Sonntag, 14. März 2010

Overflow - Yang

Im Laufe der Woche hat sich herauskristallisiert, dass die Franzosen dieses Wochenende nach Busan fahren, also hat man sich natürlich gleich eingebaut, vielleicht gibts ja dort mehr Party als auf der Provinzuni.

Die Busreise war toll, hatte aber einen derb herben Beigeschmack, meine liebgewonnene Lederkappe, mit mir auf 3 Kontinenten gewesen, ist irgendwo verschwunden und war nicht mehr aufzufinden. Schade.
Die Stadt ist doch eher groß, man kann vom einen Ende ans andere fahren mit der U-Bahn, zwei Stunden lang. Der erste Hinweis, dass sich die Demographie von Pohang unterscheiden wird, hat die Haltestelle der Nation University Busan gebracht. Offensichtlich keine der technischen Universitäten, war der Frauenanteil der zusteigenden Studentengruppe signifikant höher. Auch das Strassenbild war ein ganz anderes, es gab bettelnde Leute auf der Strasse (2 um genau zu sein, die Stadt gilt sowieso als "gefährlich", einer meiner Laborkollegen hat mir erzählt, dass auf seiner High School doch einmal tatsächlich einmal einer eine blutige Nase in einem unprovoziertem Kampf geholt hat, und noch dazu, ein alter Mann hat uns sogar um eine Zigarette angeschnorrt in der U-Bahn. Brutale Stadt, dieses Busan), auf der Straße sind schon viel mehr Leute unterwegs, es kommt Großstadtfeeling auf, und es gibt viel mehr niedrige Häuser in der Umgebung, und Umgebung ist hier wirklich groß. Niedrige Häuser deswegen, weil das, was für jeden Europäer ganz weit unten auf der Erstrebenswertliste ist, ist da das höchste der Gefühle, der Riesenbau mit 500 Wohnungen. Da wohnt die obere Mittelklasse, davon träumt man hier.
Nachdem im eigenen Hostel eingecheckt wurde, haben wir uns wieder mit der Franzosengang getroffen, die sich in einem gemütlichen Schmuddelmotel mit Spiegel längs neben dem Bett und Pornofilmen in der Kommode unter dem Fernseher eingemietet haben. Dann hats den Kollektivausflug zum Weltgrößten Departement Store gegeben. Das war wie der Kastner in Graz, nur in groß und org, mit eigenem Kino und Entspannungsbereich, ach was sag ich, einem ganzem Spa auf dem Dach. Und über dem Spa is dann noch eine Golf-Driving-Range, falls man mal beim Einkaufen Lust auf ein paar Abschläge hat. Hat aber für mich eine gleich interessante Auswahl gehabt wie genannter Kastner, und so wars eher ein bisschen schaun, und natürlich beschaut werden.


Später sind wir dann in die touristisch sehr erschlossene Gegend der Stadt gegangen, mit Strand und Bars und Hotels und allem möglichem. Unsere zehnköpfige Gruppe, die da die Stadt unsicher gemacht hat, war natürlich nur schwer auf einen Konsens zu bringen bezüglich des Abendmahls, wir haben uns aber dann doch für ein Rohfischrestaurant, betrieben von 40jährigen, alleinstehenden Damen, einigen können. Sogar gefüttert ist man worden.
Abends ist dann so richtig die Post abgegangen. Es hat ziemlich lange gebraucht, bis die zehnköpfige Gruppe, die da die Stadt unsicher gemacht hat, auf einen Konsens zu bringen war, bis wir dann doch die vierte Bar von links betraten, und dort unser eigenes Séparée bekommen haben. Dort dann nach ein wenig Aufwärmphase richtig geglüht, Bier und Nationalgetränk Soju haben dran glauben müssen. Wir haben natürlich nicht mitbekommen, dass wir sicher eine Stunde lang die letzten Gäste im Lokal waren, einer der anfangs vier oder fünf Kellner war noch da, und der hat uns immer fleissig bedient, wenn ihr ihn mittels Funkklingel gerufen haben. "Sperrstunde" als Konzept ist wohl der große Gegenspieler der koreanischen Höflichkeit. Dann haben uns die drei vergebenen Franzosen verlassen, und die restlichen glorreichen haben sich auf die Suche nach einer Tanzbar gemacht, wie man es halt gewohnt ist als Europäer.
Stress Pur. Weil nämlich, ist so, ein Night Club, der ist nicht zum Tanzen da, sondern das ist dieses Aufreisssystem. Und der Music Club, der ist auch nicht zum Tanzen da, sondern ein Ding, wo man in einem abgeschlossenen Raum Karaoke singt. Und natürlich den Women only Club, der, najaehschonwissen. Und von all denen findet man ganz schnell einen. Und vom normalen Club, was dann das ist, was man sucht, nicht. Hat aber auch mehr als eine halbe Stunde gebraucht, bis wir wen Fähigen gefunden haben, der uns dann auch gezeigt hat, wo der wirklich ist.

