So gut hat sich der ansässige TaeKwonDo Verein gar nicht verstecken können, als dass ich ihn nicht finde. Also prompt zum ersten Treffen der Treterrunde hingegangen, und wie wars anders zu erwarten, auf einmal waren alle ganz aufgeregt. Diesmal war ich nicht allein, ein weltenbummelnder Franzose namens Ügoo hat sich auch dazugesellt.
Ja der Ügoo, sowieso, der ist ein ganz eigener Typ. So ein Aussteiger aus der pariser Gesellschaft, dem die Engstirnigkeit seiner Landsleute zum Hals rausgehangen ist, und darum mit Sack und Pack durch Nepal, Burma, Vietnam und so gereist ist. Bewundernswert soweit, keine Frage. Der Sunnyboy (charmant, markant aber vertrauenswürdig, gutausssehend) ist nicht einzuschätzen. Hat die Gabe, wirklich sofort mit Einheimischen eines, glaub ich, wirklich jeden Landes, eine Verbindung aufzubauen. Ich weiß aber nicht, ob das ehrlich und natürlich und er einfach ein netter Mensch ist, oder eine durchgezogene Routine, die ihn im Endeffekt nicht vom deutschen Sextouristen in Thailand unterscheidet. Naja, gute Geschichten hat er auf Lager, und für Unterhaltung beim Alkoholkonsum ist es auf jeden Fall genug.
Werd ihn ja nicht heiraten.
Also ich und der Ügoo kommen hin, und dann ist auch schon losgegangen. Die Aufwärm- und Dehnungsübung zu Beginn erinnern frappierend an die in Graz, und das eigentliche Training danach eigentlich auch. Man wird halt, als einer wie ich, als absoluter Anfänger behandelt, und so bin ich eben derzeit dabei, den Sport von Grund auf neu zu erlernen. Dann war auch alles wieder schnell vorbei, und dann ist das Undenkbare passiert: der Regenschirm, den ich eigentlich nur pro forma mitgenomman hab (die Koreaner sind nämlich aus Zucker, die mögen gar nicht, wenn auch nur ein Tröpfchen ihr Haupt trifft, grad dass sie nicht bei Nebel im Ganzkörperplastiksack herumrennen), war weg.
Diebstahl, helle Aufregung. Beschwichtigungen der anwesenden Koreaner, dass das jetzt nicht so sein könne, das wäre nicht richtig. Vom Regenschirmablageplatz, wo zwischenzeitlich sicher 60 Regenschirme wohnen, ist noch nie ein Regenschirm weggekommen. Also gut, ein wenig herumgesucht, und einen sehrsehrsehr ähnlichen gefunden. Der war halt nass, weil es zwischendurch dann doch geregnet hat, und damit sicher nicht meiner. Der Europäer denkt sich, na gut, tauschen wir halt, aber das ist nicht so da. Was, wenn der wem anderen gehört? Wen der den dann vermisst? Was soll sich der denken? Also gut, dann halt ohne Regenschirm nach Hause. 3 Euro, kaltblütig, aber wahrscheinlich versehentlich, entwendet, das merk ich mir.
Heute in der Früh wach ich auf, im Zimmer ist es sehr hell, der Inder dürft seinen Abreisetermin zu einem Seminar verschlafen haben, und nützt die Zeit, um einfach immer weiterzuschlafen. Der schlaft heute schon 11 Stunden, sonst immer nur 5 oder so. Hoffentlich ist er nicht krank. Es schimmert also sehr hell durch den Vorhang, und das kann ja nur heissen, schöner, warmer, sonniger Tag. Vorhang weg, Schnee. 3-5 Zentimeter Schnee, eifrig am schmelzen. Das ist ja wohl die größte Frechheit, da entflieht man der eisigen Alpenrepublik, rennt gleich nach der Ankunft im T-Shirt herum, und zwei Wochen später geht der Frau Holle einer ab. Normalerweise sei das Wetter nicht so, sagen die Koreaner. Hoffentlich hält zumindest der Wetterbericht, was er verspricht, nämlich 15 Grad am Wochenende. Update, während ich das schreibe: mir ist schon aufgefallen, das der Inder einen ungeheuer ruhigen Schlaf hat. Dann dreht er sich einmal her, und ich seh, dass er keinen Schnauzbart mehr hat. Und noch schlimmer, das der Inder gar nicht mein Inder ist, sondern ein anderer. Jetzt is er aufgestanden, hat "Good Morning" gesagt, und ist gegangen, ins Zimmer gegenüber. Bin gerade ziemlich perplex. Tauscht sich da in der Nacht einfach der Inder aus.
Und über die trau ich mich noch nicht drüber, gekauft hab ich sie einmal.
Und das ist Quallensalat.
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