Sonntag, 14. März 2010

Der Weg zum inneren Frieden - Yin

Im Laufe der Woche hat sich herauskristallisiert, dass die Franzosen dieses Wochenende nach Busan fahren, also hat man sich natürlich gleich eingebaut, vielleicht gibts ja dort ein bisschen mehr Entspannung als auf der Provinzuni.


Reisen hat in Korea hat einen ungeheuren Komfortwert, in den Reisebussen gibt es nur 3 Überkomfortable Sitze pro Reihe, die einen alles um sich herum vergessen lassen und ein wahrliches Reisevergnügen bescheren. Nach einer längeren U-Bahnfahrt haben wir uns dann in unserem Hostel namens Zen-Backpackers niedergelassen. Der Besitzer, ein sehr sehr gemütlicher, sicher keine 30 Jahre alter Alternativkoreaner hat da was eingerichtet, das seinesgleichen Sucht. Nicht mehr als eine größere Wohnung, von der drei Zimmer zu Gästeräumen umgebaut wurden, er selbst lebt im vierten Zimmer, ist dieses Hostel im 15. Stock eines Riesenwohnkomplexes wohl das gemütlichste Schlafplätzchen, dass ich je um 20€ pro Nacht besucht habe. Ein voller Kühlschrank inklusive Selbstbedienungsanweisung, wenn man will eine Playstation, und ein kleiner Balkon mit Aussicht über einen Teil der Stadt.

Freitag war dann von der üblichen touristischen Essens- und Partysuche geprägt, nur der ungefähr halbstündige nächtliche Strandspaziergang begleitet vom Meerrauschen hat das erste Mal ein wirkliches Gefühl von Ruhe vermittelt. Der Samstag verlief größtenteils franzosenlos, gestärkt vom viergängigen Frühstück beim mir immer mehr ans Herz wachsenden Paris Baguette, haben sich der Max und ich aufgemacht, einen Tempel zu finden, der ein bisschen Abseits, und damit ein bisschen weniger touristisch erschlossen ist als andere.

Das hat sich natürlich auch dadurch geäußert, dass wir ihn nicht gefunden haben. Stattdessen haben wir Spaziergänge durch Aussenbezirke der Stadt gemacht, wo in kleinen Häfen alte Frauen am Boden sitzen, und Seetang zum trocknen vorbereiten. War vom Flair irgendwie griechisch Fischerdorf, aber auch nur entfernter, ganz eigen. Dann haben wir eine Art Aussichtsplattform inklusive kleinem Wäldchen erobert, was dann mit einem ungeheuer entspannendem Bankerlsitzen am Meer in der Sonne belohnt wurde. Nie war ich so glücklich, nicht in einer Gruppe unterwegs zu sein.

Dann hat uns der Tempel aber doch so gereizt, das wir uns in ein Taxi gesetzt haben, und durch den von zwei Passantinnen angefertigten Zettel, der sagte, "Wir wollen zum Tempel", auch Schnurstracks dort waren. War natürlich gleich hinter dem Hügel, vor dem wir dachten, dahinter sei sicher nix mehr.


Beim Tempel hats dann die obligatorischen Stände gegeben, die Waffeln und andere tolle Speisen verkauft haben, und dann ist schon die Statuenorgie losgegangn, die 12 Tierkreiszeichen der fernöstlichen Astrologie, ein paar größere, andere Dinge, und natürlich sehr viel Buddha. Das dürft eine wirkliche Pilgerstätte sein, viele Leute haben gebetet, viele kleinere und größere Geldspenden gemacht, die interessanteste Form war ein kleiner Bach, in dem zwei Statuen mit mit Wasser gefüllten Behältnissen standen, und die Leute haben von der Brücke darüber aus versucht, ihre Münzen in die Behältnisse zu werfen. Keine Frage, dass ich da selbst sehr viel Geld (sicher einen Euro, aufgeteilt auf 10 Münzen) gelassen hab.

Aber so der Tempel auf der einen Seite, das Meer auf der anderen, das hat was gehabt. Am Weg nach zurück hab ich der Versuchung der Seidenraupenlarven, gekocht, nicht mehr widerstehen können. Der Weg zum inneren Frieden führt über Leid. Man glaubt nicht, wie eine Speise im Mund mit jedem Bissen mehr werden kann, so als würds dir noch einmal als Rache für das verspeisen wirkliche langanhaltende Erinnerungen an diesen Moment mitgeben. Das war einmalig.

Danach ins örtliche Aquarium gegangen, und wenn das nicht restlos überfüllt gewesen wär, hätte das kontinuirliche Plätschern und die leise Hintergrundmusik, die mehr als entspannend war, mehr als gereicht, um dort einfach auf einer der Sitzmöglichkeiten einzuschlafen. Man findet seinen Frieden.


Nach ein wenig einkaufen und essen sind wir dann ins Hostel zurück, wo ich das Sonderservice des Hauses in Anspruch genommen hab, einmal gratis Fortunetelling, eine gratis Lebensanalyse, computergestützt und berechnet durch meine Geburtsdaten. Der hat mir dann tolle Sachen erzählt über mich, bis auf ein paar wenige, wo er nicht so ganz richtig gelegen ist, war er großteils recht gut, jetzt weiß ich, dass zwei meiner vier spirituellen Symbole feurig sind, dass in meinem Realleben zwei Affen, ein Hund und ein Tiger miteinander kämpfen, und dass es für mein Seelenheil gut wäre, wenn ich in eine Stadt mit großem angrenzenden Gewässer ziehen würd. Und Kreuz- und Nackenschmerzen werd ich haben, wenn ich zwischen 60 und 70 Jahre alt bin. Na bumm.

Um 1 sind wir dann ins Bett, noch getratscht bis irgendwann, was dann auch vom Max quittiert worden ist mit einem "dir geht das schon ab, das vor dem einschlafen mit wem reden". Recht hat er, der Inder ist ja dann doch nicht so die Quasseltante. Geschlafen wie ein Baby, ohne Ohrenstöpsel, das war wie Weihnachten.


Sonntag, der Trip zu der Insel, war auch eine Erfahrung, ein paar Stufen, die sehr dazu animieren, an sich selbst zu denken, und nach dem essen war schon wieder alles vorbei. Schade.
Heimkommen kann so grausam sein.

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