Na gut, dann waren wir eben dort, und dann ist die Doppelmoral über mich hergefallen.
Natürlich ist es unzulässig, zu generalisieren, aber es haben dort alle Frauen mehr Absatz als Rocklänge gehabt, minimalst bekleidete Damen haben hinter der Bar zur Musik mitgetanzt und das Publikum zum Konsum animiert, es gab sogar ein Podium, wo eine nette Dame gestanden ist, vor einem Zigarettenwerbungpult, und mit den Zigaretten in der Luft herumgewackelt hat, auch als Anreiz zum Rauchen halt. Die Zigaretten haben "Reason" geheissen. Interaktion zwischen Frauen und Männern in dem Club... quasi nicht. Und dann steht man da, horcht den Klängen koreanischer und internationaler Dancehits, und wird von einer optischen Reizlawine überrollt. Wenn man dann heimgeht, ist man traurig, nicht mehr dort zu sein, und unermesslich glücklich, nicht mehr dort zu sein. Kein Wunder, dass die hier alle so viel arbeiten, irgendwo müssen die ihre Energie ja hinstecken. Der nächste Tag wurde mit dem grausamen Prinzip des frühaufstehens begonnen, beim gemeinsamen Frühstück mit den anderen Kriegern der letzten Nacht waren wir die größte Sensation bei den zehnjährigen Mädchen am Nebentisch, die uns immer wieder versicherten, wie hübsch wir doch seien. Der Tag war dann von dem touristischen Highlightsuchen geprägt, das aber getrennt von den Franzosen bewältigt wurde.

Die haben wir aber dann zufällig ganz wo anders wieder getroffen (wie solls auch anders sein in einer knapp 4-Millionen-Stadt), und mit denen gings am Abend dann noch nach Downtown, viel Strassenhandel und Jahrmarktsatmossphäre gabs dort, und auch die Gelegenheit, meine verlorene Kappe durch drei neue zu ersetzen, und natürlich überall, die gleiche Mode wie tags zuvor im Club. Am Abend wollte dann keiner so richtig, so ist es bei einem Bier in einem koreanischen Pub geblieben, Kellnerin hat natürlich wieder auf ein Foto bestanden, die ist wahrscheinlich die Heldin der nächsten Familienfeier, mit so vielen internationalen Freunden.
Sonntags war ein Laborkollege unser Führer, da gings in einen Stadtteil, der auf einer Insel liegt, und in einer recht hohen Klippe endet. Dieser Aussichtspunkt ist dafür bekannt, dass man bei Schönwetter, das uns erfolgreich vermieden hatte, einige japanische Inseln sehen kann, und dass es einer der beliebtesten Selbstmordplätze Koreas ist. Dann noch das gute Essen (Omlette gefüllt mit Reis, also Omurice, begleitet von einem Spiel zweier Shrimps auf einem Wienerschnitzel) im anderen Kastnerderivat, und dann die Heimreise, die dann doch schnell vorbei war, weil eben viel Schlaf die Zeit verkürzt hat. Ausgestiegen in Pohang, die Mode wieder prüder. Endlich kein Overflow mehr. Endlich. Wie schön kann heimkommen sein.

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