wirklich tolle Träume sein. In 5 Wochen dann kommt der Wechsel zu Max, dem anderen Österreicher, mit dem ich eigentlich die meisten Sachen unternehme. Auf das freu ich mich schon.

Sehr toll war natürlich auch der Moment, als wir in der Kantine waren, und am örtlichen Großbildfernseher (es gibt überall einen örtlichen Großbildfernseher) der koreanische Eiskunstlaufstar bei Olympia zu sehen war. So ruhig wars da noch nicht, da hätte hinter denen die Welt untergehen können, hätt die Herrschaften nicht im geringsten gestört. Und dann hat sie auch noch den Weltrekord gerissen. Da waren dann alle sehr aufgeregt, der dazugehörende Applaus hätt aber auch niemanden erschrecken können, jede Stammtischrunde um einiges lauter. Sind wirklich ein dezentes Völklein.


Nächste Woche gehts dann mit den Vorlesungen los, Freitags zum Immigrationsamt, und am Wochende vielleicht noch nach Seoul und in die entmilitarisierte Zone darüber. Hui.

Aja und es is soooo kalt, gottseidank hab ich meine ganzen Wintersachen mit.

Montag, 22. Februar 2010

Die Reise



Das ganze da, von Anfang bis zum Ende, hat irrsinnige parallelen mit einer U-Bahnfahrt nach spanish-harlem gehabt, je weiter man kommt, desto größer ist die Umverlagerung der Völkermischung, und am Schluss ist man allein.

Der Abschied in Graz war toll und emotional, ist aber erst so richtig klar geworden wies mich das erste mal in den Sitz gedrückt hat. Umsteigen und so ist alles gut gelaufen, leider wurden meine Wünsche nach einer netten Koreanerin als Sitznachbarin nur insoweit erfüllt, als dass sie in der Gestalt eines 1,90 großen, whiskyundweintrinkenden Tschechen aufgetreten ist, ja der war kuschelig.




Zum essen hats koreanisches gegeben, war halt mehr im KnorrFix-Stil, aber das Gemüse scharf dass ein viertel reicht. Highlight war natürlich das koreanische Getränk in der gelben Dose, das natürlich gleich probiert wurde. Hat sich als süsser Reissaft herausgestellt, war, naja net schlecht, aber halt doch interessant.

Der Flughafen in Seoul ist eine der, wie soll mas am treffendsten sagen, "geilsten" triffts glaub ich gut, also, der Flughafen ist eine der geilsten Sachen die ich jemals gesehen hab, die Terminals sind mit unterirdischen Monorails verbunden, die durch ewig lange Tunnel durchflitzen.




Der Flughafen an sich hat sich durch extravagantes Toiletten- und Ankunftshallendesign ausgezeichnet, die ersten 50 Euro waren schnell gewechselt. Und der nächste Hightechzug zum anderen Flughafen, der dann eher wieder Standard war, schnell benutzt. Lustig waren dann die Sicherheitsbeamten dort, denen du zwar literweise Wasser durch die Sicherheitskontrolle durchbringen kannst, aber dafür im Gegenzug von dir verlangen, deinen gesamten Koffer nach einem Feuerzeug zu durchsuchen. Ja, weil 2 sind eines zu viel. Das war lustig.



Dann halt von einem werdendem Doktor der Chemie, der vom Aussehen her weder Bier beim Spar noch ohne Begleitung Radfahren dürfte, abgeholt worden, der dürft aber auch erst vor kurzem erfahren haben, dass er das machen darf. Mit dem Zimmer hats nur mittelschwere Probleme gegeben, aus meinem is der, der vorhin drin war, noch immer drin, und jetzt wohn ich halt beim Inder. Echt, das is schlimmer als 3 Folgen Big Bang Theory, nie mehr möcht ich als geek dargestellt werden... da sieht man leut. Die Zimmer haben Zahlencodeschlösser wie im Bondfilm. Ich darf nie betrunken sein. NIE.

Im großen und ganzen, ich bin gut angekommen, mir gehts gut, morgen hat sich alles in wohlgefallen aufgelöst, wie wer gescheiter einmal gesagt hat, und sowieso ist alles gut.
YEAH.

und und und.

ICH BIN DER GRÖSSTE.