Auf der anderen Seite bleiben einem Erlebnisse wie das Seidenraupendebakel natürlich auch nicht erspart, verdoste Speisen ohne Bild sorgen für interessante bis ekelhafte Überraschungen, und wenn man dann hört, dass es irgendwelche Seeschnecken gibt, die billiger und dementsprechend ansprechender als die oben genannten Stoffproduzenten sind, sieht man seiner tiefschwarzen Geschmacksknospenzukunft entgegen.
Dass dann eine Facebooknachricht mit dem Inhalt "Dog, tonight?" zu emotionalem Springschnurspringen führt, ist halt auch klar. Aufgeregt waren natürlich alle die da mitgegangen sind, die Franzosen haben sich mit ihren Daheimgebliebenen im Facebook Kommentarschlachten geliefert, die von "aufregend" bis "abstoßend" alles geboten haben. Der Hype war riesengroß, als sich dann die Ganze Truppe versammelt hat, hats ein bisschen Schulklassenfeeling vor der ersten größeren Klassenfahrt gegeben. Und auf dem Weg zum Restaurant war jeder Hund, den wir sahen, Opfer von sehr tiefgründigen Scherzen, die zu 90% mit dem Satz "Du bist der nächste" geendet haben.
Der Hund ist ja eigentlich seit der Fußballweltmeisterschaft verboten, weil das damals eine große Imagesache war, ein bisschen "zivilisiert" ins Koreanische Werbeportfolio brigen. Darum kann man nirgendwo wirklich Hund bestellen, sondern nur was, was sich "stärkende Suppe" oder "stärkendes Fleisch" nennt. Weils angeblich potenzfördernd ist. Als ob Potenz das größte Problem wär, dass diese kaputte und eigenartige Liebesgesellschaft hier hat...
Der eine Koreaner, der sich mit Essen auskennt, hat uns gesagt, wenn man richtig guten Hund essen will, muss man schon ausserhalb der Stadt suchen, da gibt's das ein oder andere Plätzchen, die einem nicht unbedingt den Nachbarshund verkaufen und wo das wirklich ein Hochgenuss sein soll. Tja, unsere Gaststätte ist gleich neben dem Unicampus.
In dem kleinen Häuschen mit Flair von Reifenfirma ist unser Vertrauen in die Kochkunst schon sehr auf die Probe gestellt worden. Als gute Vorspeise hats Leber und Haut (wahrscheinlich auch vom Hund, aber da war sich dann keiner so sicher) gegeben, mit den üblichen Gemüsebeilagen. Der eigentliche Hund war dann wieder Fleisch und Fett und Haut, und naja, der Schnaps, den wir dazubestellten, war sehr sehr wichtig, dem Kopf einzureden: "Das muss jetzt sein". Der Soju, das Wegsprenggetränk, ist sowieso sehr einladend. Everyday! Good Morning! und junge, dynamische Mittzwanzigerinnen sind eigentlich drei Dinge, die nicht ansatzweise mit dem Getränk in Verbindung gebracht werden können, oder besser, dürfen.
Das Fleisch hat geschmeckt wie gekochtes Rindfleisch, mit einem Touch Schaf und einer Prise komisch. Die Aufregung hat mit dem Sättigungsgrad abgenommen, die kleine Schüssel Reis am Schluss war ein willkommener Geschmacksneutralisator. Das Erlebnis, das gegessen zu haben, der Fakt, dass man das auf seiner "To do in Life" Liste abhacken kann, übertrifft das eigentliche Geschmackserlebnis um ein Vielfaches.
Der Magen hat dann auch noch eine formale Beschwerde eingereicht, was zu dem Fazit kommen lässt, dass es zwar nicht gut war, aber zumindest war.
Hmmm... ich hab zwar schon viel probiert, aber Hund eindeutig noch nie. Weiss nicht, ob ich das mal machen würde. Für mich ist das wohl so wie für einen Inder Rind zu essen. Geht irgendwie nicht.
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